08.03.2019 - 17:05 Uhr
BärnauOberpfalz

Im Bärnauer Ackerbürgerhaus laufen die Vorarbeiten zur Sanierung

Hier unten wurden im Mittelalter die Waren der Händler, die auf der Goldenen Straße im Im- und Exportgeschäft zwischen Nürnberg und Prag unterwegs waren und in Bärnau eine längere Pause einlegten, zwischengelagert.

Lagebesprechung im Ackerbürgerhaus mit von links: Archäologin Viviane Diederich, Architekt Ferdinand Lehner, Projektbetreuer Edgar Zwerenz, Restaurator Matthias Krämer und Archäologe Martin Fischer.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Architekt Ferdinand Lehner ist bei der Machbarkeitsstudie zur Generalsanierung des alten Gemäuers für die Statik zuständig. Restaurator Matthias Krämer fungiert quasi als verlängerter Arm des Landesamtes für Denkmalpflege und ist in dieser Hinsicht verantwortlich für das komplette Bauwerk. Die Archäologen Viviane Diederich und Martin Fischer sehen das Bauwerk aus einem spannenden Blickwinkel, bezogen auf ihr Metier.

Doktorarbeit über das Ackerbürgerhaus

Fischer hat sein Büro im Geschichtspark und betreut ein eigenständiges Projekt, das im Ackerbürgerhaus abläuft. Diederich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bamberg und stellt das Ackerbürgerhaus in den Mittelpunkt ihrer Doktorarbeit. Matthias Krämer hat den Vor-Ort-Termin anberaumt, um zeitliche Abläufe zwischen allen Beteiligten zu koordinieren. Kurz gesagt, geht es darum, wer was wann und wo macht. Krämer ist begeistert von der Zusammenarbeit mit deutschen und tschechischen Universitäten. Dendrochronologische Bohrungen hatte er bisher zur Auswertung an externe Labors geschickt. Beim Ackerbürgerhaus werden die dünnen Holz-Bohrkerne in der Uni Bamberg auf ihr Alter untersucht.

Viel Eigenleistung

Erste Proben dorthin hat er bereits versendet. Mit modernen Auswertungsmethoden ließe sich ziemlich exakt feststellen, in welchem Jahr ein Baum gefällt, bevor er zu einem Balken gehauen wurde. Bei seiner restauratorischen Voruntersuchung ginge es in der Hauptsache darum, was denkmalpflegerisch relevant sei. Obwohl er dabei noch ziemlich am Anfang stehe, sei der Sichtbefund bereits ausformuliert. Da der Verein "Ackerbürgerhaus" ziemlich viel Eigenleistung erbringen will, hat Krämer auch die restauratorische Bauleitung über. "Das bedeutet, dass ich jedem Helfer genau erkläre, was er mit welchem Werkzeug an welchem Teil machen muss. "Denn im und am Ackerbürgerhaus gelte, was konserviert werden kann, wird erhalten."

Laut Krämer wird die Befundung bis Ende März, Anfang April erledigt sein. Die Ergebnisse betreffend Statik und denkmalpflegerische Substanz wandeln dann die Planer Katrin Roider und Georg Sollfrank in einen Bauentwurf um. Dabei ist keine Zeit zu verlieren, denn Ende 2020 muss die Maßnahme erledigt sein, aus zuschusstechnischen Gründen.

Was Matthias Krämer in, beziehungsweise unter dem Gebäude fasziniert, ist das Kellersystem, das nach Einschätzung des Spezialisten bis ins Mittelalter zurückreicht. "Ganz Bärnau ist unterkellert. Da sollten so viele wie möglich in einem Kellerplan aufgenommen werden, denn im Untergrund ist Bärnau noch komplett mittelalterlich vorhanden", schwärmt der Restaurator.

Der Hohlraumforscher Bernhard Häck vom Landesamt für Denkmalpflege aus München, sei am 28. November 2018 hier gewesen und habe ebenfalls von bedeutenden Kelleranlagen, die bis ins Mittelalter zurückreichten, gesprochen. Der Experte sei davon ausgegangen, dass sie in Verbindung zur Goldenen Straße, die damals hier unmittelbar vorbeiführte, standen. Er glaube, dass die Keller damals als Lagerräume für längere Reisepausen dienten, um dort Waren kühl zu lagern. Als Bierkeller, wie sie später genutzt wurden, seien sie ursprünglich nicht konzipiert gewesen. Weiteres Licht ins unterirdische Dunkel soll das Archiv in Amberg zutage fördern. "Und vielleicht kann auch die tschechische Seite weitere Details dazu liefern", hofft Krämer.

