18.06.2021 - 11:39 Uhr
AuerbachOberpfalz

Wiesen sind ein Lebensraum und sollten möglichst lange stehen bleiben

Der Bund Naturschutz freut sich über die Rücksicht der Stadt Auerbach bei der Mahd ihrer Anlagen.

Der himbeerfarbene Rotklee (auch:Wiesenklee) und Margeriten (weiß blühend) in der städtischen Grünanlage vor Auerbach.
von Externer BeitragProfil

Nach den reichlichen Regenfällen im Frühjahr haben sich die Wiesen heuer besonders farbenfroh entfaltet, stellt die Bund-Naturschutz-Ortsgruppe Auerbach in einer Pressemitteilung fest. Erfreut äußert sich die Vorsitzende Gertrud Burger darüber, dass die städtischen Grünflächen erst ab Mitte Juni gemäht werden: "Dieser Beitrag der Stadt ist sehr wertvoll im Hinblick auf die Artenvielfalt." Nur Flächen an Spielplätzen oder an Wegen würden früher gemäht.

Einerseits hat die Stadt Auerbach zusätzlich Frühlingsblumen in ihren Grünflächen gepflanzt; andererseits haben heimische, natürlich vorkommende Pflanzen durch eine späte Mahd die Möglichkeit zur Blüte zu kommen. "Die feuchten Wiesen in Auerbach sind sehr artenreich. Wenn die Wiese nur selten gemäht wird, sind die Umstände gut, dass sich heimische Arten wieder ausbreiten können und erhalten bleiben", vermerkt die Presse-Information.

Während landwirtschaftlich intensiv bewirtschaftetes Grünland schon den ersten Schnitt hinter sich hat, bleibt bestäubenden Insekten auf den städtischen Grünflächen dank der späten Mahd der Lebensraum erhalten. Wiesenblumen wechseln sich in der Blüte übers Jahr hinweg ab. Der Löwenzahn ist meist schon verblüht. Pflanzen wie Klee, Margeriten oder Glockenblumen blühen jetzt. Sie sind im Juni wichtige Nahrungsquellen für Insekten und indirekt für die Vögel.

Der Schwund an Insekten ist schon länger zu beobachten. Und wenn Insekten weniger werden, bedroht das die Existenz der Insektenfresser. Neben den Vögeln sind das Fledermäuse, Amphibien und Reptilien. Aber auch Fische sind betroffen, sobald es in ihren Gewässern weniger Insektenlarven gibt.

Weil sich Pflanzen im Wesentlichen über Samen ausbreiten, ist es ratsam, die Wiesen über die Blütezeit hinaus stehen zu lassen. In den Wochen nach der Blüte reifen die Samen der Blumen. Wenn sie trocken sind, werden sie zum Beispiel über den Wind in die Umgebung getragen.

Noch nicht in der Blüte und besonders empfindlich ist das seltene Breitblättrige Knabenkraut. Es hält sich in Auerbach zwischen hohem Gras auf einer Feuchtwiese in der Grünanlage versteckt. Diese Orchideenart siedelt sich nur dort an, wo sie einen bestimmten Pilz im Boden zur Unterstützung ihres Wachstums vorfindet.

Weil das Breitblättrige Knabenkraut besondere Ansprüche hat, sollten seine Standorte erst im Herbst gemäht werden. Zum Beispiel braucht es über die Samenbildung hinaus den Welkeprozess seiner Blätter zum Überleben. Denn über diese Strategie holt es wichtige Spurenelemente in seine Knolle zurück und bildet daraus im Boden neue Knollen fürs nächste Jahr. Gertrud Burger hat ein Auge auf die Wiese mit den Knabenkräutern. Nach Absprache mit dem Stadtbauhof wird dort erst im Herbst gemäht.

Das Fazit der Naturschützerin: "Wiesen sollten also möglichst lange stehen dürfen, denn ihre Blumen blühen nicht alle gleichzeitig, sondern übers Jahr verteilt. Sie sollen zur Blüte und Samenbildung kommen können. Zur Ausbreitung sind Trockenheit und Wind günstig. Außerdem brauchen Insekten die Blumen nicht nur als Nahrungsquelle, sondern die Wiese ist ein ganzjähriger Lebensraum."

Naturschützer kommen dem Lockdown zuvor

Auerbach
Der himbeerfarbene Rotklee (auch:Wiesenklee) und Margeriten (weiß blühend) in der städtischen Grünanlage vor Auerbach.
Eine Glockenblume auf der Wiese am Stadtweiher.

 

 

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