19.06.2019 - 11:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Zigarettenstummel sollen nicht mehr Ambergs Stadtbild verschandeln

Kippen schnippen gilt oft nicht einmal als Kavaliersdelikt. Es gehört zum Straßenbild, auch in Amberg. Dagegen wendet sich Karin Meixner-Nentwig, denn: "Eine Kippe verseucht 40 Liter Grundwasser." Sie macht sich für ein Umdenken stark.

Karin Meixner-Nentwig macht sich für das Recycling von Zigarettenfiltern stark.
von Erich Lobenhofer Kontakt Profil

Das Schlüsselerlebnis, das sie ins Grübeln brachte, liegt für die Ambergerin gut ein Jahr zurück. Als regelmäßige Nutzerin der Kneipp-Anlage nahe dem Kurfürstenbad fiel ihr dort auf, dass immer wieder Raucher ihre Hinterlassenschaften einfach am Boden "oder sogar im Becken entsorgt" hatten.

Die langjährige Vorsitzende des regionalen Kinderschutzbundes wurde bei den Stadtwerken vorstellig und verbuchte zumindest einen Teilerfolg: "Es wurden zwei Schilder angebracht mit dem Hinweis, dass dieser Bereich der Gesundheit dient und deshalb dort auf das Qualmen zu verzichten ist." Die meisten hätten sich daran gehalten, spätestens dann, wenn sie auf ihr Fehlverhalten angesprochen wurden.

"Jetzt gehen die Leute durch die Tür hinaus und werfen ihre Kippen dort weg - ins Gras oder in die Vils", klagt Meixner-Nentwig. So wie andernorts auf Straßen und Plätzen, vor Kneipen, Restaurants, am Bahnhof oder vor Geschäften. Die Hinterlassenschaften sind unübersehbar.

Und hier tritt die Ambergerin auf den Plan - alleine, wie einst Don Quijote gegen Windmühlen? Davon will die engagierte Frau nichts wissen. Sie setzt auf ihre eigene Beharrlichkeit, auf die Einsichtsfähigkeit der Menschen - und auf den in Köln ansässigen Verein Toba Cycle. Der hat sich zur Aufgabe gemacht, gemeinnützig ein Sammelsystem einzuführen.

Kippen massenweise: Inzwischen gibt es Möglichkeiten, diese umweltgerecht zu entsorgen, statt die darin enthaltenen Giftstoffe ins Grundwasser zu spülen.

"Ehrgeiziges Ziel"

"Wir haben das ehrgeizige Ziel, Zigarettenkippen aus der Umwelt und aus dem Restmüll zu verbannen", umschreibt der Verein seine große, selbstgewählte Aufgabe. Arbeit gibt es reichlich, denn weltweit fallen jährlich 4,3 Billionen Kippen an. In einschlägiger Literatur heißt es: "80 Prozent davon landen in der Umwelt." Es genüge ein kleiner Regen, um die in den Stummeln enthaltenen Giftstoffe auszuwaschen und ins Grundwasser zu leiten. Meixner-Nentwig hat sich viel von dem zu eigen gemacht, was Toba Cycle verfolgt und Interessenten für den Alltag empfiehlt: "Sprechen Sie ihren Kiosk, ihr Restaurant, ihre Bars, ihre Tankstellen, ihr Lieblingsgeschäft oder ihren Arbeitgeber darauf an, eine Annahmestelle zu werden und nehmen anschließend Kontakt mit uns auf (Toba Cycle Maastrichter Straße 7, 50672 Köln, 0176/95 70 54 95). Wir übernehmen alles Weitere. Wir beschränken uns bei dem kostenlosen Abholservice zunächst auf den Großraum Köln, um nachhaltig zu wachsen." In der Übergangsphase könnten die gesammelten Werke auch per Post geschickt werden, verpackt in Kartons. Für Mitglieder (Jahresbeitrag 20 Euro) werde das Porto übernommen. Ansonsten sei die Sendung als Päckchen oder Paket freizumachen. Ausgehend von Köln sollen nach und nach flächendeckend Sammelstellen entstehen, die Toba Cycle bedienen will. Dessen System sieht vor, dass Zigarettenkippen nicht weggeworfen, sondern separiert und gesammelt werden - in verschieden großen Behältern, die Toba Cycle zur Verfügung stellt - für Mitglieder kostenlos.

Zündende Idee

Die gesammelten Stummel wandern aber nicht in Verbrennungsanlagen, sondern werden unter Zugabe von Plastikmüll recycelt. Mit daraus entstehenden Granulat werden unterschiedlich große Gefäße gefertigt, die danach als neue Sammelbehälter unter die Leute gebracht werden. Damit schließt sich der Kreislauf. Eine zündende Idee, meint Meixner-Nentwig, die der Stadt empfiehlt, sich dafür zu erwärmen. In diesem Zusammenhang wirbt sie auch dafür, die städtischen Abfallkörbe nachzurüsten: "Ganz einfach mit einem Blech, das reingeschoben und rausgezogen werden kann." Darauf könnten alte Filter abgelegt und so auch vermieden werden, dass anderer Müll im Abfalleimer in Brand gerät.

Hintergrund:

Nicht in Einzelaktionen verzetteln

Ingrid Meixner-Nentwig hat unterdessen Oberbürgermeister Michael Cerny bereits mit ihren Gedanken vertraut gemacht. Dieser habe sich interessiert gezeigt. Zu Beginn dieser Woche habe er sie zudem darüber informiert, dass er es befürworte, das Kippen-Thema in die Beratungen des Bündnisses für Familie einzubringen.

Fester Bestandteil innerhalb des Sammelsystems sind aber auch sogenannte Taschenaschenbecher. Diese sollten Raucher mit sich führen und dort ihre Zigarettenreste und die Asche aufbewahren - statt sie auf den Boden zu werfen und dort liegenzulassen - um sie danach in größere Gefäße zu geben.

In einem Telefonat, so Meixner-Nentwig, habe der Vorsitzende des Vereins TobaCycle ihr angeraten, sich nicht in Einzelaktionen zu verzetteln, sondern Kommunen - im Falle von Amberg die Stadt - als zentrale Sammelort ins Boot zu holen, etwa mit den Wertstoffhöfen. Geeignet für eine Kooperation erschienen den Vorkämpfern in Köln auch größere Firmen.

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