Viviane Diederich stammt aus Marburg an der Lahn und hat in Bonn und Venedig Archäologie studiert. Ihre Dissertation schreibt die 28-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Bamberg über das Ackerbürgerhaus. Dabei steht die junge Archäologin noch ganz am Anfang. Was sich letztendlich als Kern ihrer Doktorarbeit herauskristallisieren werde, weiß sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Darum heißt der Arbeitstitel erst einmal schlicht und einfach, "Das Ackerbürgerhaus".

Für sie sei das Projekt vor allem auch deshalb so interessant, weil neue Wege gegangen würden, um die Allgemeinheit und vor allem auch junge Leute mit einzubinden. "Hier ist das Ehrenamt für die Archäologie ein unheimlich wichtiger Bestandteil." Eine weitere Fragestellung werde sich mit Bärnau im Spätmittelalter an der Goldenen Straße befassen. Verlassene Dörfer auf tschechischer Seite könnten dabei möglicherweise mit erfasst werden. Sie wünscht sich entsprechende Förderungen, damit die angedachten Maßnahmen wie ein kulturelles Mitmachzentrum, die Mitmach-Brauerei, die Kreativwerkstatt und vieles mehr verwirklicht werden können.

Erste Keramiknachweise

In den ersten drei Wochen verschaffte sie sich einen umfassenden Eindruck vom Projekt. Sie geht davon aus, dass der älteste Teil des Gebäudes auf das 15., wenn nicht sogar ins 14. Jahrhundert zurückgeht. Das will sie näher ergründen. An verschiedenen Stellen seien bereits alte Dielenböden entfernt worden. Jetzt gelte es, zu überlegen, an welchen Stellen die entsprechenden Fragen am wahrscheinlichsten beantwortet werden könnten.

Bisher konnten in den ältesten Schichten einige wenige Keramiknachweise erbracht werden. "Das ist für uns Archäologen immer sehr hilfreich. Die bisherigen Keramikfunde stammen aus dem 18. Jahrhundert." Bis zum Ende aller Maßnahmen will Diederich pro Monat etwa zwei Wochen auf der Bärnauer Grabungsstätte arbeiten. Die Archäologin hat in Bamberg auch einen kleinen Lehrauftrag. Auch im Ackerbürgerhaus sei eine Lehrgrabung mit Studenten der Uni Bamberg geplant.

Hintergrund:

Hinter dem Projekt Ackerbürgerhaus steht der gemeinnützige Verein „Ackerbürgerhaus Bärnau“, ein Zusammenschluss von aktiven „Heimat-Unternehmern“. Er will einen Treffpunkt für Jung und Alt, für Einwohner und Gäste schaffen. Mit einem vielschichtigen Konzept soll dabei auch das Leben in der Altstadt auf Vordermann gebracht werden. Ziel sei es, einen Ort zu schaffen, wo pfiffige Köpfe zusammenkommen und gemeinsam neue Initiativen und Unternehmungen für die Region auf den Weg bringen. Es entstehen Gemeinschaftsräume, eine Gemeinschaftsküche, eine Mitmachbrauerei, Kreativräume sowie ein Ausstellungs- und Museumsbereich. Das Haus soll eine Kultur- und Regionalvermarktungsplattform mit Kleinkunstbühne und Ausstellungsräumen bieten. Bärnau ist eine der kleinsten Städte in Bayern mit langer Historie, an der Goldenen Straße. Durch die Initiative des Vereins „Via Carolina“ konnte mit dem Geschichtspark Bärnau-Tachov das größte mittelalterliche archäologische Freilandmuseum Deutschlands realisiert werden. Mit dem Archaeo-Zentrum Bayern-Böhmen entstand ein universitärer Standort für experimentelle Archäologie. (tr)

Matthias Krämer und Viviane Diederich auf dem Weg in den Untergrund.
Im Untergrund des Ackerbürgerhauses hofft Viviane Diederich den Stoff für ihre Dissertation zu finden.
Noch schlummert das Ackerbürgerhaus im Dornröschenschlaf.
Hier unten wurden im Mittelalter die Waren der Händler, die auf der Goldenen Straße im Im- und Exportgeschäft zwischen Nürnberg und Prag unterwegs waren und in Bärnau eine längere Pause einlegten, zwischengelagert.
Stockfinstere Nacht herrscht in den unteren Stockwerken. Nur mit dem Baustrahler lässt sich hier etwas erkennen und Spannendes entdecken.

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