12.08.2019 - 14:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenn der Wischmop zur Waffe wird

Schwieriger Fall. Was tut ein Gericht, wenn es Tatzeugen braucht und es sich dabei um Männer handelt, die als Obdachlose auf unsteter Wanderschaft sind? Abwarten und suchen, heißt es nun für die Justiz.

In Amberg verhandelt ein gericht über eine wüste Schlägerei.
von Autor HWOProfil

Was an einem Abend im Juni letzten Jahres vor einem Obdachlosenquartier im Stadtosten mit allerlei Waffen ausgetragen wurde, kam zunächst bei großem Ermittlungsaufwand der Polizei als versuchter Totschag in die Akten. Dann allerdings ging die Staatsanwaltschaft von gefährlicher Körperverletzung aus und holte einen der beteiligten Männer deswegen vor das Schöffengericht.

Es geht um vier Euro

Es ging, wie sich am ersten Verhandlungstag ergab, um vier Euro, die geliehen und nicht zurückbezahlt worden waren. In der Debatte darüber gerieten die vier Leute so in Harnisch, dass sie zunächst mit Fäusten und dann mit Schlagwaffen aufeinander losgingen. Dem nun beschuldigten 58-Jährigen wird beispielsweise vorgeworfen, aus seinem Zimmer ein Samuraischwert geholt und damit einen seiner Kontrahenten verletzt zu haben.

Die anderen drei Kontrahenten bewaffneten sich ebenfalls. Sie rissen in der Nachbarschaft das bis heute sichergestellte meterlange Feld eines Jägerzauns heraus und brachen hölzerne Latten davon ab. Außerdem kam ein Wischmop zum Einsatz. Eine wüste Auseinandersetzung. Doch so schlimm sei das alles nicht gewesen, hatte der jetzt angeklagte Schwertkämpfer zum Prozessauftakt verlauten lassen und Richter Markus Sand versichert, dass unter ansonsten "guten Freunden" eine Meinungsverschiedenheit stattgefunden habe.

Das Schöffengericht hatte die drei weiteren Beteiligten an der nächtlichen Schlacht als Zeugen geladen. Aber nur einer kam. Dass er sich mit einem Wischmopp wehrte, wusste der Mann noch. Ansonsten aber machte er Gedächtnislücken geltend.

Weil das Gesetz lückenlose Aufklärung verlangt, brach das Schöffengericht die Verhandlung vorläufig ab und begab sich auf die Suche nach den anderen beiden Tatbeteiligten. Das erwies sich als mühseliges Unterfangen mit Teilerfolg. Einer lebt wohl momentan in einer oberbayerischen Therapieeinrichtung. Doch er konnte wegen jüngst erfolgter Beinoperation eine stundenlange Bahnfahrt nicht antreten.

Wichtigster Zeuge fehlt

Noch nötiger wären die Richter auf die Angaben des zweiten gesuchten Zeugen angewiesen. Denn er gilt nach vorhandenen Unterlagen als einziger, der nüchtern und ohne vorher genossenen Alkohol in die Schlägerei verwickelt war. Doch dieser Mann ist spurlos verschollen.

Gleichwohl bleibt das Verfahren aktenkundig. Zu einer Fortsetzung innerhalb der gesetzten Drei-Wochen-Frist kann es aber kaum kommen. Die Verhandlung wird, wie es den Anschein hat, irgendwann von vorn beginnen müssen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.