Amberg
09.02.2024 - 15:14 Uhr
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Zehn Gründe, warum die Hexennacht in Amberg so toll ist

Das Stadtmarketing spricht von 6000 Besuchern, die Polizei sogar von 8000: So oder so war die Hexennacht am Donnerstag auf dem Amberger Marktplatz ein Spektakel. Doch warum ist der Freiluft-Fasching so toll? Es gibt mehr als einen Grund.

Wenn die Quertreiber bei der Hexennacht auf der Bühne stehen, ist der Amberger Marktplatz voll. Die Band ist aber nur ein Grund, warum das Faschingsspektakel so toll ist Bild: Petra Hartl
Wenn die Quertreiber bei der Hexennacht auf der Bühne stehen, ist der Amberger Marktplatz voll. Die Band ist aber nur ein Grund, warum das Faschingsspektakel so toll ist

1. Die Tradition

Was im Februar 2002 als "Amberger Hexentreiben" begann, hat sich mittlerweile zum größten Faschingsspektakel in der Region Amberg-Sulzbach entwickelt. Im Vorjahr stellten die Hexen mit 10.000 Besuchern einen Rekord auf. Noch etablierter sind zwar viele der Faschingszüge im Landkreis, aber im Stadtgebiet kann während der fünften Jahreszeit keine andere Freiluft-Großveranstaltung auf mehr als 20 Jahre Tradition verweisen. Abgesehen davon gibt es in Amberg keinen Tuntenball mehr. Zudem findet der Schlaghosenball nicht mehr im großen Casino-Saal statt, sondern in einem kleineren, familiäreren Rahmen im Casino-Wirtshaus.

2. Die Band

Die Quertreiber sind nicht irgendwer: Die vor genau 20 Jahren im Vilstal gegründete Band gehörte zu den Vorreitern, als es darum ging, Volksmusik, Schlager, Rock und Partyhits auf eine Art zu verbinden, wie es sie zuvor in den 80ern und 90ern zumindest in der Region noch nicht gab. Frontmann Torsten Donhauser und seine vier Mitstreiter haben das gesamte Repertoire drauf und interpretieren sogar Stücke aus den Genres House, Techno und Trance auf ihre Art – wie bei "Insomnia" von Faithless.

3. Die Stimmung

Apropos Quertreiber – Sänger Torsten Donhauser war sogar am Freitagvormittag noch am Schwärmen: "Die Leute kommen schon mit guter Laune. Da braucht es gar keine großen Stimmungsmacher. Die Stimmung ist von Anfang an da." Der Wolfsbacher (Gemeinde Ensdorf) erhält Rückendeckung von DJ Reto, alias Thomas Retzer aus Amberg, der am Donnerstagabend vor den Musikern auf der Bühne stand: "Die Leute sind trotz Regens gekommen. Man hat wirklich gesehen, wie sich der Marktplatz mehr und mehr füllt. Die Hexennacht in Amberg ist einfach eine Institution."

4. Die Verkleidungen

Klar, in den Anfangszeiten dominierten als Hexen verkleidete Frauen die Szenerie. Über die Jahre hinweg hat sich das aber gewaltig geändert. Ina Bogner vom als Veranstalter auftretenden Stadtmarketing bestätigt: "Die Gruppenkostüme waren dieses Jahr echt richtig, richtig heftig. Die Leute haben sich mega viel Mühe gegeben, was uns wirklich gefreut hat, weil die Hardcore-Fans da waren." Seien es die als Lampenschirme verkleideten Frauen, die Maoam-Mädels aus Amberg und Umgebung, die Astronauten mit Weidener Beteiligung oder sogar Oberbürgermeister Michael Cerny, der als Hutmacher aus dem Film "Alice im Wunderland" unterwegs und für viele kaum zu erkennen war.

5. Die Disziplin

Rund 8000 Menschen auf dem Marktplatz. Da kann schon mal was passieren. Die Polizeiinspektion Amberg spricht dennoch von einem aus ihrer Sicht ruhigen Fest. Die Veranstaltung sei "gänzlich friedlich und ohne Probleme" abgelaufen. Insgesamt sei es nur zu neun Einsätzen gekommen, bei denen es jeweils um eine medizinische Versorgung gegangen sei. Ein Sprecher am Freitag: "Glücklicherweise waren keine ernsten Verletzungen zu verzeichnen." Der Großteil der Einsätze sei auf übermäßigem Alkoholkonsum zurückzuführen gewesen. Zu späterer Stunde mussten die Beamten mehrere kleine Auseinandersetzungen im Innenstadtbereich "wohl aufgrund fortgeschrittenen Alkoholgenusses" schlichten, bei denen es jedoch zu keinem strafbaren Verhalten gekommen sei. Ina Bogner vom Stadtmarketing dazu: "Für so eine Veranstaltung ist es wahnsinnig gut, dass sonst nichts ist."

