27.04.2020 - 17:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Wegen Corona: Kranke meiden Krankenhäuser

Die Covid-Lage entspannt sich, auch im Klinikum St. Marien in Amberg. Das gibt Zeit, etwas durchzuschnaufen – aber auch, andere Probleme zu beachten, die Corona für die Krankenhäuser und Patienten mit sich bringt.

Besuchsverbot und mehr: Im Klinikum St. Marien Amberg wird alles getan, um das Ansteckungrisiko zu minimieren. Dennoch meidet mancher Notfall aus Angst vor Covid das Krankenhaus. Dass kann schlimme Konsequenzen haben.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die Corona-Pandemie sorgt offensichtlich dafür, dass Patienten andere Erkrankungen verschleppen, um nicht ins Krankenhaus zu müssen. Entsprechende Medienberichte bestätigt der Ärztliche Direktor der Kliniken St. Marien Amberg. "Wir beobachten eine der Jahreszeit nicht entsprechende, geringere Belegung mit Notfallpatienten", bestätigt Dr. Harald Hollnberger. Offensichtlich meiden Kranke die Klinik, um sich nicht der Covid-Gefahr auszusetzen. Aber auch die Folgen dieses Verhaltens zeigen sich im Amberger Klinikum inzwischen: "Mittlerweile kommen vermehrt Patienten ins Haus, die aufgrund einer Verschleppung von Erkrankungen deutlich schwerer krank sind und mehr Komplikationen bereits entwickelt haben."

Dr. Harald Hollnberger ist Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter des Klinikums St. Marien in Amberg.

Für Hollnberger zeigt sich hier ein "gewisses Vermeidungsverhalten", dass ihn mit Sorge erfülle. "Man hat den Eindruck, die Patienten hätten Angst, die Klinik aufzusuchen." Dabei gebe es kaum Grund für diese Ängste. Die Klinik betreibe großen Aufwand, um Covid-Patienten von den regulären Fällen zu trennen. Das beginnt bereits bei der Aufnahme. "Wir appellieren daher eindringlich an die Bevölkerung, akute Beschwerden umgehend abklären zu lassen, um Komplikationen und Spätfolgen zu vermeiden." Hollnberger vergleicht die Situation mit der Arbeit eines Dachdeckers: "Der repariert auch lieber einzelne Dachziegel anstatt ein halb abgedecktes Dach". Der Unterschied: Beim Dachdecker geht es nur um höhere Kosten, bei Patienten um die Gesundheit. "Wir sind in allen Fachbereichen uneingeschränkt handlungsfähig", es gebe allerdings keinen Grund das Krankenhaus zu meiden.

Die Entwicklung der Fallzahlen in Bayern und in der Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz

Allerdings nagt das Coronavirus auch an der Gesundheit der Kliniken selbst: Weil Kapazitäten für Coronapatienten frei gehalten werden müssen, fehlt den Krankenhäusern Auslastung und damit Einnahmen. Zwar gebe es Kompensationszahlungen, aber "die reichen bei weitem nicht", wie Hollnberger ganz klar sagt. "Die Kliniken haben ja nicht nur die stationäre Versorgung drastisch reduziert, sondern auch den gesamten ambulanten Bereich, der bisher nicht berücksichtigt ist." Außerdem steige der Aufwand in den Häusern extrem. Hollnberger verweist für die Amberger Klinik auf die neuen notwendigen Schichtmodelle und den zusätzliche Personaleinsatz für die Versorgung von Covid-19-Patienten, der erhebliche Mehrkosten verursache. Zudem explodieren Kosten für Schutzkleidung, sowohl der Verbrauch als auch die Preise seien extrem gestiegen. "Wir haben in diesem Bereich Kostensteigerungen zwischen dem 10- bis 20-fachen", rechnet Hollberger vor. Alle Kliniken benötigen mehr finanziellen Hilfen, wenn die Gesundheitsversorgung in der bisherigen Qualität dauerhaft erhalten werden soll. "Wir sehen die Entwicklung mit großer Sorge, wie alle anderen Kliniken in Deutschland auch."

Gute Nachrichten zur Covid-Lage:

Entspannung im Klinikum St. Marien Amberg

Insgesamt zeigen sich im Klinikum St. Marien in Amberg in den vergangenen Tagen rückläufige Belegungszahlen bezüglich Covid positiver Patienten, erklärt der Priv.-Doz. Dr. Marc Dauer, Chefarzt der Medizinischen Klinik II in der auch die Infektiologie angesiedelt ist. Im Bereich der Covid-Normalstationen sei die Belegung konstant bis leicht rückläufig, der Covid-Intensivbereich sei etwa zu 50 Prozent ausgelastet. "Hier überwiegen die beatmeten Covid-Patienten", erklärt Dauer. Erfreulich sei, dass die Belegung der Intensivstation seit Ostern rückläufig sei. Auch bei den stationären Aufnahmen sind die Zahlen rückläufig. Auffallend ist, dass wieder deutlich mehr Verdachtsfälle einen negativen Befund zeigen, also nicht am Coronavirus erkrankt sind. "Wir nehmen derzeit etwa fünf bis zehn Personen pro Tag auf", erklärt Dauer, meist gehe es dabei darum, den Verdacht auf die Erkrankung abzuklären. Und noch eine positive Nachricht hat der Internist: "Die Aufnahmen von gesicherten Covid Patienten aus Altenheimen gehen zurück."

Damit dies so bleibt setzen auch Dauer und der Ärztliche Direktor Dr. Harald Hollnberger auf die seit Montag geltende Maskenpflicht. "Wir beurteilen die Einführung sehr positiv. In unserem Klinikum haben wir diese für unsere Mitarbeiter bereits seit einigen Wochen, für Patienten und Besucher seit letzter Woche." Die Akzeptanz sei sehr gut. Letztlich geht es darum, die Sicherheit für alle zu erhöhen, da durch das Tragen einer Maske die Tröpfchen- und Aerosolbildung in der Umgebung reduziert wird. Dies ist gerade bei symptomlosen Virusträgern wichtig. Wichtig ist aber auch: eine getragene Maske kann den Sicherheitsabstand nicht ersetzen.

Privat-Dozent Dr. Marc Dauer

Experten zu Gerüchten über Schutzmasken

Amberg
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