19.06.2019 - 14:52 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Obstbaum veredeln: Öko-Modellregion zeigt, wie es geht

Auch im kleinen Garten ist Platz für einen Obstbaum. Die richtige Schnitttechnik macht's möglich: Die Früchte halten dann den Baum klein. Das war nur einer von vielen Tipps, die es bei einem Obstveredelungskurs in Ammerthal gab.

Umveredelung einer Baumkrone durch Rindenpfropfen. Nach ausführlicher Diskussion kommt die Gruppe zu dem Schluss, dass es sinnvoll ist, die verschnittene Krone ganz neu aufzubauen. Also werden alle Leit-Äste gekappt. Thomas Partenheimer und Roland Heldrich kombinieren hier die Technik des Rindenpfropfens mit der Veredelung eines Seitenzweiges durch Kopulation.
von Externer BeitragProfil

Unter dem Motto "Jedem Baumwart seine Baumschule" hatten der Ökomodellregion-(ÖMR-)Arbeitskreis Streuobst und der Landschaftspflegeverband zu diesem Kurs eingeladen. Gastgeber war die Gemeinde Ammerthal. Bauern und Gärtner nutzten die Gelegenheit, dieses Handwerk in Theorie und Praxis kennenzulernen, heißt es in einer Pressemitteilung von Barbara Ströll, Projektmanagerin der ÖMR. Viele der Kursteilnehmer hätten das Veredeln als Kinder schon beim Großvater oder Vater beobachtet und wollten diese Kulturtechnik nun selbst fortführen.

Die beiden Referenten - Baumwart Thomas Partenheimer und Bio-Streuobstbauer Roland Heldrich - hatten für den Kurs bereits im Februar Edelreiser von Heldrichs Apfelbäumen geschnitten. Birnenreiser wurden vom Hiltpoltsteiner Reiserkeller beschafft. So standen Reiser von 13 Apfel- und 7 Birnensorten zur Verfügung, die die Teilnehmer im Kurs auf Sämlingsunterlagen und auch auf erwachsene Bäume "draufveredeln" sollten.

Edelreiser verschiedener Sorten wurden für den Kurs bereits im Februar geschnitten.

Schwachwachsende oder starkwachsende Unterlage? Diese Frage beschäftigt jeden Baumschulkunden, der einen Obstbaum für Wiese oder Garten sucht. Die Unterschiede erläutert Thomas Partenheimer im Theorieteil: "Die schwachwachsenden Typenunterlagen sind aus Stecklingen gezogen und bilden daher ein schwächeres Wurzelsystem aus. Sie wurden ursprünglich für den Plantagenobstbau mit kleinen, kurzlebigeren Bäumen entwickelt. Sämlingsunterlagen sind dagegen Jungbäume, die aus (Apfel-)Samen gezogen wurden. Diese besitzen eine typische Wurzel, aus der sich ein kräftiges, tief reichendes Wurzelsystem entwickeln kann." Der selbstveredelnde Baumwart entscheidet einfach selbst, auf welcher Art von Unterlage er den Baum heranzieht.

Roland Heldrich empfiehlt, grundsätzlich Sämlingsunterlagen zu verwenden, weil nur diese einen erwachsenen Baum über lange Zeit gut versorgen können. "Wer im Hausgarten keinen Platz für richtig große Apfelbäume hat, der kann Reiser von schwachwachsenden Sorten auf starke Unterlagen veredeln." So eine Sorte wäre zum Beispiel die "Goldparmäne". Mit der richtigen Schnitttechnik könne man den Baum so heranziehen, dass er regelmäßig reich fruchtet. "Die Früchte halten dann den Baum klein", erklärte Heldrich.

So sieht ein Apfel-Sämling aus. Er wurde aus einem Apfelkern gezogen und kann nun als starkwachsende Unterlage für die Veredelung genutzt werden.

Sämlingsunterlagen kann man bei Baumschulen bestellen oder man zieht sie einfach selbst. Thomas Partenheimer hat es ausprobiert und sich dazu Trester von einer Obstpresse besorgt. "Den Trester habe ich im Herbst 2017 auf meinem Gartenacker verteilt. Im Frühjahr drauf waren unzählige Apfelkerne gekeimt. Heuer im Frühjahr habe ich dann die zehn gesündesten, kräftigsten Pflänzchen vereinzelt. Der Rest ging auf den Kompost. Im Idealfall selektiert und vereinzelt man bereits im zweiten Frühjahr."

Im Praxisteil des Obstbaukurses konnten die Teilnehmer unter Anleitung Sämlingsunterlagen für den eigenen Bedarf veredeln. Felix Dötsch (22) fand es relativ schwierig, den Schnitt so hinzubekommen, dass Reiser und Unterlage perfekt zusammenpassen: "Gut, dass wir vorher an Weidenruten üben konnten, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie es geht. Die ersten Schnitte sind mir danebengegangen. Wichtig ist für mich, dass ich hier bei den Profis zuschauen kann, wie es aussehen muss. Jetzt kann ich zu Hause weiter üben bis zur Meisterschaft." Der angehende Biobauer möchte gemeinsam mit seinen Eltern eine Streuobstwiese pflegen und entwickeln. Diese wurde von der Stadt Auerbach als Ausgleichsfläche angelegt und zur Nutzung an die Familie verpachtet. Andere Kursteilnehmer haben Streuobstwiesen von der Elterngeneration übernommen oder möchten selbst neue Bestände aufbauen.

Gut, wenn man Fachleuten genau auf die Finger schauen kann.

Zum Abschluss des Kurses zeigten Heldrich und Partenheimer auf einer Streuobstwiese in Fuchsstein, wie man erwachsene Bäume durch Pfropfen umveredelt. Das kann auch sinnvoll sein, wenn der Baum verschnitten wurde. Dazu werden dann die Leitäste gekappt. Danach kann die Baumkrone mit den aufgepfropften Reisern neu aufgebaut werden. Auch die Fuchsteiner Wiese wurde als Ausgleichsmaßnahme angelegt.

Die Kunst beim Handveredeln besteht darin, die Schnitte so hinzubekommen, dass die Schnittflächen von Unterlage und Reiser perfekt aufeinander passen. Hier hat es geklappt. Nun wird die Verbindung fixiert.

Die Kursteilnehmer nahmen ihre selbstveredelten Sämlinge mit nach Hause. Partenheimer empfahl ihnen, diese Jungbäumchen zunächst drei Jahre im Gartenbeet zur gewünschten Stammhöhe heranzupäppeln, bevor man sie an ihren Platz in der Streuobstwiese pflanzt.

Info:

Fachexkursion nach Hersbruck

Der Arbeitskreis Streuobst der Öko-Modellregion trifft sich regelmäßig zu Erfahrungsaustausch und Fachexkursionen. Am Freitag, den 28. Juni besucht der AK den Sortengarten der Streuobstinitiative Hersbruck. Interessenten können sich im ÖMR-Projektbüro unter oekomodellregion[at]lpv-amberg-sulzbach[dot]de anmelden.

Die Kursteilnehmer üben das Handveredeln – bei dem man den jungen Baum in der Hand hält – am Bauhof in Ammerthal.

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