Von Julian Trager
Im Juli geht's wieder los, sagt Sabrina Feige. Dann startet erneut ein Freiwilligenprogramm bei ZF Auerbach. Bis in den August hinein könnten sich dann Mitarbeiter melden, wenn sie den Konzern freiwillig verlassen wollen. Laut Feige, der Zweiten Bevollmächtigten der IG Metall Amberg, geht es um rund 100 weitere Jobs, die zusätzlich zum bereits im vergangenen Jahr angekündigten Stellenabbau am ZF-Standort in Auerbach gestrichen werden sollen. "Es geht dabei aber nicht direkt um die Produktionsbeschäftigten, sondern um Entwicklungsjobs", sagt die Gewerkschafterin. Der Jobabbau solle noch in diesem Jahr umgesetzt werden.
Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt eine ZF-Sprecherin, dass am „Gesamtstandort“ Auerbach zusätzlich 100 Stellen auf der Streichliste stehen. „Der Stellenabbau erfolgt so weit als möglich sozialverträglich über ein Abfindungsprogramm, ergänzt durch Qualifizierungs- und Transfermaßnahmen“, heißt es weiter.
Das zum Auerbacher Standort gehörende Entwicklungsbüro Regensburg wird laut Gewerkschafterin Feige komplett aufgelöst. 40 bis 50 Mitarbeiter seien davon betroffen. "Die Kollegen dort bekommen auch ein Angebot für Aufhebungsverträge, und es gibt auch die Möglichkeit zum Wechsel nach Auerbach", sagt Feige. "Die Kollegen müssen sich das nun überlegen, weil von Regensburg nach Auerbach ist es ja schon eine Strecke." Die Konzernsprecherin ging auf Fragen von Oberpfalz-Medien dazu nicht ein.
Ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt, könne man derzeit noch nicht sagen, erklärt Feige. Aktuell gebe es noch die Hoffnung, genügend Freiwillige zu finden, um das zu verhindern. "Es ist also nicht gesagt, dass es nicht doch noch dazu kommt", sagt die Gewerkschafterin der IG Metall. "Betriebsbedingte Kündigungen möchten wir nach Möglichkeit vermeiden", erklärt die Sprecherin.
"Stimmung nicht gut"
Sabrina Feige könne sich schon vorstellen, dass sich Leute finden werden, die sich freiwillig melden. "Der ein oder andere merkt, dass es jetzt enger wird", sagt sie und betont, dass darunter wohl auch viele sein würden, die "gerne bei ZF bleiben würden", die aber dann vielleicht lieber freiwillig mit einem Aufhebungsvertrag gehen als fremdbestimmt mit einer betriebsbedingten Kündigung.
Die Stimmung in der Belegschaft sei deswegen freilich "angespannt und nicht gut", sagt Feige. "Die frohe Botschaft, dass es in Auerbach mit der Fertigung des Inverters weitergeht, ist damit natürlich total eingetrübt."
ZF hatte vor gut fünf Wochen bekannt gegeben, dass der Konzern weiterhin Elektromotoren und Inverter selbst fertigen wird – obwohl es im vergangenen Jahr bereits anders entschieden worden war. Unter anderem wegen Protesten der Mitarbeiter – auch in Auerbach gab es eine große Aktion – wurde diese damalige Entscheidung überdacht. Monatelang wurde deswegen verhandelt. Hätte der tief in der Krise steckende Autozulieferer die Produktion des Inverters – ein zentrales Bauteil des E-Antriebs – eingestellt und tatsächlich entschieden, ihn extern zuzukaufen, wäre das ein harter Schlag für den ZF-Standort Auerbach gewesen. Dort werden unter anderem die „Gehirne“ der Elektroantriebe – die Leistungselektronik – entwickelt. Dafür ist der Inverter die wesentliche Komponente. Etwa die Hälfte der rund 1500 Mitarbeiter vor Ort sei laut IG Metall Amberg, grob geschätzt, mit diesem Produkt beschäftigt.
Der Preis dafür, dass ZF den Inverter nun weiter intern produziert, sei der weitere Stellenabbau gewesen, betont Sabrina Feige. Ohne diesen Kompromiss hätte es für Auerbach viel, viel schlimmer ausgehen können, der ganze Standort wäre in Gefahr gewesen.
Zwischenschritt für Auerbach
ZF ist einer der weltweit größten Automobilzulieferer, steckt aber seit Längerem in der Krise und hat Schulden in Höhe von rund zehn Milliarden Euro. Bis zu 14.000 Stellen sollen gestrichen werden, Tausende Jobs sind schon weggefallen. Die Restrukturierung betrifft vor allem die Division E, die neben elektrischen und hybriden Antrieben auch Verbrenner entwickelt und herstellt. Der Auerbach Standort ist Teil dieser Sparte. Bereits im vergangenen Sommer hatte die Unternehmensführung angekündigt, bis zu 200 Stellen in Auerbach und den umliegenden Büros abzubauen.
Für ZF Auerbach sei die jüngste Entwicklung ein Zwischenschritt, sagt Sabrina Feige. "Jetzt gilt es weitere Schritte zu gehen." Man müsse nun neue Aufträge generieren, neue Kunden gewinnen, das Produkt weiterentwickeln. Letzteres allerdings ohne rund 100 Mitarbeiter aus dem Entwicklungsbereich.



















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