10.02.2020 - 13:06 Uhr
Bad NeualbenreuthOberpfalz

Vereinsfahnen und Archiv sind jetzt Chefsache

Die Reservisten- und Soldatenkameradschaft (RSK) Neualbenreuth spulte ein volles Programm mit teils brisanter Tagesordnung ab. Wie ein roter Faden zog sich der Begriff „Tradition“ durch die zweieinhalb Stunden der Jahreshauptversammlung.

Gemeinsam mit dem BSB-Kreisvorsitzenden Ferdinand Lienerth (links) und Bürgermeister Meyer (rechts) die Geehrten vor der dritten Vereinsfahne von 1965, die renoviert und in einer kleinen Feier im Sommer geweiht werden soll.
von Externer BeitragProfil

"Als ältester Verein dieser Art in der Gemeinde fühle man sich zwar satzungsgemäß mit der Durchführung der Kriegsgräbersammlung, der Pflege der Kriegerdenkmäler und Soldatengräber sowie der Erhaltung wertvollen Archivgutes der Vergangenheit verpflichtet", heißt es in der Pressemitteilung über das Treffen im Gasthaus Tillenblick. "Aber mit dem jährlichen Pokalschießen, der Vereinsfahrt und einer historischen Ausstellung über 80 Jahre Gemeindegeschichte soll der Blick auch auf die Gegenwart gerichtet bleiben."

Schriftführer Gregor Köstler und Kassier Willi Maier hielten inhaltlich und finanziell Rückblick auf das Vereinsjahr 2019. Maier stellte solide Vereinsfinanzen vor und bedankte sich bei den Spanferkelspendern Gerhard Grillmeier und Josef Ernstberger sowie bei der Raiffeisenbank für den Anteil an der Ausschüttung beim Gewinnsparen. Die Kassenrevisoren Helmut Dimmling und Franz Becker bescheinigten dem Kassier und dem Vorstand korrekte Arbeit.

Über 30 500 Euro seit 1984

Vorsitzender Meinhard Köstler ging auf die Kriegsgräbersammlung 2019 ein, bei der 909,60 Euro eingenommen wurden. Dabei fand Köstler ein großes Lob für die Einwohner der Altgemeinden Ottengrün und Neualbenreuth. Diese hätten während Köstlers Amtszeit seit 1984 insgesamt 30 505,39 Euro gespendet. "Das zeigt, welch hohen Stellenwert die Kriegsgräbersammlung in der Bevölkerung hat."

Bezüglich der Pflege zweier Soldatengräber im Neualbenreuther Friedhof werde die Verlängerung der Pflegezusage gegenüber der Gemeinde ab 2020 von der Reparaturbedürftigkeit der Grabstellen abhängig gemacht. Köstler dankte Agnes Schöner, die seit Jahren ehrenamtlich zuverlässig das Grab des Jungsoldaten Kettner pflegt.

Echte Bildungsfahrten

Reservistensprecher Kursawe ging auf die Busfahrt nach Augsburg ein. Diese Busfahrten, so der Sprecher, seien inzwischen echte Bildungsfahrten. Am 16. Mai ist laut Kursawe Dresden das Ziel. Vorsitzender Köstler überreichte dem Reservistenvertreter für seine hervorragende Vereinsarbeit ein Buchgeschenk. Im Verlauf des Treffens wurde in einem Terminausblick auf das Wanderpokalschießen mit der Soldatenkameradschaft Wernersreuth in Ottengrün am 21. und 22. Februar hingewiesen. Zwei wichtige Tagesordnungspunkte nahmen bei dem Treffen breiten Raum ein. Es ging um das zukünftige Schicksal der drei Vereinsfahnen und die Aufbewahrung des Archivmaterials des Vereins. Beide Probleme hatte der Vorstand Ende November 2019 ausführlich diskutiert und für die Jahreshauptversammlung vorbereitet. Köstler hatte hierzu alle drei Vereinsfahnen mitgebracht.

