Atzmannsberg bei Kemnath
20.02.2025 - 15:41 Uhr
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Der Fuchs – auf der Spur eines smarten Jägers

Holger Lottes ist Revierpächter. Neben Wildschwein, Reh und Hirsch bejagt er Füchse. Warum das notwendig ist, wie Jäger dabei vorgehen und warum der Fuchs auch ein Nutztier ist.

Holger Lottes (43), Revierpächter und Jäger des Reviers Atzmannsberg-Köglitz, ist mit seinem Rauhaardackel Max unterwegs. „Afm Hermas“, so bezeichnen die Einheimischen das Flurstück, zu dem auch eine Waldfläche gehört. Genau dort, wo der kleine Wiesenweg im Wald verschwindet, beginnt Max wie wild an seiner Leine zu ziehen. Die Richtung ist eindeutig: Der Hund möchte zum Fuchsbau, der sich hier ganz in der Nähe befindet und der ihn mit seinem Duft anzieht.

„Füchse schieße ich meistens von der Kanzel aus“, sagt Lottes, während er seinen Vierbeiner zurückhält, der am liebsten im Eingangsloch des Fuchsbaus verschwinden würde. „Und zwar nicht das ganze Jahr über, sondern nur im Herbst und Winter.“ Der Grund dafür: In den übrigen Monaten ziehen die Fähen, also die Fuchsweibchen, ihre Jungen auf.

Angelockt vom "Luderplatz"

Angelockt werden Füchse von den Jägern auf ganz verschiedene Weise: indem auf einer frisch gemähten Wiese mit dem Aufbruch eines toten Rehs ein sogenannter „Luderplatz“ angelegt wird. Indem ein mit Getreide gespicktes Strohbüschel zur „Mäuseburg“ wird, das Mäuse – und damit auch Füchse – magisch anzieht. Aber auch indem Lockinstrumente zum Einsatz kommen wie Vogelangstgeschrei, Mauspfeifchen, Hasen- und Kaninchenklage. Damit wird der Fuchs, der auf leichte Beute hofft, bis an den Hochsitz des Jägers gelockt.

Aber warum muss man Füchse überhaupt jagen? Immerhin sind sie Nutztiere, die um die 15 Mäuse pro Tag vertilgen und so den Nagerbestand in Schach halten. Darüber hinaus fungieren sie als Gesundheitspolizisten, weil ihnen vor allem kranke und schwache Tiere zum Opfer fallen. „Füchse wurden auch schon früher bejagt. Damals wegen ihres warmen Pelzes und weil sie Krankheiten, wie die Tollwut, verbreitet und auf Haustiere und Menschen übertragen haben“, holt der Revierpächter etwas weiter aus. Allerdings, so räumt er ein, gelte Deutschland seit 2008 als tollwutfrei. Und auch das Tragen von Pelzjacken und -mänteln sei bereits seit einigen Jahrzehnten eher verpönt.

Starke Vermehrung ohne Bejagung

Also noch einmal: Warum heute noch immer die Fuchsjagd? „Zum einen hat der Fuchs sehr wenige Feinde: Außer dem Straßenverkehr eigentlich nur noch den Wolf. Er würde sich ohne Bejagung schnell stark vermehren", begründet der Reuther das Vorgehen. Damit wachse aber gleichzeitig die Anfälligkeit für verschiedene Krankheiten: Räude, Staupe und Tollwut. Zum anderen sei es ihm ein persönliches Anliegen, das Niederwild – also Hase, Rebhuhn oder Fasan – im Revier wieder „hochzubringen“. Der Fachbegriff dafür: Niederwildhege. Das Ziel: durch die gezielte Bejagung von Füchsen zur Arterhaltung von Wiesen- und Bodenbrütern beizutragen.

Inzwischen ist Holger Lottes mit seinem nach wie vor aufgeregten Hund einige Meter weiter gegangen und steht am Rand eines Abhangs. „Fuchsbauten sind ja oft schon sehr alt. 100 Jahre sind da keine Seltenheit. Wie alt dieser hier ist, weiß ich nicht. Doch er ist ziemlich weitläufig“, sagt er und weist mit seiner Hand auf verschiedene Löcher im Boden, die allesamt einen Durchmesser von gut 30 Zentimeter haben und im Gelände ohne Regelmäßigkeit angelegt sind. Es sind verschiedene Eingänge und Fluchttunnel, die es dem Fuchs ermöglichen, bei Gefahr ungesehen den Bau zu verlassen.