6. Das Finanzielle

Freien Eintritt haben das jährliche Altstadtfest oder die alle zwei Jahre stattfindende Luftnacht (heuer am Samstag, 7. September) ebenfalls zu bieten. Die Preise sind außerdem human. Vier Euro für eine Bratwurstsemmel sind sicherlich kein Wucher. Was die Hexennacht aber finanziell besonders macht: Als Veranstalter denkt der Stadtmarketingverein nicht wie ein Unternehmer gewinnorientiert. Was die Wenigsten wissen: Die Musiker der Band Quertreiber spenden jedes Jahr ihre Gage. Laut Sänger Torsten Donhauser kamen bisher beispielsweise die Kinderpalliativ-Station am Klinikum St. Marien in Amberg sowie Einrichtungen für Kinder in Ursensollen und Ensdorf in den Genuss einer finanziellen Unterstützung. Im Vorjahr gingen 500 Euro an ein Kinderhaus in Fensterbach. Wer heuer der Spendenempfänger sein wird, stehe noch nicht fest: "Wir wollen variieren. Damit nicht immer dieselben drankommen." Das Geld bleibe aber auf jeden Fall in der Region.

7. Der Veranstaltungsort

Nirgendwo in der Amberger Altstadt passen so viele Menschen zeitgleich auf einen Platz wie vor dem Rathaus. Eine andere Location können sich weder das Stadtmarketing noch die Quertreiber vorstellen, die seit 2006 mit Ausnahme der Corona-Pausen jedes Jahr mit von der Partie waren. Frontmann Torsten Donhauser: "Das muss am Marktplatz bleiben. Woanders funktioniert das nicht. Sonst wäre das nicht mehr die Hexennacht."

8. Die Luft

Wer vor 2010, als es in Kneipen und Lokalen noch kein Rauchverbot gab, Fasching in Innenräumen gefeiert hat, wird sich noch gut daran erinnern können, auf einer von 0 bis 10 reichenden Geruchsskala gefühlt eine 12 gewesen zu sein. Schweiß, Alkohol und Zigarettenqualm sorgten als Mix stets für einen "Mief", um es freundlich zu formulieren. Bei einer Freiluftveranstaltung wie der Hexennacht spielt das keine Rolle. Außerdem hätte DJ Reto in einem geschlossenen Raum seinen Konfettiregen nicht so spektakulär über der Menge verteilen können.

9. Das Drumherum

Wer an Weiberfasching in Amberg unterwegs ist, merkt es fast ununterbrochen – dieser Tag ist etwas Besonderes. Schon vormittags sind Verkleidete in der Stadt zu sehen, von Stunde zu Stunde werden es mehr. Spätestens am Nachmittag, wenn die Hexen von der Frauen-Union das Rathaus stürmen, ist klar: Heute ist Hexennacht. In dieses Bild passt auch der Eindruck, den Beobachter am Abend auf dem Marktplatz gewinnen können: Vom Grundschüler, der mit seinem Eltern nach dem Kinderprogramm einfach noch geblieben ist, bis zu gut gelaunten Senioren ist bei der Hexennacht jede Altersgruppe vertreten. Oder anders formuliert: Amberg gönnt sich einen Tag der guten Laune. Und das - anders als beim Altstadtfest - unter der Woche.

10. Die Nebeneffekte

In der Kategorie Veranstaltungen/Freizeit gehört die Hexennacht neben dem Luftmuseum und dem Bergfest sicherlich zu Ambergs bedeutendsten Werbeträgern. Teilweise bis aus Nürnberg und Regensburg und darüber hinaus reisen Feierwütige am unsinnigen Donnerstag an und bringen jede Menge Frequenz in die Stadt. Ein nicht repräsentatives Rechenbeispiel: Gibt jeder der 8000 Besucher im Schnitt nur 10 Euro in der Stadt aus, kommt eine außerplanmäßige Kaufkraft von 80.000 Euro in die Altstadt. Davon mag der Einzelhandel womöglich nicht direkt profitieren, die Gastronomie am und rund um den Marktplatz dürfte die Hexennacht jedes Jahr aber deutlich in der Kasse spüren.

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Amberg08.02.2024
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