26.06.2018 - 19:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Winterkönig und die Angst

Neu ist die Meldung nicht: 2019 gibt es wieder das Amberger Welttheater "Der Herbst des Winterkönigs". Dass sich daraus aber Bezüge zur aktuellen Weltpolitik bis hin nach Syrien schaffen lassen, war im Stadtrat doch überraschend.

Ein Bühnenereignis war das Amberger Welttheater 2014 mit seinen knapp 100 Mitwirkenden. In die 13 Aufführungen kamen 7280 Besucher.

(ll) Das Thema kam am Montag kurzfristig vom nichtöffentlichen in den öffentlichen Teil. Kulturreferent Wolfgang Dersch beantragte dabei mehr Geld noch 2018 - für Marketing und "weil der Kartenvorverkauf unbedingt vor Weihnachten beginnen muss". 20 000 zusätzliche Euro sollten dafür nach Derschs Einschätzung reichen. Bisher waren nur 10 000 Euro eingeplant. Die Hauptmasse der Ausgaben - 415 000 Euro - ist für 2019 vorgesehen.

Durch Eintrittsgelder, Sponsoren und Zuschüsse hat Dersch 225 000 Euro an Einnahmen eingeplant, so dass die Stadt in der Endabrechnung 220 000 Euro an Eigenmitteln für das Schauspiel aufbringen muss. Ganz schön viel, fand Josef Lorenz. Ob die Zahlen nicht noch Sparpotenzial hergäben? "Denn jeder Euro, der fürs Welttheater ausgegeben wird, kann nicht für nachhaltigere Kulturprojekte ausgegeben werden."

Gegen Befürchtungen, die Einnahmen könnten zu optimistisch berechnet sein, verwies Dersch auf "sehr gute Sponsorengespräche mit örtlichen Firmen" und eine vorsichtige Kalkulation mit 500 Besuchern pro Vorstellung bei 600 vorhandenen Plätzen, also deutlich unter der Auslastung, die man 2014 hatte (knapp 93 Prozent). Man habe aus den schlechten finanziellen Erfahrungen von damals gelernt, beteuerte Dersch: "Dieser Kostenansatz ist nicht auf Kante genäht."

Die Mehrheit des Stadtrats um OB Michael Cerny ("eine sehr gute Geschichte"), CSU-Fraktionschef Dieter Mußemann ("die Aufführungen waren toll") und den Sozialdemokraten Florian Fuchs ("das war beeindruckend") bewilligte den Antrag. Allerdings gab es auch vier Gegenstimmen. Zum Teil gingen sie wohl auf die Kritik zurück, die Hans-Jürgen Bumes (Grüne) äußerte, nachdem er zunächst das Gremium mit einem Exkurs zum Dreißigjährigen Krieg etwas irritiert hatte: Die "German Angst" und die daraus resultierende Regelungswut wurzelten in dieser Zeit, in der jede staatliche Ordnung zusammenbrach, militärisch organisierte Banden sich aus dem Land ernährten, über die Bewohner herfielen, gewaltige Fluchtbewegungen auslösten, 30 Prozent der Bevölkerung auslöschten. Bumes zog sogar eine Parallele zur Gegenwart: Der IS in Syrien verhalte sich ganz ähnlich, auch dort werde ein reiner Machtkrieg religiös angestrichen. Und dann kam sein Punkt: Vor diesem Hintergrund wirke es seltsam, wenn der Winterkönig, der dieses Verderben auslöste, weil er seine Macht ausweiten wollte, am Ende des Stücks über sein persönliches Schicksal lamentiere. Das sei nicht mehr zeitgemäß, da müsse man die Aufführung doch überarbeiten.

Die Gegenmeinung formulierte Florian Fuchs: "Bitte kein politisch korrektes historisches Schauspiel. Das geht mir langsam auf den Geist."

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