24.07.2020 - 16:54 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Geschlossenes Hotel verärgert Sibyllenbad-Fans

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Angelika Dichl hat sich ins Stiftland verliebt. Das Appartement-Hotel am Sibyllenbad enttäuscht diese Liebe derzeit aber. Und bekanntlich führt enttäuschte Liebe zu heftigen Reaktionen.

Das Appartement-Hotel beim Sibyllenbad bleibt bis Ende des Jahres geschlossen. Das stößt nicht bei allen Gästen auf Verständnis.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Corona-bedingt bleibt das Appartement-Hotel beim Sibyllenbad bis Jahresende geschlossen. Für Angelika Dichl heißt das: 20 Tage Kur- und Wellnessurlaub fallen flach. Laut Plan wollte die 56-Jährige an der tschechischen Grenze entspannen. Das hat sich nun erledigt, die Frau aus dem hessischen Kreis Limburg-Weilburg will die Absage dennoch nicht akzeptieren.

Am schönsten: Keine Windkraft

Als sie das Sibyllenbad vor etwa fünf Jahren entdeckt hat, habe sie sich verliebt: das Bad, die Landschaft, die Ruhe. Am besten gefalle ihr, dass kaum Windräder stören. Bei ihr zu Hause sei das anders.

Jedes Jahr war Dichl deshalb in Bad Neualbenreuth, immer gehörte das Appartement-Hotel zum Paket. Denn von dort könne sie das Bad trotz Gehbehinderung leicht erreichen.

Da dies nun aus ihrer Sicht nicht mehr möglich ist, komme derzeit ein Urlaub in Bad Neualbenreuth nicht in Frage. Weil die restliche Gastronomie immer weiter hoch fährt, verstehe sie nicht, weshalb die kommunale Kewog das Haus bis Jahresende geschlossen hält.

Urlaub vor Gesundheit?

Kewog-Chef Bernd Büsching versteht dagegen nicht, dass Menschen ihren Urlaub über die Gesundheit stellen. So empfinde er die Haltung, die ihm seit der Schließung auf offizielle Anordnung hin immer wieder begegnet.

Zum Jahresanfang hatte die Kewog mit dem Appartement-Hotel noch große Pläne

Bad Neualbenreuth

Rückendeckung erhalte er von den Kommunalpolitikern im Aufsichtsrat. "Wir waren hier ein Hotspot, hier sind viele Menschen gestorben." Darüber sei man sich bewusst. "Vielleicht ist das nur schwer nachzuvollziehen, wenn man in einer Region lebt, die weniger stark betroffen war."

Wir können die Vorgaben des Gesundheitsamtes kaum erfüllen.

Kewog-Chef Bernd Büsching

Kewog-Chef Bernd Büsching

Er selbst sei sich der Gefahr bewusst: "Corona ist nicht vorbei." Sollte es eine zweite Welle geben, sind die Voraussetzungen im Hotel schlecht: "Unsere Gäste sind in der Regel über 65 und zählen zur Risikogruppe." In der Einrichtung mit Teppichen und älteren Möbeln seien Hygieneauflagen schwer einzuhalten. "Wir können die Vorgaben des Gesundheitsamtes kaum erfüllen." Spätestens wenn Fälle aufs Sibyllenbad zurückfallen würden, stelle sich die Haftungsfrage.

150.000 Euro Verlust

Zudem gebe es ökonomische Argumente: "Für August hatten wir kaum fünf Reservierungen." Das sei zu wenig, um wirtschaftlich zu arbeiten. "Wir machen wegen Corona mit dem Hotel ohnehin 150.000 Euro Jahresverlust." Die Öffnung hätte das Defizit vergrößert. Die Kewog sei nicht auf den Umsatz des Appartement-Hotels angewiesen, könne diese Abwägung deshalb treffen.

Dass das nicht allen einleuchtet, hat Büsching bemerkt. "Auch wir führen Diskussionen." Manch Eigentümer habe Anrecht auf Eigennutzung. "Da fehlt nun manchmal das Verständnis, weshalb es das Zimmer in diesem Jahr nicht gibt." Und dass die Einschränkung zum Jahresende vorbei ist, ist dabei noch nicht gesagt. "Niemand weiß, wie es weitergeht, wir können nur auf Sicht fahren."

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