17.02.2020 - 17:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Zwei Litauer machen an 19 Tatorten Beute

Auf dem länderübergreifenden Sektor der Verbrechensbekämpfung gibt es Entwicklungen, die vor Jahren noch unvorstellbar waren. Nach einer langen Diebstahlsserie sind die aus Litauen stammenden Täter nach Deutschland ausgeliefert worden.

19 Mal schlugen die beiden Diebe zu. Die Verbrechensserie spielte sich 2015 in Seugast (Marktgemeinde Freihung) und der Stadt Schnaittenbach ab. Nach einem Prozess kam auch der zweite Täter in Haft, sein Komplize saß bereits im Gefängnis.
von Autor HWOProfil

Einer kam schon in Haft, der zweite tritt sie jetzt an. Sie kamen in der Nacht zum 25. April 2015. In ihrer Heimat Litauen hatten zwei Männer in einem angemieteten Transporter die weite Fahrt in die Oberpfalz angetreten. Sie nahmen direkten Kurs auf die Ortschaft Seugast (Marktgemeinde Freihung) und auf die Stadt Schnaittenbach. Weshalb sie genau dort auftauchten, wurde bei späteren Ermittlungen der Kripo nie konkret deutlich. Doch es bestand immer der Verdacht: Im Hintergrund operierten kriminelle Gestalten, die ein genaues Ziel vorgaben.

Was innerhalb weniger Stunden in Seugast und Schnaittenbach geschah, war heftig. Die beiden Litauer fuhren an 19 Anwesen in Wohngebieten vor, sahen in zumeist unversperrten Garagen nach und machten Beute. Vornehmlich Fahrräder, daneben aber auch Werkzeuge, Hochdruckreiniger, Staubsauger, Navis, Motorsägen und vereinzelt auch Bargeld. Nach 3 Uhr morgens wurde in Schnaittenbach von einem Anwohner Alarm geschlagen. Sofort rückten Funkstreifenbesatzungen an.

Das Tatfahrzeug geriet in Sichtweite der Beamten. Daraufhin stiegen die Täter aus und flüchteten zu Fuß. Sie kamen per Anhalter bis auf tschechisches Gebiet. Dann trennten sich ihre Wege. Was folgte, war Kleinarbeit der Kriminalpolizei. Anhand von DNA-Spuren wussten die Fahnder irgendwann, wer da in krimineller Absicht eingereist war. Die Staatsanwaltschaft Amberg erwirkte daraufhin zwei europaweit ausgestellte Haftbefehle. Das war noch im Jahr 2015.

Was weit über zwei Jahre später folgte, war überraschend. Litauische Behörden nahmen einen der beiden gesuchten Männer fest und lieferten ihn nach Deutschland aus. 2018 saß der Gärtner vor dem Amberger Landgericht und bekam zweieinhab Jahre Gefängnis. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Spur von seinem Komplizen.

Heute weiß man bei den Behörden: Der unterdessen 32 Jahre alte Bauarbeiter hatte sich 2016 nach England abgesetzt und dort samt Ehefrau und Kind Wohnsitz genommen. Im Spätherbst 2019 überprüften ihn Londoner Polizeibeamte, nahmen den Mann fest und brachten ihn in Auslieferungshaft. Nun saß der Familienvater vor dem Amberger Schöffengericht.

Es gab ein umfangreiches Geständnis. Allerdings mit den Einschränkungen des Litauers: "Ich war nur Fahrer." Von Diebstählen wollte der Mann vorher nichts gewusst haben. Nur ein Transport nach Deutschland und sofortige Rückkehr in die osteuropäische Heimat sei ihm angekündigt gewesen. Gegen ein paar Hundert Euro als Honorar. Dann folgte: "Ich bin kein Verbrecher und will nach England zu meiner Familie."

Die möglichst rasche Heimkehr seines Mandanten erbat Verteidiger Mike Thümmler. Er hielt eine Bewährungsstrafe für ausreichend. Nicht im Einklang damit stand der Strafantrag von Staatsanwältin Franziska Paintner. Sie verlangte zwei Jahre und neun Monate Haft zum Absitzen.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Kathrin Rieger schickte den 32-Jährigen für zwei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis. "Sie waren Mittäter und haben nicht nur Beihilfe geleistet", beschrieb die Vorsitzende ihre Eindrücke von der nächtlichen Diebestour. Dann sagte sie: "Es gab wohl weitere Täter." Doch diesen Leuten, die von Osteuropa aus alle Strippen zogen, sei man nicht auf die Spur gekommen.

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