26.07.2018 - 11:15 Uhr
Oberpfalz

Amerikanischer Raum

"Was ist denn das für ein Auto?" Selten hörten wir diese Frage öfter als bei unseren Fahrten mit dem großen weißen SUV.

Die Farbe heißt Crystal White Tricoat. Doch wie heißt das Auto?
von Michael Ascherl Kontakt Profil

Der Hersteller macht es dem Betrachter auch nicht leicht. Nirgendwo ist ein Markenname zu finden, nur ein fremdartiges Emblem, das dem Familienwappen eines französischen Adeligen nachempfunden ist. Der hieß Antoine Laumet de La Mothe, Sieur de Cadillac. Und der wiederum gilt als Gründer der Stadt Detroit. Ein Cadillac also. Die Marke, die Elvis Presley so sehr liebte, dass er für sich und Freunde Dutzende davon kaufte; den schicksten für seine Mama. Schön, aber Vergangenheit. Der aktuelle XT5 tritt gegen Kaliber wie den BMW X5, den Mercedes GLE oder den Volvo XC90 an. Zwei Tonnen schwer, sechs Zylinder, mehr als 300 PS, Allradantrieb auf Knopfdruck und, als besonderen Spleen, einen Innenspiegel, der auf Wunsch nicht ein Spiegelbild zeigt sondern den Folgeverkehr als Kamerabild. Das ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, hilft aber wenn beispielsweise der Kofferraum bis unter das Dach beladen ist. Wobei: In die Verlegenheit dürfte man bei der schieren Größe des Gepäckraums seltener kommen. Für weniger als 50 000 Euro schieben die Amis den XT5 auf den deutschen Markt; der Testwagen in der Platinum-Ausstattung steht für 68 300 Euro in der Liste und ist im Vergleich mit den Mitberwerbern günstig, wenn dieses Adjektiv in dem Segment noch erlaubt ist. Was bringt er dafür mit? Eine kleine Auswahl: Infotainment- und Navigationssystem mit 8-Zoll-Farbbildschirm; mehrfarbige digitale 8-Zoll-Instrumentengruppe und Head-up-Farbdisplay; Bose Sound-System mit 14 Lautsprechern; automatisch beheizbaren und belüfteten Fahrer- und Beifahrersitz mit Memory-Paket für elektrischen Fahrersitz, Außenspiegel, Lenksäule; automatisch beheizbares Lenkrad und beheizbare äußere Rücksitze; Drei-Zonen-Klimaautomatik; Schiebedach in doppelter Größe mit elektrischem Sonnenrollo; kabellose Ladestation für Mobiltelefone.

Extras in Hülle und Fülle

Der XT5 rollt auf polierten Aluminiumfelgen in 20 Zoll. Die elektrische Heckklappe öffnet auch per Fußkick. An Assistenten wartet der Cadillac auf mit Abstandsanzeige, Verkehrszeichenerkennung, automatischer Fernlichtregulierung, Spurhalteunterstützung, adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage, automatischer Bremsung mit Fußgängererkennung, automatischer Bremsung beim Rückwärtsfahren, Einparkhilfe für Parallel- und Querparken, Toter-Winkel-Assistent und Querverkehrswarnung.
Ebenfalls Serie ist eine Anhängerkupplung mit abnehmbarem Kupplungshaken und eine 360-Grad-Kamera zur Darstellung des Fahrzeugs in Vogelperspektive. Freilich reagieren manche Helferlein etwas vorlaut und eher ruppig. So warnt der Gegenverkehrswarner mitunter grundlos, und der Abstandshalter fährt forsch auf, um erst im letzten Moment stark zu verzögern; das können die Deutschen besser, aber halt auch viel teurer.

Motor ein reiner Sauger

Der V6 im Cadillac kommt ohne Turbolader aus, liefert 368 Newtonmeter, was heutzutage nicht mehr die Welt ist. Ein Sportwagen ist der XT5 nicht, eher ein cooler Cruiser, und dazu passt auch das Fahrwerk: Mehr komfortabel als sportlich, und das gilt auch, wenn der Fahrmodus-Schalter auf "Sport" steht. Der Acht-Gang-Automat agiert ganz ordentlich, verhaspelt sich aber manchmal zwischen den Schaltstufen. Innen sitzen wir bequem auf Ledersitzen (1950 Euro im Paket mit Velours am Armaturenbrett und Dachhimmel sowie Karbonfaser-Applikationen) und freuen uns, dass dieser große SUV den amerikanischen Raum nach Europa transferiert - zum günstigen Preis und mit der Garantie, das in der Straße kein zweiter parkt. Außer vielleicht in Grafenwöhr. Die Elvis-Ausstellung dort ist übrigens sehenswert, auch wenn sie keinen Cadillac zeigt.

Bildergalerie vom Testwagen

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