22.09.2019 - 13:50 Uhr
AmmerthalOberpfalz

Peinlicher Streit ums Ammerthaler Bürgerhaus

Es war die erste Sitzung nach der Sommerpause, doch geändert hat sich die Atmosphäre im Ammerthaler Gemeinderat um kein Jota. Was zum Thema Bürgerhaus ablief, hat mit sachlicher, verständiger und kluger Diskussion wahrlich nichts zu tun.

Das Ammerthaler Rathaus soll zum Bürgerhaus ausgebaut werden. Darüber stritt der Gemeinderat wieder einmal erbittert.
von Klaus HöglProfil

Das, was die Öffentlichkeit an Streit und bewusster Konfrontation zu hören und sehen bekam, war am Rande der Peinlichkeit. Es entstand der Eindruck, dass es auch gar nicht mehr um das Bürgerhaus an sich geht. Die Fraktionen von CSU und CWG bezweifelten kategorisch alles, was mit dem Bürgerhaus zu tun hat, auch den Vortrag des Experten.

Nach 50 Minuten war es auch Stefan Badura (CWG) zu viel, er rief zur Mäßigung und Ordnung auf: „Wir sollten uns zusammenreißen und nicht im öffentlichen Teil diskutieren.“ Und der Bürgermeisterin Alexandra Sitter, die lange geduldig zugehört hatte, platzte der Kragen: „Jetzt ist es aber genug an Peinlichkeiten.“

Aus 50 Minuten Streit ist herauszufiltern, dass des Pudels Kern das schon länger geplante Bürgerhaus (Rathaus) ist, mit dessen Baubeginn bzw. Sanierung laut Architekt Uwe Reil „Anfang nächsten Jahres“ gerechnet werden kann. Damit die Gemeinde von der Regierung rund 60 Prozent Förderung erhält, müssen neben dem Umbau der Arbeitsräume des Rathauses im Erdgeschoss, die nicht gefördert werden, die restlichen Umbauten im Obergeschoss allen Bürgern zugänglich sein. Damit wird das Gebäude in ein Bürgerhaus umgewandelt. Das sei für eine staatliche Förderung unabdingbar. Und es muss barrierefrei sein. Soll heißen: Menschen mit Handicap gehen den gleichen Weg rein und raus wie Menschen ohne Handicap.

VR-Bank orientiert sich neu

Die Pläne wurde bereits mehrmals vorgestellt und eingehend erläutert. Bedingt durch eine Neuorientierung der VR-Bank, womit sich neue Räumlichkeiten ergeben haben, mussten die Bauantragsunterlagen zum Bürgerhaus in der Verwaltung geändert werden. Von den aktualisierten Baumappen hatten die Gemeinderäte Kenntnis genommen. Der Änderungsantrag enthält, so die Bürgermeisterin in ihrem Sachvortrag, die Neuorganisation der Büroräume im Erdgeschoss, eine Nutzungsänderung im 1. Obergeschoss, die Umnutzung der Ex-Bankfiliale zu einem Gemeinschaftsraum und Selbstbedienungs-Bankautomaten, ferner den Einbau einer Aufzugsanlage.

Das Einvernehmen für den ersten Bauabschnitt im Untergeschoss (technische Verbesserungen, Arbeitsraumgestaltung wegen des nötigen Aufzugs) und Obergeschoss (Bürgersaal, Funktionsräume und Gemeinschaftsraum) wurde erteilt – gegen die Stimmen von CSU und CWG.

Durch die Neuorientierung (Ankauf der Räumlichkeiten der VR-Bank) war für die zusätzliche Umplanung im Obergeschoss auch eine Aktualisierung des Förderantrages erforderlich. Im April 2019, so war zu hören, hat Ammerthal für den Rathausausbau zum barrierefreien Bürgerhaus eine Förderung im Rahmen des Bayerischen Städtebauförderprogramms bei der Regierung der Oberpfalz beantragt. Im Mai 2019 erfolgte seitens der Regierung die Zustimmung zum vorzeitigen Baubeginn.

Weil ja jetzt die bisherigen Räume der VR-Bank hinzukamen, haben sich auch die förderfähigen Kosten geändert. Für die derzeit vom Gemeinderat genehmigten Umbaukosten für Unter-, Erd- und Obergeschoss werden nunmehr insgesamt Baukosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Das wird von CSU und CWG bestritten.

190.000 Euro mehr

Die weiteren Kosten für einen eventuell späteren Ausbau des 2. Obergeschosses sowie der Fassadensanierung und der Außenanlagen mussten ebenfalls im Förderantrag aufgenommen werden, sind jedoch erst nach entsprechender Haushaltslage der kommenden Jahre zu prüfen. Insgesamt sei die Summe im Förderantrag für die Gesamtmaßnahme durch den zusätzlichen Raumgewinn des VR-Bank-Bereichs gegenüber der Erstplanung von 2018 um rund 190.000 Euro angestiegen.

„Die Bürger erhalten durch das großzügig geförderte Bürgerhaus ein neues Juwel für alle Bürger in der Dorfmitte von Ammerthal“, fand 2. Bürgermeister Hans Lang und lobte die Bürgermeisterin wegen einer „im Landkreis wohl einmaligen Einholung von Fördergeldern für ein Bürgerhaus“. Die Kommentare zu den Einlassungen von Bürgermeisterin, Verwaltung und Experten fielen auf der Gegenseite ganz nach dem Motto „alles Schmarrn“ aus.

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