03.02.2019 - 13:40 Uhr
ArzbergOberpfalz

Arzberg in der Energie-Champions-League

Im Forschungslabor für Solar und Speicher in Schlottenhof folgt ein neues Projekt. Fachleute berichten über den Stand der Forschung.

Welche Herausforderungen kommen durch die Energiewende in den nächsten Jahren auf das Stromnetz in Bayern zu? Welchen Einfluss hat die Elektromobilität? Wie werden Stromerzeugung und Stromverbrauch aufeinander abgestimmt? Wie wird das Stromnetz europaweit stabil gehalten? Und wie kann man die Erzeugung dezentraler, erneuerbarer Energie integrieren? Diese und viele weitere Fragen rund um das bayerische Stromnetz der Zukunft sind bei einer Informationsveranstaltung in der Arzberger „Bergbräu“ aufgeworfen worden.

Im Forschungslabor für Solar und Speicher im Arzberger Ortsteil Schlottenhof versuchen Experten schon seit einigen Jahren, den Antworten auf die Fragen ein Stück näher zu kommen. Dazu haben das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE), die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH) und die Bayernwerk Netz GmbH im Projekt Smart Grid Solar zusammengearbeitet. Sie untersuchten aus Sicht der Stromversorgungsnetze das Zusammenspiel von volatiler, also schwankender, Erzeugung, intelligenten Komponenten und Speichern. Geholfen haben dabei 85 Haushalte in Schlottenhof. Mit Smart-Metern wurden Messdaten rund um die Anforderungen an Strom und Spannung gesammelt und ausgewertet. Zusätzlich wurden verschiedene Photovoltaikanlagen im Praxisbetrieb untersucht. Das Projekt Smart Grid Solar wurde im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen.

Wie geht es nun weiter? Professor Dr. Oliver Brückl von der OTH Regensburg stellte das Folgeprojekt Netz-Entwicklungs-Offensive Strom (NEOS) vor. Schwerpunkte der Untersuchungen sind die Elektromobilität, Transformatoren und die Spannungsqualität. Denn entscheidend für das Funktionieren der Stromversorgungsnetze ist nicht die benötigte Strommenge, sondern die passende Spannung. Daher ist die Integration der Elektromobilität mit der benötigten Ladeleistung für viele Elektrofahrzeuge in elektrische Verteilnetze eine der zentralen Herausforderungen für die Netzbetreiber in der Zukunft. Zusätzlich wird lokal erzeugte Energie von dezentralen Photovoltaikanlagen ins Netz eingespeist. Beides muss intelligent gesteuert werden. Wie das funktionieren kann, wird künftig in Arzberg untersucht.

Im zweiten Folgeprojekt mit dem Namen „C/sells“ gleicht Christoph Stegner vom ZAE die erhobenen Daten der Haushalte mit Standardlastprofilen ab. Darüber schätzen die Netzbetreiber den Strombedarf ab und stellen Strom passend zur Verfügung. Dafür werden weiterhin die Messdaten der mit Smart-Metern ausgestatteten Haushalte benötigt. Daher warben die beteiligten Fachleute bei der Veranstaltung um das Einverständnis der Schlottenhofer, das in diesen Tagen bei ihnen abgefragt wird.

Burkhard Butz, Markus Seidel und Sebastian Schmitz von der Bayernwerk Netz GmbH zeigten auf, dass bei regenerativer Energieerzeugung zu vielen Zeiten entweder zu wenig oder zu viel Strom erzeugt wird. Das macht einen Ausgleich der Energiemenge erforderlich, dazu kann das Stromnetz über viele Faktoren entlastet werden. Wichtig dabei ist die schnelle Kommunikation und Steuerung.

Die Referenten zeigten detailliert auf, welche Fragen rund ums Thema Energie in Zukunft noch gelöst werden müssen, und was die Projekte in Arzberg dazu beitragen können. Den Zuhörern wurde klar, dass es die eine technische Lösung nicht gibt; es stehen Alternativen zur Verfügung. Für die Entscheidung selbst spielen dann auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle. „Bei diesen fachkundigen Zuhörern können wir in die Tiefe gehen, die verstehen das“, gab es als Kompliment von den Referenten. Dass dem tatsächlich so ist, zeigte die abschließende Fragerunde, in der über die Einsatzmöglichkeiten von Elektro-Speicher-Öfen, die Rohstoffgewinnung für Batterien und mögliche Vereinbarungen mit energieintensiven Industriebetrieben gesprochen wurde.

Bürgermeister Stefan Göcking befasst sich als gelernter Elektriker intensiv mit dem spannenden Projekt: „Seit Kurzem können unsere Bürger über das Energiemonitoring auf der städtischen Homepage www.arzberg.de jederzeit sehen, dass unsere gesamte Stadt aus regenerativer Stromerzeugung nahezu energieautark ist“. Er freut sich, dass Arzberg eine wichtige Rolle bei der Energiewende hat: „Da spielen wir schon in der Champions League mit!“

Trotz der Komplexität des Themas und der noch nicht gelösten Fragen bezeichnete Professor Brückl „die Versorgungssicherheit in Deutschland als sehr hoch“ und Burkhard Butz sicherte zu: „Wenn Leistung gebraucht wird, ist sie da!“

Hintergrund:

Smart Grids

Der Begriff Smart Grids bezeichnet intelligente Stromnetze, die Erzeugung, Speicherung und Verbrauch kombinieren. Eine zentrale Steuerung stimmt sie optimal aufeinander ab und gleicht somit Leistungsunterschiede, insbesondere durch die schwankende Produktion der erneuerbaren Energien, im Leitungsnetz aus. (fppp)

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