Bad Neualbenreuth
08.10.2024 - 09:36 Uhr
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"Zum Tillenblick" in Bad Neualbenreuth: Vom Porzellanbetrieb zum beliebten Gasthof

Vor einem Vierteljahrhundert ist in Bad Neualbenreuth der Gasthof "Zum Tillenblick" eröffnet worden. Justine und Alfred Ulrich erzählen im Rückblick, wie es dazu kam. Dass das Lokal einige Tage geschlossen wird, hat einen besonderen Grund.

Alfred und Justine Ulrich vor ihrem Gasthof "Zum Tillenblick" in Bad Neualbenreuth. Vor 25 Jahren haben sie das Lokal an der Tirschenreuther Straße eröffnet. Bild: pz
Alfred und Justine Ulrich vor ihrem Gasthof "Zum Tillenblick" in Bad Neualbenreuth. Vor 25 Jahren haben sie das Lokal an der Tirschenreuther Straße eröffnet.

Seit 25 Jahren gibt es den Gasthof "Zum Tillenblick" in Bad Neualbenreuth. "Wir sind da so hineingeschlittert", räumen Alfred und Justine Ulrich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien ein: Dass sie am Ortsrand von Bad Neualbenreuth ein Restaurant betreiben würden, war anfangs nicht geplant.

Denn das Anwesen an der Tirschenreuther Straße wurde 1997 für einen Betrieb einer ganz anderen Branche gebaut: Die Ulrichs veredelten und dekorierten dort Porzellan. Viele Jahre zuvor betrieben sie ihre Firma in angemieteten Räumen. Bis zu 26 Mitarbeitende waren beschäftigt.

Zum Betrieb im Neubau damals gehörte auch ein kleines Café. "Als die Branche am Sterben war, haben wir das Wirtshaus vergrößert", blickt Alfred Ulrich zurück auf das Jahr 1999. Für das wenige Jahre zuvor errichtete Gebäude brauchte es eine neue Nutzung. Der frühere Dekorbetrieb wurde schließlich 2003 umgebaut – zum Saal für einen Gasthof.

"Ich hätte das nicht mehr geschafft", erklärt Alfred Ulrich, warum der Porzellan-Zweig als Keimzelle des Familienbetriebs inzwischen komplett aufgegeben wurde. "Mit der Gaststätte bist du genug ausgelastet", sagt er.

"Die richtige Entscheidung"

Dass die Wirtsleute aus völlig anderen Branchen kommen, ist das Faszinierende an deren Erfolg. "Wie will denn der Porzelliner ein Wirtshaus führen?", erinnert sich Alfred Ulrich noch gut an Aussagen von einstigen Zweiflern. Alfred Ulrich hat niemals Koch gelernt, seine Frau Justine war nach einer Lehre im Einzelhandel ebenfalls branchenfremd. "Aber wir haben uns das gut angeeignet", sagt sie.

Wegen des Sibyllenbads und der positiven Veränderungen durch das Kurmittelhaus habe sich damals die Gastronomie angeboten. "Es war die richtige Entscheidung", finden beide im Rückblick. Alfred Ulrich hat früher daheim schon, wie er sagt, "immer ein bisserl herumgekocht". "Wie sein Vater", verrät Ehefrau Justine. Von dem habe ihr Mann das Talent als versierter und routinierter "Herr der Töpfe und Pfannen" geerbt. Inzwischen dürfte Alfred Ulrich sogar einen Koch oder eine Köchin ausbilden.

"Ich mach' Schwammabröih, wie sie früher die Oma gemacht hat", erzählt Alfred Ulrich. "Das schätzen die Leute sehr." Zum Mittagstisch am Sonntag gibt's stets gutbürgerliche Küche – regionales Wild, Braten, Schweinshaxen. "Wir können Fleischesser schon zufriedenstellen."

Besonderes Fischlokal

Bekannt in der Region sind die Ulrichs aber wegen ihrer Fischspezialitäten. 2003 fiel die Entscheidung, sich auf diese Weise in der Region zu profilieren. Einen "schönen Namen" hätten sie sich damit gemacht: 2007 wurde der Gasthof durch den Bezirk Oberpfalz als besonderes Fischlokal ausgezeichnet, die Urkunde hängt im Eingangsbereich.

"Früher hatten wir 70 bis 80 Prozent Umsatz mit Fisch", berichtet Alfred Ulrich, nun machten Fisch und Fleisch jeweils die Hälfte aus. Das Fischbüfett freitags gibt es aber inzwischen nicht mehr. "Der Wareneinsatz war zu groß", erklärt der Gastwirt. "Aber wir haben nach wie vor eine schöne Fischkarte."

Was besonders gerne bestellt wird, lasse sich nicht sagen. Beliebt aber sei das Karpfenfilet. "Das können die Leute essen wie ein Schnitzel, weil keine Gräten drin sind", erklärt Justine Ulrich. Eine besondere Spezialität ist Alfred Ulrichs Fischsuppe: "Die haben wir schon in Dosen eingefüllt, zum Mitnehmen", erinnert er sich. "Aber ich kam irgendwann nicht mehr hinterher." Jetzt nehmen Gäste die Spezialität im mitgebrachten Glas mit. "Die Leute sind ganz verrückt danach."

66. Geburtstag am 9. Oktober

Inzwischen würden treue Urlaubsgäste, die wiederholt nach Bad Neualbenreuth kommen, zuvor bei der Familie anrufen, ob sie in der betreffenden Zeit geöffnet hat. Andernfalls würden diese Gäste sogar den geplanten Urlaub verlegen. „Daran merkst du, dass du es richtig machst“, freut sich der Wirt über den Zuspruch. Auch heimische Gäste schätzten den „Tillenblick“ als Stammlokal.

Als "Rentner-Arbeiter" bezeichnet sich Alfred Ulrich, der das Ruhegeld offiziell seit zwei Jahren bezieht. Ehefrau Justine kümmert sich wie in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten um den Service im Wirtshaus. Doch nun gibt es eine Pause: "Zum 66. Geburtstag nehmen wir mal 16 Tage Urlaub, an einem Stück", erklärt Alfred Ulrich. Seinen Ehrentag feiert er an am Mittwoch, 9. Oktober. Dem Anlass entsprechend fährt das Ehepaar längere Zeit weg. "So lange hatten wir noch nie geschlossen", freuen sich beide auf die Auszeit.

Die Ulrichs haben konkrete Pläne, wie es danach weitergeht. "Ich mache es noch vier Jahre, bis zu meinem 70. Geburtstag", erklärt Alfred Ulrich und verrät, dass ihm eine Nachfolgelösung innerhalb der Familie sehr angenehm wäre. Die Töchter Kathrin und Julia hätten sich zwar beide beruflich anderweitig orientiert. Doch vielleicht ergäben sich später noch Möglichkeiten, meint der Gastwirt: "Deshalb ziehen wir das jetzt noch hin, solange es geht."

Hintergrund:

Immer weniger Gaststätten

  • Fünf florierende Gaststätten gab es 1999 in Bad Neualbenreuth, als die Familie Ulrich ihren Betrieb in größerem Umfang eröffnete.
  • Inzwischen gibt es in der Ortschaft noch zwei Gastronomiebetriebe - neben dem "Tillenblick" die Pizzastube Ackermann, ganz in der Nachbarschaft.
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