Dackel im Fuchsbau

Genau diese Fluchttunnel werden immer wieder dringend benötigt. Hin und wieder auch wegen der Baujagd, einer besonderen Methode der Fuchsjagd. Dabei kriecht der Hund des Jägers – zumeist Dackel oder Terrier, weil sie den idealen Körperbau dafür haben – in den Fuchsbau und verbellt darin den Fuchs. Er jagt den Fuchs also mit Gebell nach draußen und damit dem Jäger vors Gewehr. Nicht-Jäger bezeichnen diese Jagdform oft als ethisch fragwürdig und grausam. Zumindest müssen sich die Jäger, die sich auch als Naturschützer und Heger bezeichnen, die Frage gefallen lassen, ob denn diese Form der Jagd noch zeitgemäß ist. Und wo denn hier der Tierschutz bleibt. Denn sowohl Hund als auch Fuchs sind im Inneren des Baus großen Belastungen ausgesetzt: Kämpfe bis hin zum Verbeißen, Verletzungen, Stress.

Eine Baujagd steht aber „Afm Hermas“ nicht auf dem Programm. Es geht zurück zum Auto. Ob im Bau gerade ein Fuchs oder gleich mehrere Füchse waren, bleibt ein Geheimnis. Tatsächlich halten sich Füchse – außer während der Aufzucht der Welpen, außer bei schlechtem Wetter, außer hin und wieder während der Ranzzeit (Paarungszeit) – eher selten in ihrem Bau auf. Tagsüber ruht sich Meister oder Meisterin Reinecke gerne unter der schützenden Deckung von Büschen und Sträuchern aus.

Erfolgreicher Kulturfolger

Sobald die Dämmerung hereinbricht – manchmal sogar noch früher – geht es dann auf ausgedehnte Nahrungssuche: Mäuse, Regenwürmer, Aas, Vogelgelege. Selbst frisch gesetzte Kitze werden nicht verschmäht. Als erfolgreicher Kulturfolger durchstreift der Allesfresser auch die dörflichen und städtischen Siedlungen. Immer auf der Suche nach leichter Beute. Ganz oben auf der Liste stehen dabei Komposthaufen sowie Essensreste aus der Mülltonne. Und natürlich sind auch Hühnerställe vor ihm nicht sicher.

Vor einigen Jahren, so erinnert sich Lottes, erhielt er einen Anruf eines Landwirts, bei dem über Nacht drei Hühner verschwunden waren. „So ein Fuchs, der ist schon schlau!“, sagt der Revierpächter fast schon bewundernd. Auf seinem nächtlichen Streifzug durchs Dorf schaue der rotfellige Vierbeiner mit schöner Regelmäßigkeit an den Hühnerställen vorbei, um ja keine Gelegenheit zu verpassen. Könnte ja sein, dass zufällig mal die Tür zum Hühnerstall offensteht, dass ein Huhn aus Versehen draußen im Freien geblieben ist, dass der Zaun ein Loch hat.

Auf der Lauer

Jedenfalls legte sich Lottes nach dem aufgebrachten Anruf des Landwirts einige Nächte in der Nähe des Hühnerstalls auf die Lauer und bekam dort tatsächlich einen Fuchs vor die Flinte. „Ich habe den Fuchs, der an jenem Abend vor meinen Augen um den Hühnerstall herumschlich, mit einem gezielten Schuss erlegt“, erzählt er. Ob es allerdings genau der Fuchs war, der die drei Hühner des Bauern auf dem Gewissen hatte? Oder ein ganz ein anderer? Oder ob der Hühnerdieb vielleicht gar kein Fuchs, sondern ein hungriger Marder war? Das wisse er natürlich nicht.

Hintergrund:

Der Fuchs

  • Der Fuchs wird in Fabeln oft „Reinecke Fuchs“ genannt. Das bedeutet: „Der, der durch seine Schlauheit unüberwindlich ist."
  • Manchmal übernimmt der Fuchs die Behausung eines Dachses oder bildet sogar mit ihm eine Wohngemeinschaft.
  • Nach 50 Tagen Tragezeit werden drei bis fünf Welpen mit geschlossenen Augen im Fuchsbau geboren.
  • Während die Welpen von der Fähe gesäugt werden, versorgt der Rüde seine Partnerin mit Nahrung.
  • Ab September verlassen die Jungen den Familienverband. Mit ungefähr zehn Monaten sind die Jungen ausgewachsen.
  • Der bei uns beheimatete Rotfuchs kann bis zu fünf Meter weit und zwei Meter hoch springen und bis zu 50 Kilometer pro Stunde schnell laufen.
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