11.03.2021 - 14:23 Uhr
BärnauOberpfalz

Im Geschichtspark Bärnau herrscht nur scheinbar Ruhe

Nicht alles ist schlecht im Freilandmuseum mit Corona: 500 Archäologie-Studenten lernen mit Dozent Stefan Wolters online, ein Dokumentarfilm für Schulkinder ist in Planung und es gibt Arbeit genug am Biotop nahe des Parkplatzes.

von Ulla Britta BaumerProfil

Wenn auch der Geschichtspark weiterhin für Besucher gesperrt ist, gibt es viel zu tun für Stefan Wolters und das Museumsteam. Aber selbst bei ausreichend Arbeit ist der Archäologe nicht wirklich glücklich mit der Situation. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge begutachtet er den "Corona-Schlaf" des Geschichtsparks und zieht eine durchwegs durchwachsene Bilanz der vergangenen Monate.

Das weinende Auge schaut auf das Archäo-Zentrum, die Werkstatt der Studenten. "Das liegt brach. Seit Monaten war kein Student mehr hier", berichtet Wolters. Was nicht heißt, dass die angehenden Archäologen nichts tun hätten. Wolters berichtet von seinen Online-Vorträgen, die unglaublich gut besucht seien. "Manchmal nehmen 500 Studenten am Stück teil, bis in die Steiermark. Ich weiß gar nicht, wo die alle wohnen." Auch seine Online-Seminare seien mit jeweils 40 bis 50 Teilnehmern bestens frequentiert. Für Wolters das große Plus trotz Pandemie. Jedoch fehlt ihm die praktische Arbeit mit dem Nachwuchs seiner Spezies. "Die jungen Leute sollen ein Gespür bekommen für Materialien und Ausgrabungsobjekte. Das bleibt auf der Strecke", bedauert der Dozent. Wenig erfreut beklagt er einen deutlichen Rückgang der Archäologie-Studenten.

Praktische Erfahrungen vermitteln

"Die Werkstätten sind zu, keine Ausgrabungen, die Bibliotheken sind geschlossen." Da sei das mangelnde Interesse am Studienfach vorgegeben. Wolters hofft darauf, dass die Anwärter in besseren Zeiten zurückkommen und nicht gleich andere Studiengänge belegen müssen. "Aktuell laufen Anfragen von uns für Praktika im Park während des Lockdowns", hofft Wolters, wenigstens einigen seiner Studierenden praktische Erfahrungen zu verschaffen. Als Möglichkeiten zur Überbrückung rät er zum Studium als Grabungstechniker oder in der Konservierungstechnik, wo wegen der besseren Hygienekonzepte auch in der Praxis studiert werden dürfe. Hier bricht Wolters eine Lanze für die Universitäten, die seiner Meinung nach in der Diskussion um die Ausbildung während Corona im Stich gelassen würden. "Ständig wird über die Schüler geredet. Aber die Studenten scheinen nicht vorhanden."

Rund 100 Darsteller kamen im vergangenen Jahr zum Militärmanöver

Bärnau

Tatsächlich sei nichts in Ordnung an den Universitäten, wenn auch die Online-Betreuung gut laufe. Erst heute habe er Gespräche mit Kollegen geführt zur Verbesserung der studentischen Anliegen während Corona. "Die Unis wollen erreichen, dass sie wie höhere Schulen behandelt werden mit Distanzunterricht."

Zumindest geht es für ihn und den Geschichtspark voran: Im April übernimmt Wolters einen vorerst digitalen Lehrauftrag an der Universität Prag in englischer Sprache, worauf er sich schon freut. Nicht weiter geht es leider mit der Baustelle der Kaiserburg. Zwar seien die tschechischen Handwerker weiterhin Angestellte des Geschichtsparks mit gültigem Arbeitsvertrag und bekämen weiterhin ihren Lohn. "Aber sie dürfen nicht zur Arbeit kommen, weil der Park nicht als systemrelevant eingestuft wurde!"

Begehbares Biotop

Während der Kaiserhof den Teil-Dornröschenschlaf schläft, geht es an einer neuen Baustelle zügig voran. Das ist das lachende Auge des Archäologen: Nahe des Parkplatzes, erzählt er freudig, entstünde außerhalb des Geschichtsparks aktuell ein begehbares Biotop im Grenzbereich entlang des "Grünen Bandes". Da es sich hier um ein Moorgebiet handle, sei der Frost bester Partner für den Wege- und Stegbau. Das große Areal schafft der Geschichtspark als zusätzliches, kostenfreies Angebot für Schulklassen. "Die Schüler können bei einem Ausflug Ökologie, Biologie und Geschichte gleichzeitig erleben."

Noch in der Startphase ist das zweite Projekt in Zusammenarbeit mit der Universität Pilsen und der OTH Weiden. Es sollen drei Lehrfilme für Schulklassen entstehen, die authentisch das Mittelalter in der Heimat dokumentieren. "Es gibt bisher nur allgemeine Filme für Schulen, aber nichts Regionales", sagt Wolters zu den Beweggründen. Die Drehbücher sind an der Uni Pilsen entstanden, Wolters hat den deutschen Geschichtsteil bearbeitet. An der OTH Weiden, erklärt er, kümmere sich der Studiengang Medientechnik um die technische Umsetzung. Zwar sei man auch am Vorbereiten des Parks für die kommenden Frühlings- und Sommersaison. "Aber das Problem ist unser Inzidenzwert. Solange der nicht unter 100 ist, dürfen wir nicht öffnen", seufzt Wolters.

Auf den Start vorbereiten

Man könne aber auch nicht alles einfach ruhen lassen, sondern müsse für einen Start vorbereitet sein, fügt er an und wünscht sich dringend, dass sofort im Landkreis auf Teufel komm' raus getestet und geimpft wird. Damit endlich alles wieder besser wird.

 

 

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