Nachdem am vergangenen Wochenende die Aschacher mit ihren Gästen aus nah und fern die weltliche Kirchweih feieren, begehen sie am Sonntag, 1. September, das Patrozinium des Gotteshauses. Zu Ehren des Kirchenpatrons Ägidius wird um 18 Uhr das Allerheiligste ausgesetzt. Anschließend besteht bis zum Beginn des Festgottesdienstes um 19 Uhr Gelegenheit zur stillen Anbetung.
Über das Leben des Kirchenpatrons ist nicht viel bekannt. St. Ägidius gehört zu den 14 Nothelfern und gilt als Beschützer vor Feuerbrünsten und Naturkatastrophen, Pest und Aussatz. Er ist der Patron der Hirten, des Viehs und auch der stillenden Mütter. Nach Überlieferungen soll er um 640 in Athen geboren sein. Er verließ seine griechische Heimat und lebte jahrelang in der Diözese von Nimes in Frankreich als Einsiedler in einer Höhle an der Mündung der Rhone in das Mittelmeer. Der Legende nach nährte ihn durch Gottes Fügung eine Hirschkuh mit Milch. Während einer Jagd des Westgotenkönigs Wamba (König von 672-680) flüchtete diese Hirschkuh zu Ägidius, der sich schützend vor das Tier stellte und so versehentlich von einem Pfeil getroffen wurde. Um seine Schuld zu tilgen, gestattete der Monarch dem Verletzten, nach seiner Genesung ein Kloster zu gründen. Um 680 gründete Ägidius die Benektinerabtei von St. Gilles, der er bis zu seinem Tode am 1. September 720 als Abt vorstand.
Urkundlich belegt ist in Aschach bereits 1313 eine Vorgängerkirche, die ebenfalls dem heiligen Ägidius geweiht war. Das heutige Gotteshaus, eine romanische Chorkirche mit barocken Altären, wurde zwischen 1749 und 1755 unter Beibehaltung des alten Ostturm neu errichtet. Elf Jahre später brach man auch diesen ab und baute ihn im Stil der Zeit, versehen mit einer barocken Zwiebel, wieder auf. Als diese bei einem Sturm herabstürzte, erhielt der Turm seinen heutigen Spitzhelm. Weil 1971 nach deren Neubau die St.-Josef-Kirche in Raigering zur Pfarrkirche von Aschach-Raigering erhoben wurde, gilt die frühere Pfarrkirche St. Ägidius in Aschach heute als Nebenkirche. Gottesdienste finden wöchentlich an zwei Werktagen sowie an den Sonn- und Feiertagen statt.
Das Gotteshaus beherbergt einen altertümlichen Schatz in seinen Mauern: eine Monstranz aus dem 16. Jahrhundert, die vermutlich Reliquien des heiligen Ägidius enthält. Das 47 Zentimeter hohe Kleinod wurde aus Messing hergestellt und versilbert. Sein Sechspaßfuß ist mit Renaissance-Ornamenten versehen. Über den zylindrischen Gehäuse befindet sich ein sechsseitiger Helm mit Gravierungen. Auf den Seitenranken kann man die Figürchen von Petrus und Paulus bewundern.













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