Beide Gründungsfahnen "Krieger- und Soldatenverein 1882" und "Kriegerbund Neualbenreuth 1883" waren vor Jahren für 13 500 Euro restauriert worden. Seitdem sei die RSK auf der Suche nach einem geeigneten Aufbewahrungsort. Köstler stellte allerdings resignierend fest: "Es macht keinen Sinn, diese einmaligen Traditionsstücke teuer restaurieren zu lassen, um sie nachher im stillen Kämmerlein zu verstecken, wo sie dem Blick und Bewusstsein der Öffentlichkeit entzogen sind."

Nicht mehr daheim

Dem jeweiligen Vorsitzenden könne, wie dies Köstler 35 Jahre lang gemacht habe, auch nicht zugemutet werden, solche kostbaren Objekte gemeinsam mit dem gesamten Archivgut des Vereins daheim auf eigenes Risiko aufzubewahren. "Verein und Gemeinde müssen diese Probleme gemeinsam zur Chefsache machen." Es sei eine, laut Mitteilung, "allseits tragbare Lösung" nötig.

Vorsitzender Köstler schlug in diesem Zusammenhang den Sengerhof vor, noch besser wäre eine Art Vereinsheim, etwa das alte Raiffeisen-Gebäude am Dorfteich. "Hier könnte alles wertvolle Archivmaterial unabhängig von jeweiligen Führungswechseln sicher untergebracht werden", heißt es in der Mitteilung. Auch eine Dauerpräsentation wäre denkbar. "Auf diese Weise würde die öffentliche Wertschätzung für unsere Traditionsvereine sichtbar gemacht", meinte Köstler.

Ausstellung in zweiter Jahreshälfte

Bürgermeister Meyer mochte hier nichts versprechen. Er schlug Kontakte mit den Verantwortlichen des Sengerhofes vor und verwies auf die Kartellsversammlung im Herbst. Die Versammlung fasste dann drei Grundsatzbeschlüsse: Die jüngste Fahne von 1965 solle ebenfalls renoviert werden. Sie sei mit dem Motiv des Deckengemäldes aus der Pfarrkirche über das Ende des Fraischvertrags ein Paradebeispiel für die gemeinsame Vergangenheit von Verein, Gemeinde und Pfarrei.

Außerdem sollen die Fahnen und die Orden-Erinnerungsbänder mit, wie es heißt, "weiteren geschichtlichen Besonderheiten" in einer Ausstellung in der zweiten Jahreshälfte öffentlich präsentiert werden. Vorstand und Gemeindeverwaltung sollen außerdem "eine Bleibe für diese wertvollen Hinterlassenschaften" suchen.

Infobox:

Auszeichnungen für und engagierte Mitglieder

(exb) Im Verlauf der Versammlung der Reservisten- und Soldatenkameradschaft (RSK) Neualbenreuth sind auch langjährige Mitglieder ausgezeichnet worden. Die Ehrungen nahm Zweiter Vorsitzender Günther Plonner gemeinsam mit dem BSB-Kreisvorsitzenden Ferdinand Lienerth und Bürgermeister Klaus Meyer vor.

Eine Auszeichnung für 45-jährige Treue erhielten Lorenz Hebert und Willi Maier, seit vier Jahrzehnten Mitglied sind Meinhard Köstler, Christof Schöner und Ferdinand Peterhans. Vor 35 Jahren trat Karl-Heinz Ott der RSK bei, vor 30 Jahren Werner Küblböck. Für 25-jährige Treue ausgezeichnet wurden Karl Schöner, Herbert Peterhans, Klaus Riederer und Alfred Wittmann. 20 Jahre Mitglied sind Stefan Gatter und Johann Lemberger und 15 Jahre Wolfgang Tischler. Für das Engagement bei Kriegsgräbersammlungen erhielten Wenzel Riederer und Ferdinand Gatter für über 30-jährige Sammlertätigkeit die weiß-goldene Verdienstspange des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

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