Amberg
12.04.2019 - 10:37 Uhr

Im Wettbüro verschwinden fast 6000 Euro

Der Mann ist nach Einschätzung des Richters "die Idealbesetzung für ein Wettbüro": spielsüchtig, drogenabhängig und vorbestraft. Aus seiner Kasse fehlen im November 2017 knapp 6000 Euro. Den Coup hat der 31-Jährige selbst inszeniert.

Wer 100 Euro euf einen Nürnberg-Sieg gegen Schalke setzt, erhält im Erfolgsfall 340 Euro zurück. Mit Sportwetten lässt sich Geld verdienen - und verlieren. In einem Wettbüro sind fast 6000 Euro aus der Kasse verschwunden. Bild: tk
Wer 100 Euro euf einen Nürnberg-Sieg gegen Schalke setzt, erhält im Erfolgsfall 340 Euro zurück. Mit Sportwetten lässt sich Geld verdienen - und verlieren. In einem Wettbüro sind fast 6000 Euro aus der Kasse verschwunden.

Es gab drei Hauptdarsteller in dem spektakulären Stück, zu dessen Aufführung sich der Vorhang im Gerichtssaal öffnete. Auf die Bühne trat zunächst ein 38-Jähriger, der mit 17 Vorstrafen kam und sofort ein lückenloses Geständnis ablegte. Ferner gab es einen momentan wegen Raubverdachts in U-Haft sitzenden 51-Jährigen, der die Gefängnisse ebenfalls nach zehn Vorstrafen langfristig von innen kennt. Und dann war da noch ein 31-Jähriger, der erst unlängst vom Amberger Schöffengericht einen mehrjährigen JVA-Aufenthalt wegen Einbruchsdiebstahls in Illschwang kassierte. Darum hatte die Justiz auch das Verfahren in der nun vorliegenden Sache zu seinen Gunsten eingestellt. Diese "Packung" sei schon ausreichend, hieß es.

Der 31-Jährige war im November vorletzten Jahres als Geldeinnehmer in einem Amberger Wettbüro angestellt. Der Spiel- und Drogensüchtige neigte zur Selbstbedienung und heckte einen Plan aus. In eigener Zuständigkeit aber mochte er nicht in die mitunter ansehnlich gefüllte Kasse greifen. Also rief er den 38-Jährigen an und fand sofort Zustimmung bei seiner Idee: "Ich gehe aufs Klo, du kommst und kannst in die Kasse greifen." Der 38-Jährige war irgendwie begeistert ("Ich habe 1000 Euro bekommen, dafür Weihnachtsgeschenke gekauft") und holte nach seinen Angaben seinen Nachbarn (51) in einem Übergangsheim mit ins Boot. Der aber entrüstete sich vor Amtsrichter Markus Sand: "Ich kenne den zwar, aber ich war nicht dabei."

Der Coup startete am 30. November 2017 nach der Mittagszeit. Der Wettbüroangestellte ging auf die Toilette, schickte dem 38-Jährigen eine SMS und gab grünes Licht. Dann erschien neben ihm, wie Kameras aufzeichneten, ein Mann mit Lederjacke und Kapuze im Geschäft, öffnete die Kasse und legte knapp 6000 Euro in seinen Rucksack. "Ich war das nicht", sagte der 51-Jährige. Von der Beute soll er über 3000 Euro erhalten haben. 1500 Euro gingen an den Bediensteten des Wettbüros.

Was Richter Sand nach einer längeren Beweisaufnahme auf dem Tisch hatte, war: Es gab den 38-Jährigen, der den Ablauf detailliert geschildert hatte. Dafür bekam er neun Monate Haft mit Bewährung. Auch schon wegen seines Geständnisses. Dann war da der Wettbüro-Kassierer, der nur noch als Zeuge zu kommen brauchte, die Anstiftung zum Diebstahl aus der Ladenkasse zugab und wegen der unterdessen erfolgten Verfahrenseinstellung nichts mehr befürchten brauchte. Den 51-Jährigen wollte er nicht näher kennen und schon gleich gar nicht beauftragt haben. Was aber geschah im Prozess mit dem mutmaßlichen Haupttäter?

Gegen ihn trennte Richter Sand das Verfahren ab: "Wir brauchen einen Gutachter." Der Experte soll sich nun die Videos anschauen und mitteilen, ob das der 51-Jährige war. Erst dann wird sich klären lassen, ob man ihm eine Rolle in der Schmierenkomödie zuordnen kann. Zumindest bis dahin gilt die Unschuldsvermutung. Das trifft auch für ein Verbrechen zu, bei dem unlängst ein Mann nahe der Sandstraße in eine Falle gelockt und dann ausgeraubt wurde.

 
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