Bad Neualbenreuth
29.11.2024 - 11:22 Uhr
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VR-Bank schließt vier Geschäftsstellen im Landkreis Tirschenreuth

Ab 1. April 2025 gibt es im Landkreis Tirschenreuth vier Filialen der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz weniger. Vor allem für ältere Kunden ist das eine schlechte Nachricht. In einem Ort dürfte der Unmut darüber besonders groß sein.

Die Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz schließt zum 31. März 2025 im Landkreis Tirschenreuth die Filialen in Bad Neualbenreuth, Falkenberg, Kastl und Krummennaab. Marketing-Manager Ingo Dietz erklärt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien die Gründe. "Die Filialstruktur hat sich entsprechend den Kundenbedürfnissen und der Nachfrage entwickelt. Vor-Ort-Services werden weniger beansprucht. Die Berater-Teams werden somit mit Spezialisten in größeren Geschäftsstellen gebündelt. Da die Nachfrage nach Online-Angeboten weiter steigt, werden diese konsequent weiter ausgebaut."

Kunden aus Bad Neualbenreuth müssen ihre Bankgeschäfte ab 1. April in Waldsassen erledigen, Falkenberger müssen nach Wiesau, Krummennaaber nach Erbendorf und Kastler nach Pressath. Von den Änderungen seien sieben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen betroffen, die jedoch mit umziehen. Damit stehen die "vertrauten, also bisherigen, Beraterinnen und Berater weiter zur Verfügung", erklärt Dietz.

Hausbesuche möglich

Die nächsten Geschäftsstellen seien mit dem Auto innerhalb von zehn Minuten zu erreichen, Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker seien dort rund um die Uhr nutzbar. Zudem verweist Dietz auf die digitalen Angebote. Persönliche Beratung gebe es montags bis freitags zwischen 8 und 20 Uhr sowie nach Terminvereinbarung. Darüber seien auch Hausbesuche möglich.

Dies dürfte zumindest für Kunden, die aus Alters- oder sonstigen Gründen nicht mehr so mobil sind, ein kleiner Lichtblick sein. Denn ein Bankmobil, das die vier Orte anfährt, werde es nicht geben.

Zwei Beratungsgespräche im Jahr

Darüber hinaus spreche noch folgende Statistik für sich beziehungsweise die Schließungen der vier Geschäftsstellen: Bargeldloser Zahlungsverkehr und Online-Banking nähmen zu, Geld- und Kontoauszugsautomaten würden zunehmend seltener genutzt. Kunden der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz suchten ihre Filiale durchschnittlich ein bis zwei Mal im Jahr für das persönliche Beratungsgespräch auf. Auf digitale Angebote werde hingegen mehrmals im Monat zugegriffen. Weiteren Filialschließungen seien gegenwärtig nicht geplant, betont Dietz. Und insgesamt sichere die Bank über 820 Arbeitsplätze.

In der VR-Filiale Falkenberg werde in Kooperation mit der Sparkasse Oberpfalz Nord "mindestens bis 31. Dezember 2025" ein Geldautomat betrieben, informiert der Marketing-Manager weiter. Auch in Bad Neualbenreuth und Kastl werden weiterhin Automaten stehen, ergänzt Werner Bäumler, Vorstand der Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz.

Benachteiligung gegenüber Stadt

Nur in Krummennaab nicht. Dort gibt es ab 1. April neben der Bank auch keinen Geldautomaten mehr, bedauert Zweiter Bürgermeister Herbert Mattes. Er prophezeit daher schon jetzt ähnlichen, wenn nicht größeren Unmut wie bei der Schließung der Sparkassen-Filiale vor einigen Jahren. Die Situation sei "sehr bedauerlich", vor allem für ältere Menschen, die zusehen müssten, "wie sie nach Erbendorf kommen". Mattes sieht darin "eine Benachteiligung des ländlichen Raums".

