01.11.2020 - 11:43 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Soldatengräberpflege in Bad Neualbenreuth künftig Aufgabe der Gemeinde

Mit zwei zentralen Themen befasste sich der Vorstand der Reservisten- und Soldatenkameradschaft (RSK) Neualbenreuth. Fast abgeschlossen ist die Restaurierung wertvoller Traditionsstücken. Nicht weitergeführt wird die Pflege zweier Gräber.

Werner Plonner, Zweiter Vorsitzender der RSK Neualbenreuth, zeigt die restaurierten Ordensbändern der Gründungsvereine von 1882/83.
von Externer BeitragProfil

Die Vorstandsmitglieder der RSK Neualbenreuth trafen sich kürzlich zu einer Sitzung, wie Vorsitzender Meinhard Köstler mitteilte. Dabei standen zwei zentrale Themen im Mittelpunkt. Schon in der Jahreshauptversammlung im Januar war beschlossen worden, die Ordenerinnerungsbänder der beiden Gründungsvereine restaurieren zu lassen. "Die Originalstickereien, die besonders wertvollen geflochtenen Silberborten und die Hälfte des ursprünglichen Samtstoffes konnten gerettet werden", informiert Köstler. 21 Orden seien in den vergangenen 110 Jahren verloren gegangen. Für die verbliebenen 55 Auszeichnungen hätten alle Originalordensbänder historisch korrekt ergänzt werden können. 13 Orden erinnern an die Schlacht von Königgrätz 1866, 17 an den Krieg 1870/71 gegen Frankreich. Besonders wertvoll seien einige vom bayerischen König Ludwig verliehene Verdienstorden und sieben als sogenannte "Zitronenorden" vergebene Gedenkstücke in Erinnerung an den 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I.

Zahlreiche Themen standen bei der Jahresversammlung der RSK im Februar auf der Agenda

Bad Neualbenreuth

"Ein Stück Heimatgeschichte"

Von den 55 verbliebenen "Armeedenkzeichen" sei laut Köstner leider nur noch für das Exemplar des Ottengrüner Weltkriegsveteranen Josef Schenkl ("Buchara Seppl") eine Verleihungsurkunde in Vereinsbesitz. Darin heißt es wörtlich: "Dem Landwehrmann vom ehem. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 6, 6. Korps Joseph Schenkl wurde am 14. April 1920 das Militär-Verdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern verliehen. - Großkanzleramt des Bayer. Militär-Verdienstordens" Diese Militärauszeichnung hatte König Ludwig II. 1866 für die Angehörigen seiner bayerischen Armee gestiftet. "Durch die Restaurierung der Bänder ist nicht nur wertvolles Vereinseigentum erhalten worden, sondern auch ein Stück Heimatgeschichte. Sie verdienen einen würdigen und wegen ihres Wertes sicheren Platz inmitten der Bevölkerung", betont Köstler im Namen des Vorstands.

Auch die zweite Gründungsfahne ("Soldatenbund Neualbenreuth 1883") mit in Bayern kaum mehr anzutreffenden Kartonschnittstickereien in Gold sei einer Spezialfirma in Schierling zur Restaurierung anvertraut worden. "Wenn diese Sanierungsaktion abgeschlossen ist, hat unser Verein bisher etwa 15 000 Euro für diese kostbaren Stücke mobilisiert", so Köstler. "Für die Restaurierung der dritten 1965er Fahne brauchen wir aber einen sicheren Finanzierungsplan. Das kann unsere Kasse nicht mehr stemmen."

Nach dem Auslaufen einer Vereinbarung Ende 2019 habe die RSK Neualbenreuth einstimmig beschlossen, die bisherige, ehrenamtlich und auf eigene Kosten durchgeführte Pflege der beiden Soldatengräber auf dem hiesigen Friedhof an die Gemeinde zurückgeben. Meinhard Köstler erinnert an den Hintergrund: Die jungen Studentensoldaten "Laakso" und "Kettner" waren noch vor Kriegsende 1945 in die Lungenheilanstalt Querenbach eingeliefert worden, wo sie im Sommer 1946 starben. Wegen der Zugehörigkeit Querenbachs zur Pfarrei Neualbenreuth fanden die Toten hier ihre letzte Ruhe.

Finanziell nicht zu stemmen

Während nach dem Kriegsgräbergesetz 1953 sämtliche noch irgendwo in der Flur notdürftig verscharrte Gefallene - etwa an der Sandgrube am Grenzlandturm, im Tannesbühl und beim Beckerhof - in den neuen Soldatenfriedhof Hofkirchen überführt werden mussten, blieben die beiden Gräber bestehen. Zur nötigen Erneuerung der Grabsteine sehe sich der Verein finanziell nicht in der Lage, so Köstler. Der Volksbund Bezirksverband Oberpfalz habe darauf hingewiesen, dass die beiden Soldaten in Neualbenreuth immerwährendes Ruherecht hätten und ihre Grabstätten nicht aufgelassen werden dürften.

Zugesagt hat die Vorstandsriege der RSK der Gemeinde, die Feierlichkeiten zum diesjährigen Volkstrauertag, die ohne Kirchenzug und Blaskapelle stattfinden, mit einer Fahnenabordnung mitzugestalten. Über die für 2021 eigentlich geplanten Veranstaltungen und Aktionen wie die Jahresversammlung, das Kameradschaftsessen, das Wanderpokalschießen, einen Busausflug und die Ausstellung "Vereins- und Heimatgeschichte 1845 - 1925" werde im Januar nach Beurteilung der Corona-Situation neu entschieden.

Im Blickpunkt:

Spende per Überweisung

Die sonst übliche Kriegsgräber-Haussammlung musste die RSK Neualbenreuth heuer wegen der Corona-Bestimmungen ausfallen lassen. Spenden können aber direkt auf das Konto des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Regensburg eingezahlt werden. Bankverbindung: Sparkasse Regensburg, IBAN DE 79750500000000000810, BIC: BYLADEM1RBG.

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