05.08.2020 - 15:00 Uhr
AuerbachOberpfalz

Auerbacher Wasserwacht: Einsatz an der Ostsee

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Sie sind zwischen 16 und 20 Jahre alt, kommen aus Auerbach und sind mit Leidenschaft Wasserretter. Doch ihren ehrenamtlichen Dienst versehen sechs Oberpfälzer momentan nicht in der Heimat – sondern am Strand von Travemünde an der Ostsee.

Fast wie bei Baywatch: Die sechs jungen Oberpfälzer (von links) Nina Heringklee, Konstantin Karl, Daniel Stefandl, Robert Voss, Niklas Heringklee und Michael Syttny stehen vor ihrem Strandbuggy an der Lübecker Bucht.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Andere machen dort Urlaub, nicht jedoch Daniel Stefandl, Michael Syttny, Konstantin Karl, Robert Voss sowie Nina und Niklas Heringklee. Die sechs jungen Oberpfälzer gehören zur Wasserwacht Auerbach und sind als Mitglieder der Kreiswasserwacht für gewöhnlich im Raum Amberg-Sulzbach im Einsatz. Gegenwärtig jedoch leisten die 16 bis 20 Jahre alten Rettungsschwimmer ihren wichtigen Dienst in Travemünde, einem Stadtteil von Lübeck an der Ostsee.

Wie Ernst Schalanda, der Vorsitzende der Auerbacher Wasserwacht-Ortsgruppe, berichtet, sind die sechs Rettungsschwimmer am Strand von Priwall eingesetzt – eine drei Kilometer lange Halbinsel an der Travemündung. Der breite Sandstrand zieht gerade im Sommer tausende Touristen und Einheimische zum Schwimmen und Baden in die Lübecker Bucht. Genau dort haben die Ehrenamtlichen aus Auerbach nun für eine Woche Stellung bezogen. "Sie schieben dort Wachdienst. Das heißt, sie sitzen auf dem Bademeister-Turm oder sind am Strand unterwegs und beobachten die Schwimmer. Bei einem Notfall im Wasser greifen sie ein", beschreibt Schalanda den Job der Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Wachdienst am Meer fast wie Urlaub

Doch warum übernehmen diese Aufgabe ausgerechnet Mitglieder der Auerbacher Wasserwacht und nicht Aufseher aus Schleswig-Holstein? Dies sei nicht ungewöhnlich, informiert Vorsitzender Schalanda: "Die Wachstationen an Nord- und Ostsee fragen jährlich bei allen Wasserwacht-Ortsgruppen in Bayern an, ob Interesse an einem Dienst am Meer besteht. Wer Interesse hat, kann sich melden." Zwar werde die Badeaufsicht sehr ernst genommen, aber: "Für die Jugendgruppen der Wasserwacht ist das mehr oder weniger Urlaub." Kost und Logis sei für die Strandwache kostenlos, zudem gebe es eine kleine Aufwandsentschädigung. Der Dienst werde den bayerischen Ehrenamtlichen somit versüßt und sei gleichzeitig eine Entlastung für die lokalen Rettungskräfte.

Genaue Zahlen haben wir natürlich noch nicht, aber es besteht in diesem Jahr ein erhöhtes Risiko.

Wasserwacht-Vorsitzender Ernst Schalanda zur Häufigkeit von Wasserunfällen in Corona-Zeiten.

Die Badeaufsicht in Auerbach und Umgebung leide darunter zwar nicht, sagt Schalanda. Dennoch ist der Verlust spürbar: "Wenn eine Gruppe mit sechs Mann weg ist, merken wir das in der Ortsgruppe natürlich schon. Das sind ja immerhin alles Wasserretter mit Sanitätsausbildung." So habe die Auerbacher Wasserwacht 200 Mitglieder, davon allein 100 Kinder und Jugendliche. Nur 20 Männer und Frauen jedoch seien im Rettungsdienst tätig. Diese Spezialisten bilden auch die 15 Personen starke Schnelleinsatzgruppe (SEG), die laut Schalanda bei allen Notfällen rund ums Wasser zum Einsatz kommt. Dazu zählen auch Einsätze bei Hochwasser, der Vermisstensuche oder Pkw-Unfälle an oder in Gewässern.

Corona: Mehr Tote durch Ertrinken?

Auch werde laut dem Wasserwacht-Chef intern für die laufenden Saison mit mehr Toten durch Ertrinken gerechnet, weil wegen der Coronapandemie deutlich mehr Menschen als üblich zu Hause Urlaub machen würden. Der Andrang auf heimische Gewässer steige deshalb – und damit auch die Wahrscheinlichkeit für Unfälle. "Genaue Zahlen haben wir natürlich noch nicht, aber es besteht in diesem Jahr ein erhöhtes Risiko", sagt Schalanda.

Der Corona-Sommer 2020 erhöht das Risiko für Badeunfälle.

Amberg

Unabhängig davon ist der Stranddienst an der Lübecker Bucht für die Auerbacher eine Premiere: "Für uns ist das der erste Einsatz an der Ostsee", sagt Schalanda. In den vergangenen Jahren waren aber schon andere Oberpfälzer Wasserretter an Nord- und Ostsee. Und auch die Auerbacher sind jedes Jahr außerhalb des Landkreises im Dienst. Wie beim Musikfestival "Rock im Park" in Nürnberg im vergangenen Jahr oder bei Notfällen für die SEG. Der Wachdienst der Auerbacher Gruppe an der Ostsee geht noch bis kommenden Sonntag. Dann sind die Rettungsschwimmer wieder in der Oberpfalz und helfen, das Baden in heimischen Seen und Bädern sicherer zu machen.

Vom Aussichtsturm aus überblicken die Auerbacher Wasserretter den Strand von Travemünde an der Ostsee. Wenn sich abends der Strand leert, bietet sich ein malerischer Blick auf den Sonnenuntergang.
Wasserwacht Auerbach – Aufgaben:

Unterstützung und Sondereinsätze

Die Ortsgruppe Auerbach gehört zur Kreiswasserwacht Amberg-Sulzbach. Von den rund 200 Mitgliedern der Auerbacher Wasserwacht sind rund 20 ausgebildete Wasserretter – die Bezeichnung für Rettungsschwimmer mit einer vertieften Sanitätsausbildung. Zu ihren alltäglichen Aufgaben gehört laut Vorsitzendem Ernst Schalanda die Unterstützung der Stadt Auerbach bei der Badeaufsicht. Dies geschieht zum Beispiel im Freibad „Schwimm-sal-a-bim“ oder beim Schulschwimmen. Dort beaufsichtigen die Ehrenamtlichen Grundschüler und helfen somit den Lehrkräften. Jedes Jahr Anfang September ist die Ortsgruppe an der Wachstation am Trausnitzer Stausee eingesetzt. Die 15 Mann starke Schnelleinsatzgruppe (SEG) der Auerbacher Wasserwacht kommt auch überregional bei Notfällen wie Überschwemmungen und der Personensuche zum Einsatz.

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