31.08.2018 - 14:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Zurück geht's mit dem Flieger

Hin mit zwei ausgelutschten Karren Made in Fernost, fast 10 000 Kilometer, Ziel Duschanbe, Hauptstadt von Tadschikistan. Der Amberger Student Moritz Termer und vier Kumpels sind bei der Tajik Rally 2018 mit dabei. Sie starten am Sonntag.

von Michael Zeissner Kontakt Profil

Amberg. (zm) Eine motorsportliche Rallye im herkömmlichen Sinn ist das nicht. Ankommen überhaupt ist das Ziel. Nicht die schnellste Zeit für - je nach gewählter Route - irgendetwas zwischen 6000 und 10 000 Kilometer auf guten oder schlechten Straßen bis hin zu bloßen Schotterpisten. Überstehen müssen das ein Kia Carens (Baujahr 2006, 160 000 Kilometer, für 850 Euro), ein Hyundai Matrix (ebenfalls Baujahr 2006, 130 000 Kilometer, für 1200 Euro) und fünf Maschinenbau-Studenten im Alter zwischen 20 und 23 Jahren.

Sie firmieren als die beiden Teams Havarie Racing 1 und 2. Die Hauptsponsoren sind die jungen Männer aus Amberg, Dresden, Plauen und Nürnberg selbst. Einige von ihnen sind dafür neben dem Studium extra jobben gegangen. Für die Anschaffungskosten für die beiden Autos und Rückflug inklusive hat sich jeder ein Budget von 2500 Euro gegeben. "Da sind auch die 1000 Euro für den Sprit drin", erzählt Moritz Termer, als er zusammen mit Rico Winter am Donnerstagnachmittag im Hof bei der Oma in Nabburg die beiden Pkw rennfertig macht.

Das hält schon

Was heißt rennfertig. Das Duo zimmert gerade im Heck des Kia sowie Hyundai Holzkonstruktionen zusammen, die als Schlafplätze dienen werden. Der eine ist etwas luftiger, dafür aber nur 1,70 Meter lang, der andere deutlich flacher, weist aber fast schon luxuriöse 2 Meter Liegefläche auf. "Das geht schon", bleiben beide gelassen. Um es nett zu sagen, kuschelig wird es auf jeden Fall. Die Lust auf Abenteuer reduziert gängige Lebensansprüche auf ein Minimum. Das wird auch an den wasser- und luftdicht eingeschweißten Einsatzpackungen der US-Armee sichtbar, die ein Bekannter als Verpflegung für die beiden Teams beigesteuert hat.

Alles muss mit

Ein bisschen was zum Überleben ist da auch drin. Streichhölzer etwa oder Reinigungsmittel, um aus Brach- genießbares Trinkwasser zu machen. Schaden kann das sicher nicht. Schließlich stehen auf der Reiseroute auch Länder wie Kasachstan und Usbekistan. Moritz und Rico können es am Donnerstag kaum erwarten, ihre beiden Kisten startklar zu bekommen. Ein CB-Funkgerät ist bereits installiert, eines der beiden Autos braucht noch ein neues Radlager, auch der Dachgepäckträger in Eigenbau-Konstruktion für den Kia ist noch nicht fertig.

Außerdem muss praktisch alles, was in der Hofeinfahrt und angrenzenden Garage noch so herumliegt und sich stapelt in oder auf die beiden Autos: Reserveräder und -kanister, Schaumstoff-Matratzen, Isomatten, Schlaf- und gepackte Rucksäcke, Wasservorräte, die Verpflegung, Plüschtiere, Buntstifte, usw., usw. und eine Kiste Bier als Sponsoring einer Amberger Brauerei. Um die haben Moritz und Rico richtig Angst. Sie haben gehört, dass bei einer der zurückliegenden Tadschikistan-Rallyes Grenzpolizisten einem Team das Bier als Wegezoll kurzerhand abgeknöpft haben.

Ganz andere, richtig ernsthafte Sorgen machen sich natürlich die Eltern und Familien der Team-Mitglieder. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass vier Fahrrad-Touristen in Tadschikistan ermordet wurden. Der IS hat diese Tat als Terrorakt für sich beansprucht. Moritz, Rico und alle anderen wissen das natürlich, arbeiten im Moment aber lieber weiter an ihren Autos. Schließlich wird morgen gestartet. In Hohenthann im Landkreis Landshut von 9.30 bis 12.30 Uhr.

Der Rest ergibt sich

Am ersten Tag wollen sie bis nach Budapest kommen. Nächsten Ziel ist eine Check-Point-Party im rumänischen Viseu de Sus angesteuert und gefeiert. Danach trennen sich die Teams, verteilen sich auf ihre selbst gewählten Routen und sind fortan nur noch auf sich gestellt. Der Rückflug ist für Freitag, 28. September, 4.30 Uhr Ortszeit Duschanbe gebucht. "Den müssen wir erwischen", sagen Moritz und Rico. Alles andere ergebe sich schon irgendwie.

Das Abenteuer:

Die Rallye

Die Tajik Rally (englische Schreibweise) gibt es jährlich seit 2016 und wird von dem Veranstalter Adventure Manufactory ausgerichtet. Sie hat keinen rennsportlichen Charakter. Zeit spielt keine Rolle, eigenverantwortliches Durchkommen mit alten (ab Baujahr 2006) Serien-Pkw (oder Motorrädern) ist alles. Der Veranstalter stellt auf der Strecke keine technischen Hilfeleistungen zur Verfügung. Er leistet bei den Vorbereitungen lediglich administrative Unterstützung.

Die Strecke

Offiziell geht die Rallye von München nach Duschanbe, je nach Routenwahl müssen 6000 bis 10 000 Kilometer absolviert werden. Die beiden Teams, denen der Amberger Moritz Termer angehört, wählten die sogenannte Nordroute, die nördlich vom Schwarzen Meer verläuft. Die südliche Strecke führt quer durch die Türkei und den Iran. Je nach Route liegen die Fahrzeiten zwischen 14, 18 und 25 Tagen.

Das Team

Heuer sind 20 Teams gemeldet, davon zwei aus der Schweiz und eines aus Österreich. Der Amberger Moritz Termer gehört mit Paul Jensch dem Havarie Racing Team 2 an, die Studienfreunde Clemens Schmidt und Rico Winter bilden das Havarie Racing Team 1. In Kiew ist ein Fahrerwechsel geplant. Jensch stößt aus beruflichen Gründen erst dort dazu und löst Dominik Gilch ab.

Benefizcharkter

Die Rallye ist ein Benefizveranstaltung für das Engagement von Caritas International in Tadschikistan. Die eingesetzten Autos werden am Ziel versteigert. Die Teams erklärten bei ihrer Anmeldung, 750 Euro als Geld- sowie Sachspenden aller Art (was ins Auto passt) einzubringen. Eine Unterstützung der Havarie-Teams ist noch möglich über den Link: https://altruja.de/havarie-racingteam-spendenseite-1.

Live dabei

Die Rallye kann verfolgt werden über die Homepage des Veranstalters (www.adventure-manufactory.com) sowie der beiden Havarie Racing Teams (www.havarie-racingteam.de) und dortige Verlikungen zu den sozialen Netzwerken. (zm)

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