05.11.2019 - 17:50 Uhr
AuerbachOberpfalz

SPD Auerbach feiert ihr 100-Jähriges

Keine deutsche Partei kann auf eine so reiche Historie zurückblicken wie die SPD. In Auerbach besteht sie seit 100 Jahren. Das wird groß gefeiert, selbst wenn die aktuelle Lage der Gesamtpartei nicht rosig ist.

Das Gründungsfoto der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Auerbach aus dem Jahr 1986 mit Helga Ehrl im Vordergrund sowie Armin Nentwig daneben und Helmut Ott im Hintergrund.
von Autor SCKProfil

Die Sulzbach-Rosenberger Zeitung sprach mit dem Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Auerbach, Peter Danninger (50). Er hat dieses Amt seit einem halben Jahr inne und führt die Partei durch die Jubiläumsfeier und die anstehenden Kommunalwahlen.

ONETZ: Herr Danninger, welche örtlichen Ereignisse sind für Sie im Umfeld der Gründung der SPD Auerbach vor 100 Jahren von Bedeutung?

Peter Danninger: Leider wurde das Protokollbuch von 1919 bis 1933 zerstört, so dass hier nur wenige Informationen erhalten sind. 1919 erfolgte die Gründung der SPD Auerbach im Gasthaus Ruder. Gründungsmitglieder waren Kaspar Belz und Adam Kraus. Von den weiteren Männern der ersten Stunde ist nichts mehr bekannt, da keine Unterlagen zur Verfügung stehen.
Der Bergwerkszimmermann Adolf-Wolfgang Schnödt war der Wiedergründer ab 1945 und Parteivorsitzender. Er wurde zum Bürgermeister gewählt, war von 1946 bis 1956 im Amt und verstarb 1959. Unter ihm nahm die SPD Auerbach einen enormen Aufschwung.

Peter Danninger ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Auerbach.

ONETZ: Welche herausragenden Akzente setzte die Auerbacher SPD in ihrer Geschichte?

Peter Danninger: Wenn wir mit den 20er Jahren beginnen: Bei der Gemeindewahl 1920 gewann die SPD eines von elf Mandaten im Stadtrat. Die Partei litt angesichts der Inflation, der Arbeitslosigkeit und der aufkommenden NS-Ideologie, bis sie schließlich 1933 verboten wurde. Die verbliebenen fünf Stadträte kamen in "Schutzhaft" oder ins KZ. Nach dem Krieg begann Adolf-Wolfgang Schnödt mit dem Wiederaufbau der Partei und wurde Bürgermeister. Beim 40-jährigen Jubiläum 1959 erlebte die SPD Auerbach ein Fest mit über 1000 Gästen!

ONETZ: Welche Hochs und Tiefs durchlebte die Auerbacher SPD?

Peter Danninger: Zu den Highlights der jüngeren Geschichte gehört ohne Zweifel das Jahr 1996 mit der Wahl von Helmut Ott zum Bürgermeister, ebenso wie sein Unglück und sein Tod 2010 einen herben Verlust darstellten, der die Auerbacher SPD und mich ganz persönlich traf. Ich möchte in der Erfolgsgeschichte der SPD auch Norbert Gradl hervorheben, der seit 1984 ein ständiger Vertreter der Partei im Stadtrat ist und als dienstältester Stadtrat sowie als Stellvertreter des Bürgermeisters die Stadtpolitik herausragend mitgestaltet. Einfach phänomenal und für mich ein Vorbild.

ONETZ: Warum geht die Auerbacher SPD ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahl?

Peter Danninger: Ja, es stimmt, dass unsere Suche nach einem geeigneten Bürgermeisterkandidaten erfolglos verlief. Diese Kandidatur erfordert zum einen ausreichende Erfahrung in der Kommunalpolitik, und zum anderen befinden wir uns im SPD-Ortsverein in einem gewissen Umbruch. Ich selbst bin ja erst seit einem halben Jahr Vorsitzender, und aktuell binden wir einige junge und engagierte Mitglieder in unsere Arbeit ein.

ONETZ: Bundesweit ist die SPD ja auf einem absteigenden Ast.

