15.07.2018 - 10:25 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die Sabotage wird teuer

Es dem "Ex" heimzuzahlen, kostet Schwandorferin eine Strafsumme von 4500 Euro

von Autor HOUProfil

(hwo) Was ist Sabotage? Im Regelfall wird dabei an Millionenschäden gedacht, die ein hinterlistiger Drahtzieher verursacht. Doch manchmal werden auch Vorgänge aktenkundig, die eher des raschen Vergessens wert sind.

Da saß sie nun vor der 2. Strafkammer des Amberger Landgerichts. Eine Frau aus Schwandorf, die von einem jungen Galan übel hinters Licht geführt worden war. Sie, die Witwe und 14 Jahre älter als der Freund, hatte an Liebe geglaubt und wurde von einem Mann an der Nase herumgeführt, der eigentlich nur eine vorübergehende Bleibe suchte. Irgendwann war er fort und ließ sich in anderen Betten nieder. Was dann geschah, hatte heuer im März schon einmal den Schwandorfer Amtsrichter Thomas Heydn beschäftigt. Die gekränkte Frau ging, ausgerüstet mit den Eingangsdaten ihres Ex-Liebhabers, ins Internet und legte dessen Facebook-Account lahm. Er selbst konnte anschließend nicht mehr auf diese Verbindung. Er war quasi ausgehebelt.

Das illegale Eingreifen der Schwandorferin wurde zwar aktenkundig. Doch später äußerte ihr Ex-Freund, zwischenzeitlich im Norden Deutschlands lebend, er habe kein Interesse an einer Strafverfolgung. Doch die Sabotage blieb in den Protokollen. Und weil sie etliche Vorstrafen mitbrachte, musste die 48-Jährige einen Gefängnisaufenhalt befürchten.

Richter Heydn beließ es in erster Instanz bei einer Geldstrafe von 1500 Euro. Zumal die Frau ein Geständnis abgelegt hatte. Doch die Staatsanwaltschaft ging in Berufung. Der Grund: Ihr Strafantrag bei Richter Heydn lautete auf vier Monate Haft ohne Bewährung.

Nun beschäftigte sich das Landgericht unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber knapp drei Stunden lang mit der Sabotage. Haft ohne Bewährung, wie von dem Leitenden Oberstaatsanwalt Joachim Diesch beantragt, mochte die 2. Strafkammer ungern verhängen. Sie stellte sich aber im Strafmaß auch nicht an die Seite des Erstrichters. Nun muss die Frau 4500 Euro bezahlen.

"Ein Schuss vor den Bug", sagte Richterin Stöber und hielt die in erster Instanz verhängten 30 Tagessätze für weitaus zu niedrig. Es müssten schon 90 Tagessätze sein. Andererseits aber verlange die Rechtsordnung auch nicht, dass man die 48-Jährige einsperre. Womit nun klar ist: Die Sabotage kostet das Dreifache. Aber hinter Gittern endet die Episode nicht.




Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.