13.06.2019 - 17:29 Uhr
Oberpfalz

Axel T. Schmidt stellt in Bernhardswald aus

In der Adlmannsteiner Kunstpartner-Galerie stellt der Weidener Axel T. Schmidt mit fünf Kollegen horizonterweiternde Arbeiten aus. Schmidt verwandelt den alten Eiskeller in einen magischen Ort.

Axel T. Schmidt vor seiner Arbeit "Vodnik" im Eiskeller der Kunstpartner-Galerie in Bernhardswald.
von Autor MSRProfil

"Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann." Der Aphorismus wird zuweilen genutzt, um anzuzeigen wie flexibel, offen und frei man im Kopf ist. Man schaut hinter die Dinge, stellt infrage, guckt über den Tellerrand hinaus und hinter den Horizont. Das schnippische Zitat geht auf den französischen Schriftsteller Francis Picabia zurück, ein undogmatischer Künstler, der vor mehr als 100 Jahren den Dadaismus mit an- und den Horizont verschob.

"Hinterm Horizont" ist die aktuelle Ausstellung in der Kunstpartner-Galerie im Vorwaldort Adlmannstein (Gemeinde Bernhardswald, Kreis Regensburg) überschrieben. Sechs Kunstschaffende sind vertreten, deren Grafiken, Plastiken, Malerei und Installationen einen Bezug zum Thema aufweisen. Wilma Rapf-Karikari, die mit Ingo Kübler die Galerie betreibt, stellte bei der Eröffnung die nicht immer offensichtlichen Verbindungen feinfühlig heraus. Beinahe mystisch wirkt das übermannsgroße, grünschimmernde Leuchtbild "Vodnik" des Weidener Glas- und Objektkünstlers Axel T. Schmidt. Es verwandelt den alten, feuchtkühlen Eiskeller des Anwesens in ein magisches Zeremoniengewölbe. Der Blick hinter den Horizont scheint gestoppt, Anbetung gefragt, doch das ist ein Trugschluss. Zwei weitere Arbeiten Schmidts im vorderen Galerieraum halten in pittoresk verführerischer Weise schmelzende Eisblöcke fotografisch fest, in die sich durch Kanäle verschiedenfarbiges heißes Wachs frisst. "Hinterm Horizont" lässt das ökologische Desaster, beschönigend Klimawandel genannt, unserer gnadenlos schlaraffigen Lebensweise mit verschwindenden Gletschern und abschmelzenden Polen grüßen.

Zwei Monde, die tanzen

Eine starke Wirkung entfaltet auch Margot Lufs Bronze "Side by Side", die im Garten vor der Galerie die Blicke magisch anzieht. Sind es zwei sichelförmige Monde, die im Tanz zu einer Einheit verschmelzen? Die lächelnden Formen, die so großartig mit der Umgebung korrespondieren, geben ihr letztes Geheimnis nicht preis. Mit weiteren poetisch-verspielten, organischen Flugformen und Blüten in der Galerie zielt die Münchener Künstlerin auf "das unfassbare Berührtsein", wie Rapf-Karikari aus einem Katalogbeitrag zitiert. Formal steht Luf mit ihren von der Natur inspirierten Formen in einer Tradition mit Künstlern wie Hans Arp und Juan Miró.

Ganz anders die Farbholzschnitte von Kurt Sennebogen aus Straubing. Der 67-jährige Künstler, einst Lederschneider, kam gehörlos auf die Welt und lernte nie zu sprechen. "Was können wir von einem Menschen erfahren, mit dem wir uns nicht unterhalten können", wandte sich Rapf-Karikari bei der gut besuchten Eröffnung fragend an die Besucher. Sennebogens serielles Hündchen, verschiedenfarbig gedruckt, gibt eine einfache Antwort - es blickt den Betrachter treuherzig an. Inklusive Kunst, der jedes nicht-ästhetische Etikett fremd ist.

Sind Sennebogens Holzschnitte thematisch und in der Ausführung eher traditionell, dabei eigenständig in der Gestaltung, geben Ekkehard Kapplers stark reduzierte und abstrahierte Messerarbeiten in Holz Rätsel auf. Eine durch Ausschläge unterbrochene waagrechte Linie durchzieht als "Ferner Ort" einen rot gehaltenen Druck. Der Horizont als abstrakte Idee, eingetaucht in ein blutrotes Farbmeer. In zwei weiteren Holzschnitten kehrt das Meer zu seiner Ursprungsfarbe zurück. Unklar bleibt, wo es herkommt oder endet. Ebenfalls monochrom, diesmal in sattem dunklen Gelb, eine Miniserie von drei Bildern mit den Umrissen spielzeugartiger Häuschen und Kirchen: "Auf der Suche nach der heilen Welt IV, III und II". Resignativer Spott auf gesellschaftliche und individuelle Tendenzen oder nüchterner Kommentar?

Unwirkliche Figuren

Etwas Geheimnisvolles umgibt auch die Wesen, die sich in vier hochformatigen Bildern Rose Karrer-Bäuerles auf unruhigem, grauweißem Hintergrund tummeln. Die Lappersdorferin hat die unbetitelten Arbeiten mit diversen Materialien, wie Flusssand aus dem Regen, und dickbatziger Farbe als Collagen gestaltet. Wie Schemen oder Schattenfiguren entwischen diese unwirklichen Figuren jedem schnellen Zugriff - und erzeugen dadurch eine starke emotionale Sogwirkung.

Mit hinein spielt das Reisen, zwischen verschiedenen Dimensionen, welches bei Renate Christins Bildern mit ihren Kulturreisen im Donauraum eine ganz handfeste Bedeutung hat. Ihre Gemälde sind Zeugnis und abstrahierte Imitation dieser aktiven Aneignung europäischer Identität. Damit blickt sie im Wortsinn über den Tellerrand der Oberpfalz, Ostbayerns und weiterer geistiger, wie emotionaler Beschränkungen hinaus - und lässt die Betrachter mittels ihrer expressiven Bildwelten teilhaben. Ein Angebot, das sich lohnt.

Service:

Ausstellung bis 30. Juni

Öffnungszeiten: Sonntag von 14 bis 17 Uhr, nach Vereinbarung

Ort: Kunstpartner-Galerie; Altenthanner Str. 1, 93170 Adlmannstein

Kontakt: 0175/3609109

Am Samstag, 22. Juni (19.30 Uhr), spielen Claudia Steil und Stefan Frenster (Klavier und Gesang) Interpretationen von Liebesliedern zu einem Essen. Anmeldung erbeten.

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