25.05.2018 - 21:23 Uhr
AuerbachOberpfalz

Zur Brotzeit bei der Salvator-Kapelle

Auf Berge wird normalerweise gewandert. Oft sind auch Wallfahrer oben am Ziel ihres Bittgangs. Wir nehmen aber das Radl, und es muss kein Mountain-Bike sein.

Kurz vor dem Ziel geht’s steil hinauf: Absteigen ist angesagt auf dem Weg zum Gottvaterberg. Bild: Robert Stammler

Wer hätte das gedacht, dass man im nördlichen Pfannenstiel des Landkreises Amberg-Sulzbach super bequem und begleitet von einer Fülle von Natur- und Kulturerlebnissen Rad fahren kann. Wer hätte das gedacht, dass inmitten dieser lieblichen Landschaft eine so brutale Steigung wartet, dass man besser vom Rad absteigt und schiebt, oder das Gefährt gleich am alten Bahnhof abstellt und zu Fuß auf den Berg der Erkenntnis marschiert: auf den Gottvaterberg bei Auerbach.

Tour für Genießer

Das erste Etappenziel unserer Serie "Mit dem Radl auf den Berg" hat es mit einem 26-prozentigen Schlussanstieg in sich. Doch keine Sorge, die Runde, die wir vor dem Bergfest-Höhepunkt fahren werden, ist was für Genießer. 38 Kilometer lang und versehen mit knapp 400 Höhenmetern. Sie führt durch Auerbach, Michelfeld und das fränkische Neuhaus, öffnet das grüne das Herz des Naturschutzgebietes der Pegnitzauen zwischen Michelfeld und Ranna, taucht tief ein in den Wellucker Wald und führt in einer Schleife über die Bergbauvergangenheit von Auerbach bei Nitzlbuch zurück zum Ausgangspunkt.

Auf die Räder, fertig, los. Wir beginnen am Place de Laneuveville, der Auerbacher Partnerstadt in Lothringen. Auswärtige können hier kostenlos ihr Auto abstellen. Bei der Ausfahrt biegen wir rechts in die Neuhauser Straße ein, die mit Linksschwenk in die Alleestraße übergeht. Nach etwa 700 Metern zweigt die Degelsdorfer Straße nach rechts ab, der wir bis zum ehemaligen Förderturm folgen.

Hier beginnt beim Mühlenweg (Infotafel) das 87 Hektar große Naturschutzgebiet Grubenfelder Leonie. Wenn wir Glück gehabt hätten, hätten wir im eingezäunten Bereich vielleicht an einem der mit Wasser gefüllten Einsturztrichter Heckrinder gesehen, eine Nachzüchtung des im 17. Jahrhundert ausgestorbenen Auerochsen. Doch bis auf einen Graureiher bewegt sich an diesem schönen Frühlingstag nichts.

Reichlich Fahrtwind

So fahren wir weiter bis nach Degelsdorf und biegen bei Kilometer 2,5 nach links in die Pinzigbergstraße ein. Hier müssen wir erstmals etwas kräftiger in die Pedale treten. Doch die folgende Abfahrt, vorbei an der Ortschaft Reichenbach, sorgt wieder für reichlich Fahrtwind. Wir treffen auf die Kreisstraße AS 23 (km 4,0), in die wir für rund 100 Meter nach rechts einbiegen, um dann bei einer Parkmöglichkeit scharf nach links hinunter zum Speckbach zu schwenken. Hier heißt es absteigen und das Rad über einen Holzsteg schieben.

Unsere kleine Orientierungslosigkeit an dieser Stelle löst ein in einigem Abstand gehender Hundeführer auf. "Nach Michelfeld wollt Ihr? Immer am Bach entlang. Nicht zu verfehlen", hilft er uns in fränkischem Mundart-Einschlag weiter. An dem sich in zahlreichen Kehren windenden Speckbach führt ein schmaler und kaum erkennbarer Wiesenweg entlang. Nur die Wanderwegmarkierung Rot-Kreuz des Erzweges gibt uns die Sicherheit, noch auf der richtigen Route zu sein.

Wer es einfacher will, fährt bei dem Steglein geradeaus über das Feld weiter und kommt bei der Auerbacher Kläranlage zum Speckbachweg. Der mündet später in die Michelfelder Straße, in die man rechts abbiegt. Von hier aus geht es auf dem ausgeschilderten Radweg zur B 85 und später unter der B 470 durch direkt nach Michelfeld.

Wir bleiben aber auf dem schmalen Wiesenweg im idyllischen Speckbachtal und halten uns an die Wanderwegmarkierung "Rotes Kreuz". Bei Kilometer 5,3 unterqueren wir die B 470, lassen rechts einen weiteren Holzsteg über den Bach unbeachtet, biegen scharf nach links in einen aufwärts führenden Waldweg und verlassen den Talgrund. Bei einer Weggabelung kurz links halten Richtung Bundesstraße. Hier treffen wir bei einer Unterführung auf den von Auerbach her kommenden Radweg und biegen rechts ab.

Abstecher zum Kloster

Schon bald sind die beiden Kirchtürme von Michelfeld in Sicht. Ein Abstecher zur weitläufigen Anlage des ehemaligen Benediktinerklosters gehört zum Pflichtprogramm. Vor der Klosterpforte schenken wir der Plastik der Ursensollener Künstlerin Sabine Mädl "Der heilige Franziskus und der Wolf von Gubio" unsere Aufmerksamkeit.

