19.02.2019 - 17:10 Uhr
AuerbachOberpfalz

Als Auerbach eine Hauptstadt war

Karl IV. vergrößert im 14. Jahrhundert mit Geschick sein Reichsgebiet "jenseits des Behemischen Waldes". Besonders liebt der Kaiser Auerbach. Er befreit die Stadt von vielen Abgaben und verleiht ihr Privilegien wie Sulzbach.

1347 bekam Auerbach das Recht, einen Wochenmarkt abzuhalten, erhielt eine Münzstätte und den Landgerichtssitz Neuböhmens. Auch unter Wenzel IV. setzte sich der Ausbau fort.
von Rainer ChristophProfil

Der Begriff "Neuböhmen" wurde erstmals vor über 200 Jahren verwendet. Das heute allgemein so bezeichnete Gebiet umfasste in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen großen Teil der nördlichen Oberpfalz mit Anteilen an fränkischen Gebieten. Haupt- und Residenzstadt war zunächst 1355 bis 1373 Sulzbach, das auch Sitz eines Landgerichts wurde. Landesherren in dieser Zeit waren Karl IV. und sein Sohn Wenzel IV.

Stets war Karl bestrebt, seine Hausmacht zu erweitern, neue Länder und Güter zu erwerben. Nicht die Gier veranlasste ihn dazu, sondern das Wissen, seine Machtposition gegenüber den Kurfürsten und anderen Würdenträgern dadurch zu stärken. Schlesien, das Gebiet der Ober- und Niederlausitz, das Eger- und Vogtland (mit den Orten Hof und Marktredwitz) verband er mit Böhmen. Nach Westen zu erwarb er das Gebiet der Oberen Pfalz, um auf eigenem Territorium nach Nürnberg reisen zu können. Noch gab es die Oberpfalz nicht, sie war in verschiedenste Besitze zerrissen, noch konnte man von Bayern oder gar Deutschland im heutigen Sinne sprechen.

Politische Heirat

Nach dem Tod seiner Gemahlin Bianca vermählte sich Karl IV. mit Anna von der Pfalz (1349). Eine bewusste politische Heirat. Sein Schwiegervater war nicht nur der bedeutendste Wittelsbacher mit Sitz in Heidelberg, sondern zugleich auch der erste Kurfürst im Reich. So erhielt Karl die großen Gebiete der Oberen Pfalz mit dem Sulzbacher Besitz. Das neuerworbene Land wurde in Prag als "Bavaria trans silvam Boemicatem" angesehen. Der König sprach in der deutschen Fassung einer Urkunde von "jenseits des Behemischen Waldes".

Den Begriff Neuböhmen verwendet F. M. Pelzel ("Geschichte Kaiser Karl IV., König von Böhmen", 1783), aber auch Franz Palacky, ein Geschichtsschreiber in Böhmen, im Jahr 1842. Michael Döberl spricht 1906 in seiner "Entwicklungsgeschichte Bayerns Band 1" vom "sogenannten Neuböhmen".

Das Egerland, Floß und die Grafschaft Parkstein ließ sich Karl verpfänden. Sulzbach, Rosenberg, Auerbach, Eschenbach und eine Reihe von Orten in Mittelfranken erwarb er von den Wittelsbachern, denen er Geld geliehen hatte. 1353 kaufte Karl IV. in Passau um 120 Schock Prager Pfennige die Burgen Störnstein, Waldeck sowie die Orte Neustadt/WN, Hirschau und Dreswitz. Besonders bedachte er in unserem Raum die Ortschaften, die an seinem Weg von Prag nach Nürnberg lagen.

1355 verlieh Karl IV. Pegnitz die Stadtrechte. Mit der anderen Siedlung, der Altenstadt, wuchs sie erst Jahrhunderte später zusammen. 1357 veräußerten die Landgrafen Ulrich und Johannes von Leuchtenberg die "Stadt und Veste" (die Neustadt) an Karl IV., der die Stadt dem Königreich Böhmen eingliederte. Bis 1402 gehörte die Stadt Pegnitz zu Böhmen, woran heute noch der Name der Burgruine Böheimstein erinnert.

