04.03.2019 - 13:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Die Zecke lauert schon

Auf den Zweigen und Gräsern hält er schon wieder Ausschau, um sich einen Wirt zu suchen – der Zeck. Für das kleine, aber nicht ungefährlichen Spinnentier hat die Saison begonnen. Das Gesundheitsamt Amberg ruft deshalb zur Vorsicht auf.

Schön ist er ja nicht, der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Dieser hier hat sich schon ganz schön vollgesogen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Amberg und der Landkreis Amberg-Sulzbach sind Hochrisikogebiet für die Übertragung der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Zecken, gemeint ist damit in erster Linie der Gemeine Holzbock, übertragen den Erreger auf die Menschen. Seit fast 20 Jahren verzeichnet das Gesundheitsamt Amberg-Sulzbach steigende Fallzahlen bei FSME-Erkrankungen. Rekordjahre waren 2013 und 2017 mit jeweils 16 Betroffenen. Vergangenes Jahr waren es 15.

"Wir haben vergleichsweise viele Fälle", sagt der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Roland Brey. Sorgen bereiten ihm vor allem die älteren Männer. "Bei den Kindern sind die Impfraten recht gut, das ist nicht das Problem." Und auch Frauen seien nicht so stark betroffen, vielleicht weil sie gesundheitsbewusster sind oder nicht so viel im Wald arbeiten. Brey rät dringend, sich impfen zu lassen. Vor allem Männer, die viel draußen unterwegs sind, sollten das Risiko einer Ansteckung nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Die 15 Fälle, die 2018 registriert wurden, markieren laut Brey die wirklich schlimmen Krankheitsverläufe und wohl nur die Spitze des Eisbergs. "Wir gehen davon aus, dass viele FSME-Erkrankungen gar nicht als solche erkannt werden." Sommergrippe sei so ein Begriff, mit dem Betroffene ihre Schmerzen und ihr Unwohlsein intuitiv beschreiben. Infizierte fühlten sich oft über Wochen erschöpft und angeschlagen, "wie beim Beginn einer Grippe". In Wirklichkeit aber kämpft ihr Immunsystem gegen das FSME-Virus.

Neuen Studien zufolge sind Zecken immer früher und immer länger aktiv. "Untersuchungen zeigen, dass in den letzten 20 Jahren FSME-Fälle beim Menschen rund vier Wochen früher und bis vier Wochen später im Jahr gemeldet werden", erklärt Dr. Gerhard Dobler vom Nationalen Konsiliarlabor für FSME. "Dies belegt, dass sich die Aktivitätsperiode der Zecken um zwei Monate und damit erheblich verlängert hat. Davor bleiben natürlich auch Haustiere wie Hunde oder Katzen nicht verschont, sie werden früher und länger von Zecken befallen."

Dobler stammt aus Wackersdorf (Kreis Schwandorf) und gilt als einer der bekanntesten Zeckenforscher Deutschlands. Er kennt die Zecken-Hot-Spots der Oberpfalz und hat auch einen direkt vor den Toren Ambergs ausgemacht. Auf einer Wiese südlich von Haselmühl beobachtet er seit zehn Jahren einen stabilen Bestand mit Zecken, die FSME übertragen. Der Vilstalwanderweg führt unmittelbar an dem betroffenen Areal vorbei.

Nicht in Haselmühl, aber in Schleswig-Holstein haben Zeckenforscher eine andere Entdeckung gemacht. Die neue Zeckenart Hyalomma ist hier im vergangenen Jahr erstmals aufgetreten. Bislang war diese weitaus voluminösere Zecke ausschließlich in den Tropen und Subtropen zuhause. Experten sind sich sicher, dass ihre Ausbreitung nach Mitteleuropa vor allem auf die heißeren und trockeneren Sommer zurückzuführen ist.

Dobler: "Die Hyalomma kann gefährliche Erreger wie das Krim-Kongo-Fieber-Virus oder Fleckfieber-Bakterien auf Menschen und Tiere übertragen. Falls sich entsprechend trockene Sommer wie 2018 mehrmals wiederholen, muss durchaus mit einer Etablierung der Zeckenart in Deutschland gerechnet werden." Noch ist dieser Aspekt in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach aber kein Thema.

Hohe Temperaturen begünstigen die Zecken-Ausbreitung

Sulzbach-Rosenberg

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