16.09.2019 - 10:23 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Wer backt in Zukunft die Torten? Konditor Johann Weber aus Ammerthal sucht Auszubildende

Maurer, Metzger und Bäcker: Sie alle sind für das Leben notwendig. Es gibt ein Problem: Die Auszubildenden fehlen und das Ansehen von handwerklichen Berufen sinkt. Gehören Kuchen und Torten bald der Vergangenheit an?

Sehr sorgfältig, konzentriert und schnell muss gearbeitet werden. Dennoch zaubert die Arbeit dem Konditormeister Johann Weber aus Ammerthal ein Lächeln ins Gesicht.
von Caroline KellerProfil

Wieder keinen Auszubildenden in diesem Jahr. Kreishandwerksmeister und Konditor Johann Weber aus Ammerthal steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Er ist aber nicht der Einzige. "Viele Handwerker sind mit diesem Problem konfrontiert", sagt Weber. Das ist nicht erst seit gestern so, sondern schon seit einigen Jahren.

Ausbildungsstellen in der Region noch unbesetzt

Für das Ausbildungsjahr 2019/2020 sind laut einer Statistik der Agentur für Arbeit 426 Ausbildungsstellen in Amberg und im Landkreis Amberg-Sulzbach noch unbesetzt. Vor allem handwerkliche Berufe sind betroffen. Beispielsweise sind in der Region etwa 17 Stellen für die Ausbildung zum Maurer frei, 19 für die Ausbildung zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk Fleischerei und 22 für die Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Die Berufsfelder mit den meisten Bewerbern in diesem Jahr sind nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg: Medizinischer Fachangestellter, gefolgt von Kaufmann im Bereich Büromanagement und Industriekaufmann.

Ein Problem, warum viele Lehrstellen unbesetzt bleiben, ist, dass es weniger Jugendliche und gleichbedeutend weniger Schulabgänger gibt. Des Weiteren entscheiden sich viele Schüler für eine höhere Schulbildung und danach für ein Studium. "Es werden aber die Leute mit guten Abschlüssen auch im Handwerk gebraucht", erklärt Johann Weber mit Nachdruck. Sein Berufsfeld musste über die Jahre mehr Verantwortung übernehmen. "Es wird mittlerweile so viel verlangt in der Herstellung mit den Allergenen. Es gibt so viel zu beachten. Vor allem da werden die jungen Leute jetzt gebraucht", versichert er.

Arbeitsbeginn zwischen 5 und 7 Uhr

Ein Konditor arbeitet etwa acht Stunden am Tag bei einer Fünf-Tage-Woche. Ein normaler Arbeitstag beginnt zwischen 5 und 7 Uhr. Weber steht auch schon mal früher in der Backstube, um seine Aufträge pünktlich abliefern zu können. "Den Tag beginnen wir mit dem Backen von Plundergebäcken und dem Fertigstellen von Torten", erzählt der Konditor. Die Tortenböden dazu warten in der Kühlung auf ihren Einsatz. Danach werden neue Tortenböden für den nächsten Tag vorbereitet. Der Kuchen für das Tagesgeschäft darf auch nicht fehlen.

Das Herstellen von Pralinen soll sehr aufwendig sein, aber Konditor Johann Weber macht es mit Leidenschaft.

Und wenn ein Konditor zusätzlich Confiserie anbietet, wie zum Beispiel Pralinen oder selbstgemachte Schokoladentafeln, dann muss erstmal die komplette Backstube gesäubert werden. "Es darf sich kein Mehl mehr in der Backstube befinden und die Raumtemperatur muss auch stimmen", erklärt der Konditor aus Leidenschaft. "Wir machen schon viel Confiserie, auch wenn sie sehr aufwendig ist." Ein bestimmtes Rezept oder einen gewissen Arbeitsschritt, den er nicht gerne mache, gebe es nicht, versichert Weber mit einem breiten Lächeln.

Auf die Frage, ob er denn ein Lieblingsrezept habe, muss er erst schmunzeln. Dann gerät der Konditormeister ins Schwärmen: "Der Duft von frisch Gebackenem nach Vanille, Butter und Marzipan - das ist ein Traum. Am liebsten ist mir ein frischer, noch lauwarmer Butterkuchen." Und das Rezept dafür kann er mit strahlenden Augen aus dem Effeff erklären.

Erfahrung aus Hunderten von Jahren

Johann Weber ist sehr stolz darauf, Konditormeister zu sein, denn nur ein Meister darf ausbilden. Er gibt an seine Auszubildenden Wissen weiter. Dieses basiert auf Erfahrung aus Hunderten von Jahren der Handwerkskunst. Handwerkszünfte haben seit dem 15. Jahrhundert dieses Wissen entwickelt. Der Nachwuchs werde daher hervorragend ausgebildet, ist sich der Ammerthaler sicher. Auf seine letzten Auszubildenden, die er in seiner Konditorei hatte, ist er sehr stolz. Dennoch haben sie ihn verlassen um auf die Meisterschule zu gehen oder um ein Studium anzufangen. Es ist gar nicht selten, dass junge Konditoren nach ihrer Ausbildung den Betrieb verlassen und in die Industrie wechseln. Sie müssen sich nur über eines bewusst sein: Oftmals können sie danach nicht mehr in ihren alten Betrieb zurück, denn der könnte mittlerweile aufgehört haben. Auch Johann Weber musste schon Aufträge abgeben. Sein Familienbetrieb ist immer auf der Suche nach Bäcker- und Konditorlehrlingen.

Der Zukunft des Handwerks sieht der Kreishandwerksmeister eher mit Optimismus entgegen: "Es wird wieder angesehener, weil wir weniger werden und damit auch seltener."

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