21.10.2019 - 08:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Zwei Meisterinnen ihres Fachs - Zwillinge auf der Überholspur

So gleich und doch verschieden: Zwillinge, die eine Friseurin, die andere Bäckerin. Barbara und Christina Schönberger haben es mit 22 Jahren vom Quali zur Unternehmerin geschafft. Der Weg dahin war ähnlich. Die Motivation nicht.

Barbara und Christina Schönberger haben nicht nur ihren Beruf, sondern auch ihre ganz persönliche Berufung gefunden.
von Autor DEYProfil

„Für mich war immer klar, dass ich Friseurin werden will.“ Barbara Schönberger hat ihre Haare in Locken gelegt, der Lidschatten sitzt perfekt. Klar, denn Barbara übte bereits als kleines Mädchen an ihrer Schminkpuppe, ihrem liebsten Spielzeug. Mit dem eigenen Friseursalon, den sie im Sommer übernommen hat, ist ihr Glück nun perfekt. Ihre zehn Minuten jüngere Schwester Christina hat es sich auf dem Stuhl neben ihr bequem gemacht. Weißes Shirt, schwarz-weiß karierte Bäckerhose, Schlappen. Sie kommt aus der Backstube, als wir die Schwestern zum Interview treffen. Die Jüngere hat sich für das Bäckerhandwerk entschieden. Nach langem Ringen. Als Kind hat sie zwar schon immer gerne gekocht und gebacken, so einfach war die Berufswahl dann aber doch nicht: „Nach einem Praktikum in einer Bäckerei in der 8. Klasse hat mich mein damaliger Chef lange überreden müssen“, sagt Christina. Schließlich hat sie nach dem Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule dort doch eine Lehre gemacht, danach zusätzlich eine Ausbildung zur Konditorin absolviert und flugs den Meister draufgesetzt.

„Ich war mit Abstand die Jüngste in der Meisterschule und eine von ganz wenigen Frauen. Da dachte ich mir, denen zeig‘ ich‘s‘“, erzählt Christina. Das Ergebnis ist nicht nur der beste Meisterbrief ihres Jahrgangs, sie wurde auch mit dem Bayerischen Staatspreis für besondere Leistungen im Handwerk ausgezeichnet.

"Was sie kann, kann ich auch"

Ihre Schwester 2017 schon an der Meisterschule zu sehen, hat auch Barbara Schönberger motiviert, unmittelbar nach ihrer absolvierten Ausbildung zur Friseurin den Meister zu machen. Ganz nach dem Motto, „was sie kann, kann ich auch“, pushen sich die Schwestern durchs Leben. Konkurrenzkampf sei das nie gewesen. Viel eher Ansporn. Barbara Schönberger hat 2012 den Schulabschluss an der Mittelschule in Freudenberg mit 1,0 abgelegt. Ihre Schwester Christina hatte die Durchschnittsnote 1,1. Trotz guter Leistungen in der Schule war ein Übertritt an eine weiterführende Schule nie ein Thema für die beiden. „Ich wollte Friseurin werden, dafür hat mir ein Quali gereicht. Warum hätte ich mehr Zeit investieren sollen?“, fragt Barbara. Als andere gebüffelt haben, hat sie gechillt. „Ich hatte ein super Leben.“ Im August 2019 hat sie das „Haarstudio Haarlos“ in Amberg übernommen und umbenannt in „Haarstudio Barbara“. Nun kann sie eigenverantwortlich ihrer Lieblingsbeschäftigung aus Kindertagen frönen: Menschen damit glücklich machen, den eigenen Typ zu verändern.

Model stehen musste damals Schwester Christina. „Ich hab an ihr Flechtfrisuren ausprobiert“, erinnert sich Barbara, um sie danach an sich selber umzusetzen. „Du hast schon immer mehr auf dein Äußeres geachtet“, sagt Christina. „Logo, als Friseurin kann ich ja schlecht hässlich rumlaufen“, kontert Barbara. Barbara sei die Tussi, sagt Christina. Sich selbst nennt sie „die Ehrliche“, weil sie immer sagt, was sie denkt. Deswegen verheimlicht sie auch nicht, dass es eine Phase gab, in der sie die Bäckerausbildung am liebsten abgebrochen hätte. Doch sie hat durchgehalten und ist zufrieden mit der Entscheidung. Deswegen nahm sie auch das Angebot an, die Bäckerei Rom in Kemnath am Buchberg und die dazugehörige Filiale in Schnaittenbach zu übernehmen – mit sieben Angestellten. „Ich wollte nicht, dass der ,Rom‘ zumacht“, sagt Pragmatikerin Christina.

Nun kann sie ihre eigenen Ideen in der Traditionsbäckerei umsetzen – einer der Gründe, warum sich Christina fürs Handwerk entschieden hat. Sie hat direkten Einfluss auf die Qualität ihrer Produkte und kann sie abwechslungsreich gestalten.

Stolz auf Handwerksberuf

Dazu gehört natürlich viel Fleiß, aber den haben beide bereits unter Beweis gestellt. „Man muss ich nicht schämen, einen Handwerksberuf zu erlernen“, sagen die Zwillinge. Ganz im Gegenteil: Ihre Eltern, selbst Landwirte, haben sie nie auf eine höhere Schule gezwungen oder gebeten, die Berufswahl zu überdenken. „Sie haben uns ermutigt, unseren eigenen Weg zu gehen.“ Vor allem, seit klar wurde, dass sie mit ihrer Berufswahl einen Glücksgriff getan haben. Sie gehen tagtäglich mit Freude in die Arbeit. „Auch wenn man ,nur‘ einen Quali hat, kann man im Leben viel erreichen“, sind sich die Schwestern einig. Sie sind das beste Beispiel dafür.

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