06.05.2019 - 14:24 Uhr
AuerbachOberpfalz

Nackt, betrunken und aggressiv

Als die Polizei kommt, tobt der Mann halb nackt durchs Haus und lässt auch noch die Hose fallen. Es folgt eine unruhige Fahrt zum Revier. Vor Gericht glänzt er jetzt durch Abwesenheit.

von Autor HWOProfil

Verteidiger Adam Zurawel (Nürnberg) hatte im Vorfeld Kontakt zu Richterin Sonja Tofolini aufgenommen und dabei offenbar signalisiert, es werde wohl zu einem Geständnis seines Mandanten kommen. Daraufhin lud die Vorsitzende alle Zeugen aus, bis auf einen Polizeibeamten. Diesen Schritt hätte sie besser nicht getan. Denn von Geständnis war keine Rede mehr.

Der Anwalt erschien allein, sein Auftraggeber blieb dem Prozess fern. Stattdessen redete Advokat Zurawel und bezweifelte, ob man denn dem 27-jährigen Polen überhaupt etwas anlasten könne. Denn der sei damals offenbar stark betrunken gewesen und "hätte so etwas in nüchternem Zustand nie getan." Der Jurist riet deshalb zur Verfahrenseinstellung. Doch damit biss er bei Staatsanwältin Barbara Tutsch ebenso auf Granit wie bei der Richterin.

Am 4. Oktober 2017 fuhren vier alarmierte Zivilbeamte der Polizei an einem Auerbacher Wohnhaus vor. Dort trafen sie auf einen jungen Mann, der mit entblößtem Oberkörper herumtobte und angesichts der Ordnungshüter alsbald auch die Hose fallen ließ. Nackt wie er dann war, sollen ihm "Körpergeräusche" entfahren sein, wie ein zur Sache gehörter Beamter jetzt sagte.

Was sich anschließend zutrug, war nicht ganz einfach für die Polizisten. Der schimpfende Pole neigte zum Widerstand, er wurde zu Boden gebracht und gefesselt. Dann bugsierten ihn die Einsatzkräfte in einen Dienstwagen und mussten auch dort zusammenhelfen, um den unter Alkohol stehenden Mann zu bändigen. "Der", sagte ein jetzt vernommener Ordnungshüter, "hatte einen hochroten Kopf und wollte im Auto seine große Notdurft verrichten."

Was sich außerdem im Fahrzeug zutrug, war eine jetzt juristisch interessante Begebenheit. Der 27-Jährige gab mehrfach den Ausdruck "Kurwa" von sich. Ein Wort mit doppelter Bedeutung. Es wird auf Polnisch für "Hure" verwendet, kann aber auch für "Scheiße" hergenommen werden. "Also nicht unbedingt eine Beleidigung", wie Anwalt Zurawel zu verstehen gab. Wichtig: Im Pkw saß auch eine Frau von der Polizei.

Die Richterin reagierte auf das gesamte Verhalten Zurawels verschnupft und ließ anklingen: "Entweder, es gibt hier über den Verteidiger ein Geständnis oder aber eine neue Verhandlung mit allen Beteiligten." Einem daraufhin vom Anwalt gewünschten Rechtsgespräch widersetzte sich Staatsanwältin Tutsch: "Nein, keine Debatte."

So müssen die Geschehnisse um den nackten Mann bei einem neuen Prozesstermin ganz genau geklärt werden. Auch, wie es dazu kam, dass einer der Polizisten danach wegen heftiger Schmerzen dienstunfähg war. "Das alles wird dann richtig Geld kosten", gab die Richterin dem Verteidiger mit auf den Weg.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.