11.06.2019 - 18:49 Uhr
AuerbachOberpfalz

Haft statt Einweisung: Zweieinhalb Jahre für Auerbacher Gewalttäter

Für einen brutalen Gewaltzug durch die Stadt Auerbach muss ein 26-Jähriger zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Seine dauerhafte Einweisung in die Psychiatrie ziehen die Richter nicht in Betracht.

Zweieinhalb Jahre Haft: So lautet das Urteil der Ersten Strafkammer am Landgericht Amberg für einen 26-Jährigen, der 2018 in Auerbach mehrere Menschen angegriffen und verletzt hatte.
von Autor HWOProfil

Der Gelegenheitsarbeiter, seit knapp einem Jahr in Untersuchungshaft, blieb bis zum Schluss des zweitägigen Prozesses vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg uneinsichtig. Er sah auch keinen Grund des Bedauerns für eine Serie von Straftaten, die sich innerhalb weniger Stunden in seiner Heimatstadt Auerbach ereigneten.

Erst aus der Haft entlassen

Erst einige Monate davor aus dem Gefängnis entlassen, trat der 26-Jährige an einem Wochenende im Juli 2018 eine Art Maßregel-Feldzug durch Auerbach an. Zunächst drosch er zweimal auf einen Kumpel ein, der ihn aus seiner Unterkunft verwiesen hatte. Dann schlug der Arbeiter seine Ex-Freundin vor deren Wohnung nieder. Dazu hatte er sich spezielle Schlaghandschuhe übergestreift. Unmittelbar darauf ging er gegen einen Polizisten vor. Der 60-Jährige wurde in seiner Freizeit angegriffen und ebenfalls malträtiert.

Zum unrühmlichen Finale der Ausschreitungen leistete der festgenommenen Schläger auf der Auerbacher Polizeiwache erheblichen Widerstand. Wer war schuld? Das Resümee aus Sicht des Täters lautete: Immer die anderen.

Ein heuer im März tagendes Schöffengericht hatte das Verfahren abgebrochen und zum Landgericht verwiesen. Begründung: Es bestehe der Verdacht, dass der mutmaßliche Täter an einer Geisteskrankheit leide und deshalb zum Schutz der Öffentlichkeit in die Forensik eingewiesen werden müsse. In die Psychiatrie kommt er nicht. Zwar hatte ein Amberger Nervenfacharzt dem Mann vor einiger Zeit eine paranoide Schizophrenie bescheinigt. Doch davon war nun im Gutachten der Sachverständigen Anna-Christine Wunder-Lippert (Nürnberg) keine Rede. Die Psychiaterin attestierte eine Persönlichkeitsstörung. Damit war klar: Eine solche Befindlichkeit reicht nicht aus, um jemanden in die geschlossene Unterbringung zu schicken.

Überraschungen im Prozess

Was im Prozess folgte, waren mehrere Überraschungen. Staatsanwältin Julia Weigl beantragte wegen der massiven Gewalttaten lediglich zweieinhalb Jahre Haft. "Das war wohl an der untersten Grenze", sagte später die Kammervorsitzende Roswitha Stöber in der Urteilsbegründung. Erstaunlich aber war, dass sich die Richter an dieser Forderung orientierten und sie dann tatsächlich auch bestätigten. Verteidiger Uwe Grabner (Straubing) hatte 20 Monate Haft gefordert.

Höchstrichterliche Rechtsprechung lasse in einem solchen Fall keine Unterbringung zu, ließ Richterin Roswitha Stöber anklingen. Dem für die Entscheidung artig dankenden und dabei lächelnden Angeklagten schrieb sie ins Stammbuch: "Suchen Sie die Schuld jetzt einmal bei sich und nicht immer bei anderen." Vor dem Schöffengericht hatte sich der 26-Jährige im März als Spitzel des Bundesverfassungsschutzes zu erkennen gegeben.

Jetzt, vor dem Landgericht, schwieg er dazu zwar, strickte aber weiter eine geheimnisvolle Aura um seine Person. Zum Beispiel damit, dass er anklingen ließ, er sei in ein besonderes Programm mit einem fortan im Ausland zu verbringenden Leben aufgenommen.

"Wenn der zurückkommt, hat Auerbach Angst", war am ersten Verhandlungstag im Zuhörerraum geäußert worden. Das ergangene Urteil lässt die Befürchtung zu: Der Mann, mehrfach vorbestraft, könnte möglicherweise schon in eineinhalb Jahren wieder dort auftauchen, wo man seiner Anwesenheit mit Argwohn entgegensieht. Denn die erlittene Untersuchungshaft wird angerechnet.

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