Wir verlassen den Klosterhof durch das Torhaus und biegen nach rechts in die Auerbacher Straße ein, die bald Hauptstraße heißt. Bei Kilometer 8,7 links ab in die Pfarrer-Müller-Straße, die zur B 85 führt. Wir überqueren die Bundesstraße in Richtung Michelfeld/Am Bahnhof, um dann bei Kilometer 10,3 der Wegweisung zum Wanderparkplatz zu folgen. Es geht über eine kleine Brücke. Danach tauchen wir schon ein in die Pegnitz-auen und folgen der Beschilderung Radweg Nr. 1. Die geschotterte Trasse ist angenehm zu befahren, die Steigungen sind moderat und eine vierköpfige Wanderergruppe, die am Wegesrand rastet, winkt freundlich herüber.

Bei Kilometer 13,5 (Kreuzung) links ab und weiter dem Landkreis-Radweg Nr. 1 folgen. Bald begleitet uns die Bahnlinie von Pegnitz nach Hersbruck. Hier präsentiert sich das 189 Hektar große Naturschutzgebiet "Pegnitzau zwischen Ranna und Michelfeld" von seiner schönsten Seite. Etliche Radlergruppen ziehen an uns vorbei, was zeigt, wie beliebt diese Route ist.

Zu Kammerweihern

Bei Kilometer 16,5 zweigen wir bei einem Info-Punkt über das Naturschutzgebiet rechts ab und folgen den Radwegsymbolen. Wer nach links unter die Bahnbrücke abschwenkt, kann einen Abstecher zu den Kammerweihern unternehmen, wo sich von einer Aussichtskanzel gut das Leben auf und an den weitläufigen Wasserflächen beobachten lässt.

Es geht vorbei an einer kleinen Kapelle mit Gedenkstein an die 1960 aufgelöste Ortschaft Fischstein, und wir tauchen ein in eine wunderschöne stille Wiesenlandschaft mit Weitblick. Bei Kilometer 17,9 rechts halten zum Pegnitz-Radweg. Es geht jetzt entlang des Zaunes der Wasserversorgungsanlage. Bei Kilometer 19 stoßen wir auf eine Straße, in die wir links abbiegen. Hier sind es noch 600 Meter bis zur Ortschaft Mosenberg.

Jetzt immer den Radweg-Symbolen folgen. Am Ortsende Richtung Hammerschrott, wo man bereits die Burg Veldenstein sieht. Es geht über eine Bahnbrücke, bei einer Gaststätte rechts ab und am Ortsende links über zwei alte Steinbrücken über die Pegnitz. An der Hauptstraße nach rechts Richtung Hersbruck/Velden. Auf dem straßenbegleitenden Radweg kommen wir direkt nach Neuhaus, wo wir nach links in die Königsteiner Straße und wenig später links in den Krottenseeweg steuern. Der mündet in einen Geh- und Radweg. Dann folgen wir der Straße Am Wiesengrund und Am Schönbühl (geradeaus). In Krottensee stoßen wir auf die Kreisstraße LAU 18, in die wir kurz links einbiegen. Nach 50 Metern rechts ab in den grob geschotterten Weg Krottenseer Brunnen. Zunächst orientieren wir uns am roten Wegschild Nr. 11. Bei Kilometer 26,8 Weggabelung, hier links ab mit dem Schild "Rabenfels". Beim voll belegten Kletterparkplatz geradeaus weiter. Sportkletterer pilgern hierher, um Herausforderungen wie Weidlwanger Wand, "Flemtalpilz" oder "Geheimaktion bei Michelfeld" zu bewältigen.

Steigung kurz vor Schluss

Nach einem kurzen Anstieg weist ein Schild nach rechts Richtung Hohe Tanne (3 Kilometer). Auf gutem Forstweg mit Auf und Ab durch den Wald kommen wir zum Wanderparkplatz und biegen nach rechts Richtung Gaststätte "Schlupfloch" (Radwege Nr. 3 und 2) ab. Jetzt sehen wir schon unser Ziel: Auerbach. Auf schönem Weg geht es durch eine offene Wiesenlandschaft nach Sand (Kilometer 32,7), am Ortseingang rechts entlang des Spielplatzes. Wir erreichen Welluck und überqueren die B 85, biegen rechts ab Richtung Nitzlbuch.

Am Ortseingang links ab zum Bergbaumuseum und wenig später an der Grenze des Truppenübungsplatzes bei einer markanten Felsformation scharf links ab. Bis zum Ortseingang von Auerbach müssen wir nicht mal mehr treten. Hier schließt sich der Kreis. Doch halt, wir wollen ja noch zum Bergfest. Deshalb zweigen wir nach rechts ab zur Straße Am Bahndamm und stoßen auf den alten Bahnhof, wo wir nach rechts in die Bergstraße einbiegen.

Hier sollte man sich besser von seinem Rad trennen. Denn vor uns türmt sich die gewaltige Steigung von 26 Prozent entlang der 14 Kreuzwegstationen hinauf zur Gottvaterberg-Kirche auf. Kurz vor dem Ziel sind es dann zwar "nur" noch 17 Prozent, aber auch die bewältigt man besser zu Fuß. Gut, dass die alten Linden der Baumallee angenehmen Schatten spenden.

So kann sich der Rad-Wanderer 100 Meter über dem Auerbacher Marktplatz-Niveau freuen auf den prächtigen Fernblick vom Berg, auf die geistige Erbauung beim kirchlichen Dreifaltigkeits-Fest rund um die Salvator-Kapelle und auf eine kräftige Brotzeit auf 550 Meter Seehöhe.

Es ist der Turm der Michelfelder Pfarrkirche, der sich hier so keck hinter Blumenwiesen und der Landwirtschaft von Regens Wagner in die Höhe reckt. Bild: Robert Stammler
Die Salvatorkapelle auf dem Gottvaterberg
Auch an diesem Hus führt die Fahrradtour vorbei.
Ständige Wegbegleiter: Marterln - oder wie hier - Kreuzwegstationen.
Auf kleinen Stegen geht es über die Pegnitz.

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