26.09.2019 - 08:46 Uhr
AuerbachOberpfalz

1400 Kostüme und unzählige Perücken: Sigrid Schleicher will ihren Verleih in Auerbach verkaufen

Löwen, Horrorbräute, Prinzen und Aliens - Sigrid Schleicher hat für jeden das passende Kostüm. Jetzt möchte die Auerbacherin ihre bunte Sammlung verkaufen.

Sigrid Schleicher liebt das Verkleiden: Diesmal steckt sie in einem Clown-Kostüm. Ihre Tochter Meli (links) ist eine Waldelfe, Nicole (rechts) eine Pharaonin.
von Julia-Maria BauerProfil

Von außen ist das Haus von Sigrid Schleicher unscheinbar, es fügt sich unauffällig in die Auerbacher Wohngegend ein. Doch Besucher, die die steilen Treppen bis ins Dachgeschoss hochsteigen, erleben eine Überraschung. Noch im Türrahmen begrüßt den Besucher eine Horrorbraut - eine Puppe mit schwarzen Haaren und weißem Kleid. Sie ist blutverschmiert. Nach dem ersten Schreck schweift der Blick über den Flur zu den vier Räumen im Faschingsmotto.

Ein ganzes Stockwerk im Faschingsfieber: Ein Raum voller Perücken, einer für Straßenkostüme, ein großer Raum für Kopfbedeckungen und Kostüme zu allen Themenbereichen. Auf 120 Quadratmetern gibt es echte Gewänder aus Indien und Asien, historische Kostüme und selbst Geschneidertes. Begonnen hat alles mit 500 Kostümen, welche die Schneiderin von der Schwester einer Kundin übernahm. Von da an hat sie 1400 Kostüme angesammelt, viel Platz ist da besonders wichtig. Nach jedem Tragen werden die Teile gereinigt und falls nötig repariert. Für einen Tag darf dann jeder einmal anziehen, was ihm gefällt.

Kostüme zum Verkauf

"Beratung muss sein", erklärt die Inhaberin, während sie durch die Räume schlendert. Sie und ihre Töchter wissen genau, wo sich jedes Kostüm befindet. "Ich biete immer das Gesamtpaket, nicht nur das Kostüm, sondern auch Perücke, passende Accessoires und Schminktipps". Sigrid Schleicher strahlt, wenn sie über ihre Kostüme redet. Unaufhörlich erzählt sie stolz von all ihren Errungenschaften, zieht immer wieder ein anderes Kostüm aus der Kleidersammlung. Besonders der Märchenprinz hat es ihr angetan, ein royalblaues Gewand mit Hut. "Das ist eines meiner Lieblingskostüme, aber ich kann mich da gar nicht so richtig entscheiden", sagt sie. "Aber den Märchenprinz liebe ich. Natürlich mit einem schönen Mann drin."

Modenschauen mit Sketchen hat die Auerbacherin auch schon organisiert, war regelmäßig mit ihrem Kostümverleih "Hexenkessel" beim örtlichen Faschingszug dabei. Bei all diesen Veranstaltungen erhielt sie viel Unterstützung durch ihre Kunden, Models und ihre Familie. Das macht die Mutter von zwei Töchtern besonders stolz. Neue Kostüme werden gemäß Nachfrage gekauft. Wie zum Beispiel der Renner aus dem vergangenen Jahr: die Latex-Nonne.

Ein ganzes Zimmer voller Kostüme zu jedem Thema. Das Kuchenkostüm ist neu und bis jetzt noch ungetragen.

Aber auch der Geschmack der Eigentümerin entscheidet beim Neukauf. Brandneu ist das Tortenkostüm, das mit seiner Breite keine Möglichkeit zum Hinsetzen bietet und deshalb noch unausgeliehen ist. Für Sigrid Schleicher ist einer der Grundsätze im Saisongeschäft, den aktuellen Trends zu folgen. Jeden Kundenwunsch versucht sie umzusetzen, sperrt oft auch für einzelne Besucher extra den Laden auf. Profit steht bei ihrem Verleih nicht an erster Stelle.

Das wohl verrücktestes Kostüm ist ein Alien: Ein blauglänzender hautenger Anzug mit Kissen im Bauch und Helm. Alte Brautkleider finden sich ebenso im Sortiment. Diese färbt die Schneiderin ein und verleiht sie als Prinzessinnen-Outfit. Egal ob schön oder skurril, alle Kostüme finden einen Träger.

Richtiges Kostüm dauert

Kundinnen stehen oft zusammen vor dem großen Spiegelschrank im Ankleidezimmer, machen Fotos, überdenken die passende Kostümwahl lange. "Ich kann das total verstehen, bei mir wäre es genauso. Es dauert ewig, bis ich mich für ein Kostüm entscheide", verrät Schleicher. "Es war eine der schönsten Zeiten meines Lebens hier oben", sagt sie mit etwas Wehmut in der Stimme. Schleicher streicht liebevoll, aber energisch über ihre Kleidung und hängt danach alles fein säuberlich wieder an seinen Platz zurück. Ihre Töchter Nicole und Meli unterstützen Sigrid Schleicher bei der Beratung. "Alleine ist so ein Kostümverleih unmöglich", erklärt die Oma eines Enkels.

Beratung ist das A und O

Dann schmeißen sich die drei Frauen in ein Kostüm. Die Entscheidung fällt schwer. Nach einiger Zeit erscheint die Inhaberin in einem Clown-Kostüm mit leuchtender orangefarbener Perücke. Nicole ist eine Pharaonin in dunkelblauem Kleid. Meli hat sich für ein Waldelfen-Outfit entschieden. Trotz der vielen schönen Erinnerungen gibt Sigrid Schleicher ihren Kostümverleih ab. "Mein Leben ändert sich. Ich bin jetzt Oma und bekomme noch ein Enkelkind. Das alles ist sehr zeitaufwendig. Nach zehn Jahren wollte ich mich mal verändern", erklärt sie.

Jetzt sucht Sigrid Schleicher einen Käufer für ihre Kostüme. Am besten jemanden, der genauso viel Herz reinsteckt, wie sie selbst. Insgesamt 1400 Faschingskostüme, 250 Hüte und 400 Perücken aus der Sammlung von Sigrid Schleicher suchen für 11 500 Euro einen neuen liebevollen Besitzer.

Kundinnen können durch eine große Auswahl von Prinzessinnenkleidern stöbern.

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