Was mit dem Anwesen an der Hauptstraße passiert, sei nicht bekannt. Es sei ein "besonderer Blickfang" und damit "das erste Gebäude am Platz, schade, dass die Bank auszieht". Ab 1. April stehe es leer. Der Zweite Bürgermeister hofft aber auf eine Nachfolgenutzung und "dass sich etwas ansiedelt, damit wir wieder Leben haben in der Dorfgemeinschaft". Fest stehe, dass die Gemeinde das Gebäude nicht kaufen könne.

Gründe nachvollziehbar

Für Bad Neualbenreuths Bürgermeister Klaus Meyer kommt der Schritt nicht überraschend, die Gründe der Bank seien nachvollziehbar. "Das war zu erwarten, es ist daher auch kein Schock für uns." Die Geschäftsstelle in der Marktgemeinde habe schon lange "keinen Filialcharakter mehr", weil der Beratungsraum mit nur einer Person besetzt sei. Schalter-Öffnungszeiten habe es ebenfalls keine mehr gegeben. Das Gebäude werde also sowieso nicht mehr richtig genutzt, und vielleicht ergäben sich so neue Perspektiven.

"Man muss Realist sein, wenn man die Zahlen betrachtet", meint der Rathauschef, der vor seinem Bürgermeisteramt selber bei der Raiffeisenbank gearbeitet hat. "Ein paar ältere Leute wird es schon treffen", räumt er ein. Sie könnten jedoch den Vor-Ort-Besuchsservice in Anspruch nehmen.

Schließung "schade und traurig"

Falkenbergs Marktoberhaupt Matthias Grundler "will sich nicht im großen Stil äußern", findet die Schließung aber trotzdem "schade und traurig". Schließlich sei die Volksbank-Raiffeisenbank Nordoberpfalz eine Institution, und auch der Mitarbeiter vor Ort genieße Ansehen.

Die Gemeinde dränge darauf, dass der Geldautomat bleibt, auch wenn ein Betrieb wegen der geringen Zahl der Abhebungen laut Bank nicht rentabel sei. Doch der Automat sei "per se wichtig", nicht nur für ältere Leute, sondern beispielsweise auch für Gäste von Gaststätten, wo keine Kartenzahlung möglich sei. Was mit dem Gebäude geschehe, in dessen Umgestaltung die Bank erst vor drei Jahren investiert habe, sei nicht klar.

Vorhersehbarer Schritt

Kastls Bürgermeister Hans Walter findet den Schritt zwar ebenfalls bedauerlich, es sei aber vorhersehbar gewesen, dass die Filiale geschlossen werde. Der Automat und auch der Briefkasten für Überweisungen blieben jedoch erhalten, zudem seien Außentermine vereinbar. Schließlich müsse die Bank einen "Weg finden, um Senioren zu betreuen".

Schade sei es um die Mitarbeiter, die mit den Kunden fast schon ein freundschaftliches Verhältnis hätten. Außerdem habe das Geldinstitut mit seinen Spenden einen wertvollen Beitrag für die Vereinswelt geleistet, der künftig aber die Ansprechpartner vor Ort fehlen würden. Im Bankgebäude gebe es neben den Büroräumen auch Wohnungen, die Gemeinde könne das Anwesen jedoch nicht übernehmen, sagt Walter.

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Parkstein28.11.2024
Hintergrund:

Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz eG: Fakten und Zahlen

  • Gründung der Genossenschaft: 16. Juli 1923 (Gewerbebank Weiden)
  • Fusion: 2023 Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz eG und Raiffeisenbank Neustadt-Vohenstrauß eG
  • Mitarbeitende: 827
  • Auszubildende: 36
  • Geschäftsstellen: 38
  • Warenstandorte: 10
  • Kunden: 121.275
  • Mitglieder: 57.172
  • Bilanzsumme: 4,69 Milliarden Euro
  • Kundeneinlagen: 3,54 Milliarden Euro
  • Kundenkredite: 3,04 Milliarden Euro
  • Geschäftsvolumen: 9,31 Milliarden Euro
  • Spenden, Sponsoring und Bürgerstiftung: 375.000 Euro
  • Warenumsatz: 85,1 Millionen Euro
  • Steuern: circa 12,6 Millionen Euro, davon rund 6,3 Millionen Euro Gewerbesteuern

Quelle: https://www.vr-nordoberpfalz.de

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