18.03.2020 - 22:30 Uhr
KelheimOberpfalz

Angler zu knapp zwei Jahren auf Bewährung verurteilt

Ein Angler soll mit einer Axt und einem Baseballschläger auf einen Fischereiaufseher losgegangen sein. Ihm wird versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Vor dem Landgericht Regensburg muss er sich nun verteidigen.

Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg muss sich ein Angler verantworten. Ihm wird versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung an einem Fischereiaufseher vorgeworfen.
von Autor AHSProfil

Ein bis dato unbescholtener, heute 60-jähriger Lagerist und leidenschaftlicher Hobbyangler aus dem Landkreis Kelheim galt in seinem sozialen Umfeld als besonnen und zuverlässig. Dies änderte sich, als er im Juli vergangenen Jahres an der Gronsdorfer Schleuse auf einen Fischereiaufseher (54) traf. Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg musste er sich wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Der Aufseher wollte den Angeklagten kontrollieren, da er den Verdacht hatte, dass dieser einen geangelte Fisch nicht ordnungsgemäß ein das Fangbuch eingetragen hatte. Dem Anklagesatz zu Folge soll der 60-Jährige statt der Aufforderung sein Fangbuch vorzulegen aus seinem Fahrzeug eine Axt mit einem zirka 40 Zentimeter langen Schaft und einer Klingenlänge von etwa zehn Zentimetern geholt haben. Damit soll er mindestens drei bis vier Mal versucht haben, auf den Kopf des Geschädigten einzuschlagen, was dieser jedoch verhindern konnte, indem er seine Unterarme hochriss. Erst da bemerkte der Angeklagte, dass er mit der flachen Seite zuschlug. Er drehte die Axt, packte den Geschädigten am Hemd und versuchte erneut, mehrmals auf ihn einzuschlagen. Es kam zu einem Gerangel, bei dem der Angeklagte den Geschädigten einen Tritt mit dem Knie in die Bauchgegend verpasste. Beide gingen zu Boden, wo sie sich wälzten. Der Geschädigte konnte sich in Besitz der Axt bringen und schwang diese in Richtung des Angeklagten, um diesen auf Abstand zu halten. Der Angeklagte ging daraufhin zu seinem Fahrzeug und kam mit einem etwa 80 Zentimeter langen Holzstock in der Form eines Baseballschlägers zurück. Erst als eine zufällig vorbeikommende Gruppe von Musikern dazwischen ging, hatte die Auseinandersetzung ein Ende.

Der Angeklagte wurde noch am Tatort von Polizisten festgenommen. Der gegen ihn beantragte Haftbefehl wurde erlassen und noch am selben Tag außer Vollzug gesetzt. Da die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass der Angeklagte aus Angst, seinen Anglerschein zu verlieren, den Geschädigten töten wollte, erging Ende August ein neuer Haftbefehl. Der Angeklagte kam in Untersuchungshaft.

Vor dem Schwurgericht räumte der Angeklagte, wenn auch in deutlich abgeschwächter Form, den Ablauf des Geschehens über seine Verteidiger Jörg Sodan und Florian Münch ein. In den Augen der Verteidiger war die Tat durch das provozierende Verhalten des Geschädigten ausgelöst worden. Der Geschädigte sei für seine mehr als ruppige Art bekannt. Auch habe es Kommunikationsprobleme gegeben, da der Angeklagte aus Kasachstan stammt und nur unzureichend Deutsch spricht. Zudem mutmaßten die Verteidiger, dass man ihrem Mandanten eine Falle stellen wollte, um den unliebsamen Mann aus dem Verein ausschließen zu können. Ihr Mandant habe jedoch zu keiner Zeit in Tötungsabsicht gehandelt. Der Geschädigte hingegen schilderte die Vorkommnisse an diesem Abend sehr ausführlich und emotional, wenn auch in vielen Details widersprüchlich.

Nach an drei Verhandlungstagen mit zahlreichen Zeugen und zwei Sachverständigen blieb die Staatsanwältin in ihrem Schlussvortrag bei ihrem Vorwurf des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung. Der Angeklagte habe bei der Tat in rasender Wut und heimtückisch gehandelt. Sie sprach sich für eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren aus. Für die Verteidiger hingegen stand in ihren Plädoyers fest, dass man ihren Mandanten „rein rauschen“ lassen wollte. Der Angeklagte sei nie gewaltauffällig gewesen. Auslöser für die aggressive Grundstimmung sei das Verhalten des Geschädigten gewesen, der bei der Kontrolle äußerst ruppig vorgegangen sei. Für einen Tathergang wie in der Anklage beschrieben gäbe es keine objektiven Beweise. Sie hielten eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung für tat- und schuldangemessen.

Im Schuldspruch und der sich daraus ergebenden Rechtsfolge schloss sich die Schwurgerichtskammer den Argumenten der Verteidiger an und verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Im Kerngeschehen folgten die Richter den Angaben des Geschädigten, da sich diese mit seinen Verletzungen vereinbaren lassen. Eine Tötungsabsicht sei nicht sicher feststellbar gewesen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.