23.11.2018 - 09:55 Uhr
ArzbergOberpfalz

Halfpipe-Himmel in der Fabrik

Die ehemalige Porzellanfabrik in Arzberg wirkt für viele wie eine Bruchbude. Für Skater ist sie aber der Himmel auf Erden.

von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Florian Thoma zieht sich die dunkelblaue Wollmütze vom Kopf und kämpft sich aus seinem Pullover. Der Schweiß lässt sein Gesicht glänzen. "Ich bin noch nicht ganz fit", sagt er und grinst. Ein paar Wochen stand er wegen einer Verletzung nicht auf dem Skateboard. "Ich muss erstmal wieder reinkommen. Aber heute werde ich ein paar Stunden durchziehen", kündigt er an, steigt auf sein Skateboard und rollt durch die Skate-Halle in Arzberg.

Thoma ist im Vorstand des Vereins "Rollschuppen". Dessen Vereinsmitglieder haben sich einen Traum erfüllt. Seit 2017 betreiben sie ihre eigene Skate-Halle. "Ist schon geil eine Halle zu haben. Es sind auch immer Gleichgesinnte da, mit denen man quatschen kann", sagt Thoma. Angefangen hat alles vor ein paar Jahren, als er und seine Kumpels sich regelmäßig in den lokalen Skate-Parks trafen. Die Idee zur eigenen Halle kam von Tim Binder, der jetzt Vorsitzender des Vereins ist. "Irgendwann kam Tim zu uns und fragte, ob wir das nicht zusammen aufziehen wollen. Er kenne da ein passendes Gebäude. Zunächst haben wir gedacht, das ist nur Gelaber, aber dann haben wir es tatsächlich durchgezogen", erinnert sich Thoma.

Einblicke in die Skatehalle

Hunderte Arbeitsstunden und viel Geld

Vor der ehemaligen Porzellanfabrik in Arzberg sieht es wüst aus. Viel Schutt liegt herum und es wirkt verlassen. Durch die große rote Metalltür gelangen die Besucher in das graue Treppenhaus aus Beton. Im vierten Stock hat sich der "Rollschuppen" eingerichtet. Eine kleine hölzerne Theke steht im Eingangsbereich, an der Wand hängen Decks (die Bretter von Skateboards) mit verschiedenen, teils bunten Motiven. An einer Wäscheleine baumeln Sneaker, es gibt auch eine kleine Bühne für einen DJ und eine Chill-Out-Area mit einer grauen Couch, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Die jungen Leute fühlen sich hier sichtlich wohl.

Die ehemalige Porzellanfabrik in bot die perfekten Räume für das Vorhaben des Vereins. "Alles war staubig, verdreckt und es wurde einfach alles liegen gelassen." Inzwischen haben die Mitglieder des "Rollschuppens" Hunderte Arbeitsstunden und viel Geld in die Halle gesteckt. "Wir haben alle Rampen selbst gebaut, den Boden verlegt und alles hergerichtet. Zu Beginn haben wir unser eigenes Geld reingesteckt", erklärt Thoma. Mittlerweile finanziert sich der Rollschuppen durch Spenden, Sponsoren und den Mitgliedsbeiträge. "Ich hatte schon Schiss vor der komplizierten Bürokratie, die da vor uns lag. Schließlich müssen alle Vorgaben wie Notausgang, Brandschutz und andere Sachen eingehalten werden. Da haben wir aber viel Unterstützung vom Stadtrat bekommen, in dem auch eines unserer Mitglieder sitzt", sagt Thoma.

Gekonnt schlittert Thoma mit seinem Skateboard über eine Eisenstange am Boden hinweg. Seit er zehn Jahre alt ist, fährt er. In Arzberg habe es sonst nicht so viele Angebote für Jugendliche gegeben, erzählt er. Deswegen hingen sie die meiste Zeit ab und fuhren durch die Stadt. Durch die Skate-Halle hätten sie nun aber etwas geschaffen, das auch Arzberg weiterhilft.

Aus Bayreuth bis Plauen

Die Verantwortlichen der Stadt zeigen sich kooperativ. Sie loben den Einsatz des Vereins, der den Jugendlichen etwas bieten will. Das gelingt dem "Rollschuppen" auch. "Das Einzugsgebiet geht von Bayreuth bis Plauen, weil es in der Gegend sonst kaum Möglichkeiten gibt, in einer Halle zu skaten", erzählt Thoma. Im September veranstaltete der Verein seinen ersten Skate-Contest. Die Teilnehmer bewiesen ihr Können beim "Game of Skate", bei dem bestimmte Tricks vorgeführt werden müssen. Außerdem gab es mit "Stuff for Tricks" noch einen weiteren Durchgang. Für besondere Tricks gab es Belohnungen wie T-Shirts, Rolllager oder Decks. "Das wollen wir auf jeden Fall wiederholen und noch größer aufziehen. Aber erstmal müssen wir die Halle fertig ausstatten", kündigt Thoma an.

Denn fertig ist die Skate-Halle noch nicht. Es muss noch mehr Holzboden verlegt werden, um die Übergänge flüssiger zu machen. Außerdem soll eine weitere Rampe kommen. Dafür müssen alte Überbleibsel der Porzellan-Fabrik aber erstmal entfernt werden. Der Zuspruch ist da, auch wenn es im Moment noch eine Nebenbeschäftigung für die inzwischen rund 25 Vereinsmitglieder ist.

"Wir haben Dienstag (17 bis 21 Uhr) und Samstag (14 bis 20 Uhr) geöffnet. Bei den Schichten wechseln wir uns ab. Das geht nur so, denn auch wir arbeiten oder studieren", erklärt Thoma und nimmt sich eine Limo aus dem Kühlschrank unter der hölzernen Theke. Sein Blick wandert durch das Fenster über die Dächer von Arzberg. Die Porzellanfabrik liegt höher als die meisten Gebäude der Stadt - ein Halfpipe-Himmel.

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