Bergbau in Erbendorf

Karl IV. erlaubte dem Nürnberger Burggrafen, 1370 die Stadt Neustadt am Kulm anzulegen. Ihr langgestreckter Marktplatz ist charakteristisch für diese Art von spätmittelalterlichen Stadtanlagen. Erbendorf, am Fuße des Steinwaldes gelegen, förderte der Kaiser durch den Bergbau, der damals bereits eine beachtliche Bedeutung hatte. Gold und Silber wurden hier geschürft. Eschenbach erhielt 1358 ebenso die Stadtrechte wie Grafenwöhr (1361). Besonders liebte Karl die Stadt Auerbach, die er von vielen Abgaben befreite und später nach seinem Rückzug aus der Oberpfalz die gleichen Privilegien wie Sulzbach verlieh.

Mit dem Erwerb Neuböhmens ordnete der Kaiser auch dessen Verwaltung. In Bärnau, Floß, Parkstein, Störnstein, Sulzbach, Breitenstein, Neidstein, Auerbach und Thurndorf entstanden Pflegeämter. Bei der Besetzung der Stellen achtete der Kaiser besonders darauf, dass seine Beamten durch verwandtschaftliche Beziehungen mit Böhmen verbunden waren. Der Besitz der Pfleger war so verstreut, dass eine eigene Machtausweitung nicht möglich war. Festgehalten wurden die Steuerabgaben in einem zwischen 1363 und 1368 erstellten Steuerbüchlein, dem "Sulzbacher Salbuch". Das Original wird im Bayerischen Staatsarchiv aufbewahrt.

"Flozz" für Schwiegersohn

Im Vertrag von Fürstenwalde, geschlossen am 18. August 1373, gab Kaiser Karl IV. seinem Schwiegersohn, Markgraf Otto V. von Brandenburg, "Schlösser, Städte und Land Flozz, Hirsaw, Sultzpach, Rosenberg, Neitstein, Harsprugk und Lauffen, Holenstain, Hochenfels" gegen eine Pfandsumme von 100 000 Gulden. So kam der südliche Teil Neuböhmens mit der bisherigen Hauptstadt Sulzbach zur Pfalz. Das nördliche, restliche Territorium blieb bei Böhmen und wurde neuer Landgerichtsbezirk. Zeitgleich zog die Verwaltung von Neuböhmen unter Borso von Riesenburg zusammen mit Landrichter Wernt von Breitenstein von Sulzbach in den neuen Amtssitz nach Auerbach um. Das war ein sehr bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Stadt, denn Auerbach wurde damit Hauptstadt von Neuböhmen (von 1373 bis 1400) und Sitz eines Landgerichts.

Neue Straßen

1347 bekam Auerbach das Recht, einen Wochenmarkt abzuhalten, erhielt eine Münzstätte und den Landgerichtssitz Neuböhmens. Auch unter Wenzel IV. setzte sich der Ausbau fort. Er ließ eine neue Trasse von Böhmen über Auerbach und den Rothenberg bei Schnaittach nach Nürnberg neu anlegen. Den Bürger wurde erlaubt Wein anzubauen, gleichzeitig erhielten sie eine zehnjährige Zinsfreiheit. Vom Auerbacher Schlosshof, in dem einst Karl und sein Sohn verweilten, sind nur mehr ein paar Reste zu sehen. Auerbach wurde ob seiner Privilegien in dieser Zeit oft das "kleine Nürnberg" genannt.

 Der Weg der Goldenen Straße verlief nun von Tachov (Tachau) ab Bärnau (oder Waidhaus) kommend, 151 Kilometer über Weiden - Mantel - Grafenwöhr - Stadt Eschenbach - vorbei an den Klöstern Speinshart und Michelfeld - Kirchenthumbach (Name im 14. Jahrhundert Tumpach) - Auerbach - Plech - vorbei am Rothenberg (Schnaittach) Eckental- Kalchreuth (hieß im 14. Jahrhundert Karlsreuth), je nach Bedarf in Richtung Nürnberg oder Erlangen - Neustadt/Aisch - Mainbernheim - Heidingsfeld (Würzburg). (cr)

1353 kaufte Karl IV. in Passau um 120 Schock Prager Pfennige die Burgen Störnstein, Waldeck sowie die Orte Neustadt/WN, Hirschau (Bild) und Dreswitz.
Sulzbach (Bild), Rosenberg, Auerbach, Eschenbach und eine Reihe von Orten in Mittelfranken erwarb Karl IV. von den Wittelsbachern, denen er Geld geliehen hatte.
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