Peter Danninger: Man darf aber nicht vergessen, dass die SPD bundesweit immer noch die meisten Mitglieder hat. Sie hat mit der Zustimmung zur großen Koalition Verantwortung übernommen, vor der sich andere aus parteipolitischen Gründen gedrückt hatten. Aus einer oppositionellen Haltung lässt es sich immer leicht agieren. Alles auf die Koalition zu schieben, wäre jedoch zu einfach. Unsere Parteispitze muss wieder den Menschen mehr zuhören und nicht den Lobbyisten, dann wird man auch wieder als Partei geschätzt. Es geht wie immer um die Glaubwürdigkeit. Diese Aufgabe kommt nun auf den neuen Parteivorstand zu.

Partei-Senior Alfred Melchner ist auch Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Auerbach.
Zeitzeugen:

3. Bürgermeister Norbert Gradl durchlebte in den 40 Jahren seiner Parteizugehörigkeit Höhen und Tiefen. „Unser größter Erfolg war sicherlich die Wahl von Helmut Ott zum Bürgermeister und der damit verbundene Politikwechsel. Damit wurde die Basis für die sehr positive Entwicklung unserer Heimatstadt gelegt. Zur Politik gehören aber auch Rückschläge, mit denen man umgehen muss, etwa die Wahlniederlagen von 1990 und 2008."

Auf Erzählungen an die Anfänge der Auerbacher SPD kann Partei-Senior Alfred Melchner zurückgreifen: wie die SPD von den Nazis verboten wurde. Drei Auerbacher Sozialdemokraten wurden laut Melchner sogar ins Konzentrationslager geschickt.

Bewusst erlebte Melchner die Nachkriegszeit mit der Neugründung der SPD des Landkreises in Pressath. Die Auerbacher Teilnehmer gewannen für die örtliche Partei wieder viele Mitglieder bei den Arbeitern des Bergwerks und der Bulag. Melchner erinnert sich an Bürgermeister Schnödt. Wie im gut erhaltenen Protokollbuch der SPD-Wiedergründung im Altlandkreis Eschenbach im Jahr 1945 festgehalten ist, wurde Schnödt stellvertretender Vorsitzender der Landkreis-SPD.

Unter den Ortsvorsitzenden erinnert Melchner an Karl Ficker und Max Belz, die das Amt vor ihm innehatten, sowie vor allem an Helmut Ott und Günter Sertl, die folgten.

3. Bürgermeister Norbert Gradl ist seit 1984 für die SPD im Stadtrat.
Festprogramm:

Die Jubiläumsfeier der Auerbacher SPD zum 100-jährigen Bestehen des Ortsvereins steigt am Samstag, 9. November, ab 19 Uhr im Foyer der Helmut-Ott-Halle. Unter den mehr als 100 Ehrengästen werden auch (als Festredner) der Generalsekretär der Bayern-SPD, Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch, und Europaparlamentarier Ismail Ertug sein. Grußworte sprechen der Kreisvorsitzende Uwe Bergmann und der Auerbacher Bürgermeister Joachim Neuß. Die Ehrung langjähriger Mitglieder und die Begrüßung von Neumitgliedern steht ebenfalls auf dem Programm. Bereits um 16 Uhr findet eine Kranzniederlegung im Friedhof für die mutigen Genossen der Vergangenheit statt.

Helga Ehrl, die Gründungsvorsitzende der AsF Auerbach, war neun Jahre lang Stadt- und Kreisrätin.
Frauen in der SPD:

Brigitte Bradl, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), betont die sozialdemokratischen Grundprinzipien Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Auf deren Basis habe die SPD eine Zukunft. AsF und SPD Auerbach freuen sich, dass sie Neu-Mitglieder gewinnen konnten, die sich bei der Kommunalwahl einbringen wollen.

Die AsF-Gründungsvorsitzende Helga Ehrl erinnert sich an die Einladung zu einem Treffen der Ehefrauen der SPD-Männer. Ausgesprochen hatten sie der Landtagsabgeordnete Armin Nentwig und Helmut Ott, damals SPD-Fraktionssprecher im Stadtrat. Das Treffen war der Anstoß zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in Auerbach am 25. September 1986. Helga Ehrl wurde zur Vorsitzenden gewählt. Bei den nächsten Kommunalwahlen gelang ihr der Einzug in den Stadtrat. Sie war bis zu ihrer Erkrankung neun Jahre Stadt- und Kreisrätin. 30 Jahre lang blieb sie AsF-Vorsitzende und sah es als eine ihrer Hauptaufgaben an, Frauen für politische Aktivitäten und das kommunale Ehrenamt zu motivieren. (sck)

Brigitte Bradl, stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins.
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