14.01.2022 - 14:07 Uhr
BärnauOberpfalz

Ärztezentrum zieht wieder ins Bärnauer Feuerwehrhaus

Einen Schritt zurück unternimmt Alfred Stier nicht gern. Doch der könnte beim Ärztezentrum schneller ans Ziel führen. Das Vorhaben soll jetzt wieder im Feuerwehrhaus realisiert werden.

Die Stadt will im Obergeschoss des Feuerwehrhauses ein Ärztezentrum schaffen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Über drei Jahre schon bemühen sich Stadt und Stadtrat um eine weiterhin gesicherte ärztliche Versorgung in der Gemeinde. Nachdem sich das Ärzteehepaar Weinrich sich zurückziehen möchte, braucht es eine auf die Zukunft ausgerichtete Lösung. Initiativen für eine Nachfolge scheiterten, ebenso die Anläufe für ein Ärztezentrum. Jetzt präsentierte Bürgermeister Alfred Stier dem Stadtrat die nächste, wenn auch bereits bekannte Lösung, nachdem der letzte Investor abgesprungen war.

80 Minuten Diskussion

Dabei wollte Alfred Stier die Beratung am Donnerstag im Pfarrheimsaal eigentlich im nichtöffentlichen Teil führen. Gottfried Beer (SPD) betrachtete die Zukunft der ärztlichen Versorgung als das zentrale Thema. Die Bevölkerung sollte hier den aktuellen Sachstand erfahren, forderte Beer eine Verlegung in den öffentlichen Teil. Auch Hubert Häring (CFWG) wollte eine öffentliche Diskussion. Nach ein paar Minuten hinter verschlossenen Türen, in denen die sensibleren Punkte rund um die Investoren behandelt wurden, forderte das Thema dann gut 80 Minuten das Gremium.

Am Ende waren sich alle bei der Absicht einig, nicht aber bei der Gangart. Mit den fünf Stimmen der CSU, zwei der Jungen Wählergemeinschaft und von Josef Hubmann (Bürgerliche Wählergemeinschaft) legte sich der Bürgermeister auf den Standort Feuerwehrhaus. Die "Gegner" störte allein die Tatsache, dass nicht als erster Schritt eine Kostenschätzung für den Ausbau des Feuerwehrhauses oder für einen einfachen erdgeschossigen Neubau, etwa am Seer-Anwesen unterhalb des Kindergartens, vorgenommen wird.

Für die Nutzung des ersten Stocks des Feuerwehrhauses hatte Stadt-Geschäftsleiterin Marion Mark eine erste Planung erstellt. "Das ist nur eine Skizze", stellte Stier bei Blick auf die recht gelungene Raumaufteilung heraus. Auf der rund 400 Quadratmeter großen Grundfläche sollten mehrere Behandlungsräume, Wartezimmer, Anmeldung, Funktions- und Sozialräume sowie Toiletten untergebracht werden. Dabei berichtete Stier auch vom Interesse von Physiotherapeuten, die Räume nutzen möchten. Der Zugang zu der oberen Etage würde durch das vorhandene Treppenhaus erfolgen. Den Ausbau kalkulierte Stier auf 800 000 Euro. Dazu kämen Kosten für eine Dachsanierung. Doch die würde beim Feuerwehrhaus sowieso anfallen. Auf das Dach könnte eine Photovoltaikanlage aufgebracht werden.

"Das Feuerwehrhaus war schon im Februar 2019 mein Vorschlag", erinnerte Stier. Danach sei auf die Realisierung eines Ärztehauses auf dem Gelände der früheren Knopffabrik Forster umgeschwenkt worden. Doch der Investor habe das Projekt jetzt aufgegeben, ärgerte sich der Bürgermeister über die verlorene Zeit. "Jetzt pressiert's richtig", wusste Stier um die Notwendigkeit einer raschen Lösung, nach Möglichkeit noch in diesem Jahr. Dabei verdeutlichte der Bürgermeister, dass es bereits wieder einen Arzt geben würde, der nach Bärnau kommen möchte. Künftig werde er sich aber mit Vorverträgen absichern.

Stier: Neubau nicht günstiger

Hubert Häring sah ein gewisses Risiko bei den Kosten für die Dachsanierung. Stier konnte sich hier eine Abdichtung mit einer PVC-Haut vorstellen. Wie Hubert Häring wollte auch Gottfried Beer die Alternative eines Neubaus, der mehr auf die Bedürfnisse ausgerichtet werden könnte, nicht aus den Augen verlieren. Bei den Kosten verwies Stier auf seine jahrelange Erfahrung durch die verschiedenen Bauprojekte der Stadt. Und sollte das Vorhaben etwas teurer werden, wollte Stier diese Steigerung zugunsten der schnellen Lösung bei der ärztlichen Versorgung durchaus tragen. "Das ist es uns wert!" Allerdings war der Bürgermeister überzeugt, dass ein Neubau nicht günstiger kommen würde. Anna Schwamberger (Grüne) unterstützte die Bemühungen für eine ärztliche Versorgung, wollte aber ebenso die Alternative eines Neubaus in Erwägung ziehen. "Wir können uns die Entscheidung nicht so einfach machen", appellierte Schwamberger an das Gremium.

Marco Donhauser (JWG) wollte dagegen keine weitere Zeit verlieren. Bedenken von Beer und auch Rudolf Schmid (CFWG), weil ein gemeinsamer Treppenaufgang genutzt werden müsste, wollte er nicht teilen. Auch in anderen Ärztehäusern gebe es mehrere Mieter. Josef Hubmann (BWG) verwies auf die mittlerweile über dreijährige Diskussion Diskussion. "Wir brauchen bald eine Lösung", forderte er. Gottfried Beer machte für die lange Zeit nicht den Stadtrat verantwortlich. Schließlich habe das Gremium schon 2019 geschlossen für den Standort Feuerwehrhaus gestimmt. Eine Ablehnung jetzt würde nicht bedeuten, dass man sich gegen eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung ausspreche. Michael Schedl (CSU) verwies auf die vorhandene Erschließung am Feuerwehrhaus und die gute Erreichbarkeit. "Es ist der bessere Standort", war sein Fazit. Jetzt brauche es aber einen Grundsatzbeschluss, Details könnten später diskutiert werden.

"Das ist der zweite Schritt vor dem ersten", kritisierte Michael Wegener (SPD) den Verzicht auf eine Kostenschätzung sowie Gegenüberstellung von Neubau und Ausbau. "Ein Neubau wird teurer", ließ sich Alfred Stier nicht abbringen. Am Ende stimmte eine 9:7-Mehrheit für den Standort Feuerwehrhaus. Jetzt folgen die konkreten Planungsschritte.

Zum Thema ein Kommentar von Werner Schirmer

Bärnau

"Das ist der zweite Schritt vor dem ersten."

Michael Wegener (SPD) zum Verzicht auf die Kostenschätzung

 

 

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