29.05.2020 - 17:06 Uhr
BärnauOberpfalz

Geschichtspark Bärnau – Tachov ab sofort geöffnet

Nach der coronabedingten, wesentlich verlängerten Winterpause, ist der Geschichtspark Bärnau–Tachov im Jubiläumsjahr ab sofort wieder geöffnet.

Vor oder im Geschichtspark ist der geforderte Sicherheitsabstand kein Problem.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Genau vor zehn Jahren startete dieses spannende Projekt", sagt dessen Erfinder Alfred Wolf. Ein Musterbeispiel dafür, wie mit viel Willen und unerschütterlicher Überzeugung aus einer Idee Wirklichkeit werden könne. Der Geschichtspark wäre heute ein Instrument, mit dem sich eine ganze Region zum Positiven verändern lasse. Abstandsregelungen ließen sich hier problemlos umsetzen, denn Platz gäbe es genug im größten mittelalterlichen archäologischen Freilandmuseum Deutschlands.

Auf 8,3 Hektar sind 30 Rekonstruktionen vom 8. bis zum 13. Jahrhundert zu besichtigen. Außerdem der Königshof Kaiser Karl IV., der Nachbau einer Reisestation des 14. Jahrhunderts, die schon klare Formen annimmt. Geöffnet ist der Geschichtspark von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Dank Museumsführer Alois Meindl aus Weiden gebe es wieder neue Bewohner im Geschichtspark, freut sich Wolf.

Zehn Schafe haben hier ihren Sommersitz bezogen. Darunter auch vier Lämmer. Der Trägerverein Via Carolina habe einen Namenswettbewerb für die tierischen Darsteller im Park gestartet. Knapp 200 Vorschläge aus Deutschland und Tschechien sind eingegangen. Am Pfingstsonntag wird in des sozialen Medien bekanntgegeben, welches Schaf künftig wie heißt.

Wegen Corona musste auch der Geschichtspark lange geschlossen bleiben

Bärnau

Basis für Kompetenzzentrum

Seit Januar läuft das Projekt für die Etablierung eines Kompetenzzentrums für historisches Handwerk und historische Baustoffkunde des Heimatministeriums. Mit Originalarbeitstechniken des 14. Jahrhunderts wird über zirka zwanzig Jahre die Anlage Stück für Stück entstehen. Jeder Stein wird von Hand bearbeitet, jeder Balken mit der Axt aus dem Rundholz geschlagen, der Kalk wird vor Ort gebrannt, Eisen geschmolzen und zu Werkzeug verarbeitet. Die Dimension der zukünftigen Außenmauer ist schon erkennbar, mit dem Gesindehaus wird in Kürze das erste Gebäude errichtet. Die Arbeiten dafür beginnen kommenden Dienstag.

Neben dem Geschichtspark und der Dauerausstellung im Funktionsgebäude ist im Archaeocentrum Bayern-Böhmen die Ausstellung "Zisterziensische Klosterlandschaften Europas" zu besichtigen. Die für das Europäische Kulturerbejahr 2018 konzipierte Präsentation macht Halt in Bärnau und gibt einen Einblick in die geschichtliche Bedeutung der Zisterzienserklöster.

Auch der Biergartenbereich an der Museumsgaststätte "Brot&Zeit" ist wieder eröffnet. Dank der großzügigen Anlage am Vorplatz des Geschichtsparks gibt es auch hier keine Probleme die verordneten Abstandsregeln umzusetzen. Im Geschichtspark gilt, außer natürlich beim Essen und Trinken, das Tragen einer Schutzmaske, erklärt Ilona Hunsperger. Keine Problem stelle das benutzen der kostenlosen Audioguides innerhalb des Parks dar, die vor und nach der Benutzung entsprechend desinfiziert werden. Das sei ein großer Vorteil, weil momentan wegen der geltenden Abstandsregelungen ja keine Führungen möglich seien, sagt die Verantwortliche im Frontoffice.

Welle der Hilfsbereitschaft

Eine große Welle der Unterstützung hat der Verein "Via Carolina - Goldene Straße e.V." in den vergangenen Wochen erlebt. Der Geschichtspark leidet massiv unter der Zwangspause durch Corona und hat erhebliche Einnahmeverluste zu verzeichnen, wie alle kulturellen und touristische Einrichtungen auch. Vor allem aus dem Bereich der mittelalterlichen Darsteller aus ganz Deutschland und ehemaligen Bewohnern aus der Region wurden Spenden organisiert, selbst das Geld aus der Auflösung einer Rittergruppe wurde gespendet. Eine Hauspatin nähte und verkaufte Mund-/Nasemasken und spendete einen stattlichen Betrag aus dem Erlös.

Ein schwieriger Sommer stehe der Einrichtung bevor, denn Busreisen, Schulklassen oder tschechische Gäste seien derzeit nicht zu erwarten; auch größere Veranstaltungen können nicht stattfinden. Mit kreativen Angeboten wollen die Verantwortlichen auf die Herausforderungen reagieren und den Besuchern einen erlebnisreichen Aufenthalt bieten. Wie die allerdings aussehen kann noch niemand genau sagen.

Von der Turmhügelburg im Hintergrund hat man die komplette Aussicht über den Geschcihtspark.
Ilona Hunsperger und Alfred Wolf testen den Echten Wermut, der im Geschichtspark wächst auf seinen Geschmack. Artemisia absinthium hat ätherische Öle und Bitterstoffe, die die Pflanze zu einem wertvollen Heilkraut machen.
Robert Mois bringt einen Stein auf die richtige Größe. Die Mauer der Reisestation Kaiser Karl IV. hat bereits beachtliche Dimensionen angenommen.
Robert Mois bringt einen Stein auf die richtige Größe. Die Mauer der Reisestation Kaiser Karl IV. hat bereits beachtliche Dimensionen angenommen.
Zwei Mutterschafe und vier Lämmer. Am Sonntag werden sie getauft, soll heißen, bekommen sie Namen.

Geschichts- und Umweltbildung sind dem Verein "Via Carolina - Goldene Straße" Herzensanliegen

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