23.07.2020 - 19:55 Uhr
AmmerthalOberpfalz

In Ammerthal vergisst man nicht so leicht

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Über viele Jahre stand Ammerthal als Beispiel für eine Gemeinde, die durch die Kommunalpolitik total zerstritten ist. AZ-Redakteur Markus Müller sieht Anzeichen für eine Besserung, glaubt aber nicht so recht an einen schnellen Wandel.

Dieser Teil des Ammerthaler Rathauses soll zu einer Kita umgebaut werden, was die Gemüter im Gemeinderat regelmäßig erhitzt.
von Markus Müller Kontakt Profil

Es gibt kommunale Gremien, da vergessen die Mandatsträger für die Dauer der Sitzung, dass sie sich draußen (im "normalen Leben") duzen. Man spricht sich dann durchgehend vornehm mit "Sie" an und hat dabei meistens sehr zivilisierte Diskussionen. In Ammerthal ist das mit dem Vergessen nicht so einfach. Weder bei der Form der Anrede noch bei den harten kommunalpolitischen Grabenkämpfen, die man dort seit rund einem Jahrzehnt führt. Man duzt sich also im Gremium in den meisten Fällen und trägt häufig die Verwundungen früherer Auseinandersetzungen mit sich herum. Deshalb schaukelt sich die Stimmung bei manchen Debatten so schnell hoch, dass der Außenstehende über die Wortwahl verwundert den Kopf schüttelt.

Man muss den Ammerthaler Gemeinderäten aber zugute halten, dass sie offenbar seit der Kommunalwahl (die einen Wechsel der Mehrheit mit sich brachte) dieses Problem angehen wollen. Zumindest erkennt man Ansätze, auf die Gegenseite zuzugehen, und wenn es nur vom Stil her ist. Die UWG verzichtet darauf, die nach der Wahl kurzzeitig noch vorhandene Mehrheit für unumkehrbare Festlegungen in Sachen Kindergarten zu nutzen, weil ihr klar ist, dass CSU & Co etwas ganz anderes wollen. Bürgermeister Anton Peter nimmt Anträge seines Kontrahenten Stephan Koller in sehr ausführlicher Form in die Sitzungsvorlagen auf, obwohl er dazu nicht verpflichtet wäre.

Und jetzt entschuldigt sich ein CSU-Gemeinderat dafür, dass in der Sitzung davor die Gäule mit ihm durchgingen. Alles Anzeichen für ein besseres Klima, wenn auch noch keine dauerhafte Garantie dafür. Das mit dem Vergessen ist halt nicht so einfach. Manchmal reicht aber vielleicht schon ein Erinnern an die gute Kinderstube.

Der Artikel über die jüngste Gemeinderatssitzung und den Baustopp, der ihr vorausgegangen war

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