28.10.2020 - 16:43 Uhr
AmbergOberpfalz

„Willkommen bei den Hartmanns “ im Stadttheater Amberg mit brisanten Szenen

Was passiert, wenn eine wohlhabende Familie einen nigerianischen Flüchtling aufnimmt? Eine Komödie war es nicht, die sich bei den Hartmanns auf der Bühne des Stadttheaters Amberg abspielte. Die Szenen gingen unter die Haut.

"Willkommen bei den Hartmanns" im Stadttheater in Amberg, eine Komödie nach dem Film von Simon Verhoeven.
von Helmut FischerProfil

Wie wirkt sich die Aufnahme eines Flüchtlings auf das Familienleben aus? Wie reagieren Freunde und Nachbarn darauf? Dies war das Thema von "Willkommen bei den Hartmanns". Die Familie Hartmann: das sind die Mutter Angelika, eine pensionierte Lehrerin, die nach einer sinnvollen "sozialen" Beschäftigung sucht, und Vater Richard, ein pensionsreifer Oberarzt, der mit allen Tricks seine Jugendlichkeit nachweisen will. Dazu Tochter Sophie, die auf ihrer Sinnsuche zur Dauerstudentin wurde, sowie Sohn Philipp, ein Workaholic mit versetzungsgefährdetem Kind Basti. Mutter Angelika präsentiert eines Tages die Idee, einem Flüchtling übergangsweise ein Zuhause zu bieten, als persönlichen Beitrag zur Integration. Und so zieht, nach gegensätzlichen Diskussionen, der nigerianische Asylbewerber Diallo ein, der auf einen positiven Asylbescheid hofft.

Emotionen der Flüchtlingspolitik

Sehr bald setzten sich die Hartmanns konstruktiv mit den Ansichten und Wertvorstellungen Diallos auseinander. Diallo war eben nicht nur ausgesprochen sympathisch, fleißig und hilfsbereit. Seine Unterstützung rettete auch Basti vor dem Schulverweis. Von außen erlebt die Familie neben Unterstützung, Unverständnis und Ablehnung sogar vernichtenden organisierten Hass. Dies auszuhalten und dem Flüchtling trotzdem das Gefühl des Willkommenseins zu bewahren, erwies sich als eine riesige Herausforderung. Damit wurde in diesem Theaterspiel die emotionale Breite der deutschen Flüchtlingspolitik der letzten Jahre gespiegelt. Dass dies in oft überspitzter, schlagzeilen-trächtiger Kurzform erfolgte, manche Szenen konstruiert und schablonenhaft erschienen, war wohl nötig, um die Brisanz dieses Themas und seine ungebrochene Aktualität deutlich zu machen.

Die Regie packte die nahtlos wechselnden Szenen in ein turbulentes, spannendes wie gelegentlich hektisch wirkendes Spiel. Eine Komödie war es nicht, dabei kam die Brisanz der Handlung zu hautnah über die Rampe. Doch trug manche Situationskomik erheiternd zur Entspannung bei. Toll war der Bühnenaufbau, der für sämtliche Szenen die variablen Requisiten vorhielt, ohne dass ein Umbau nötig wurde. Letztlich wurde vieles gut. Denn der zunächst abgelehnte Asylantrag Diallos führte zu einer spontanen Solidarisierung der Hartmanns. Eine gute Hand hatte Regisseur Michael Bleiziffer bei der Wahl seiner Hauptakteure. Antje Lewald war die Mutter Angelika, die sowohl ihren ehelichen Frust wie auch ihre Fürsorge eindrucksvoll verkörperte. Steffen Gräbner war der ideale, von Altersangst gepeinigte Oberarzt.

Schauspieler mit Aha-Effekt

Sehr gut war Caroline Klütsch als Sophie in den Dialogen mit Diallo sowie der aufkeimenden Liebe zum Oberarzt Tarek, (souverän verkörpert von Simon Awiszio). Der Workaholic Philipp Hartmann wurde von Marc-Andree Bartelt großartig in der Hektik und Unberechenbarkeit dieser Rolle dargestellt. Aber der Aha-Effekt des Spiels war Derek Nowak als Diallo. Sein Bemühen um Erkenntnis der Werte seines Gastlandes, die Reflexionen über seine Eindrücke in der Fremde, die Erinnerungsszene an Nigeria mit den Grausamkeiten durch die Terror-Miliz Boko Haram - das waren Momente, die unter die Haut gingen.

Bild: Hartl Willkommen bei den Hartmanns Komödie nach dem Film von Simon Verhoeven

Was ist sonst noch im Stadttheater geboten?

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