23.04.2019 - 11:47 Uhr
BärnauOberpfalz

Geschichtspark Bärnau treibt den Winter aus

Strahlend blauer Himmel, jede Menge Gäste, spannende Vorführungen, kulinarische Leckereien und gute Musik: So wurde im Geschichtspark Bärnau-Tachov am Ostermontag der Winter ausgetrieben.

von Ulla Britta BaumerProfil

Rainer Suttner reibt Feuerstahl und Eisen nur wenige Sekunden aneinander, schon raucht der "Fuß" der Strohpuppe. Der Mittelalterdarsteller aus Weiden hat im Geschichtspark die Aufgabe, besagte Strohfigur zum Brennen zu bringen. Damit, sagt die Überlieferung aus dem Mittelalter, werde der Winter ausgetrieben. Eine Minute später brennt die Puppe, die in einem kleinen Festzug bis zum "Opferstein" des Frühmittelalterdorfes getragen wurde, bereits lichterloh.

Linda und Bea beäugen die Aktion und die damit für sie verbundene Unruhe im Park eher unaufgeregt. Denn die Rotwildkühe bleiben gelassen auf ihrer Weide liegen. Ihr großer Auftritt wird erst später kommen, wenn sie darauf trainiert sind, beim Burgbau mitzuhelfen. An besagter Baustelle staunen die Gäste, die schon um die Mittagsstunde zahlreich nach Bärnau strömen.

Sehr interessant ist auch der Aufbau der Reisestation von Kaiser Karl IV. Ein Steinmetz erklärt die Funktion des mittelalterlichen Krans, wie der Kalk selbst hergestellt wird und dass innerhalb von einem Jahr nach Baustellenbeginn viel passiert sei. "Wir nehmen nicht etwa nachts heimlich moderne Baumaschinen. Hier geschieht alles authentisch", beteuern die Handwerker.

Zurück im Spätmittelalter behaut Tino Gottschall aus Dresden einen Baumstamm mit einer Axt. Der 32-Jährige ist Bogenbauer. Seit seinem 16. Lebensjahr frönt er dem Hobby Bogenschießen. Vor ein paar Jahren habe er begonnen, seine Waffen auch selbst herzustellen. Sehr viele Männer versammeln sich bei Gottschall. Lassen sich Holzart, Bautechnik und Details zum Bogenbauen genau erklären. Die Buben und Mädchen dürfen mit Andrea Wolf zum Kräutersuchen gehen. Die Kräuterführerin zeigt ihnen, wie mit den Kräutern Eier gefärbt werden. Stoffe weben und Wolle spinnen, alles per Hand versteht sich, sind die Themen der Frauen.

Die mittelalterlichen Darsteller sitzen draußen vor ihren Hütten mit dem Handwerkszeug und lassen sich gern über die Schultern schauen. Während die Waschfrauen am Bach tätig sind und in großen Zubern die Stoffe einweichen, schnitzten die Männer Löffel aus Holz oder flechten Körbe. Der Schmuck aus Metall, Keramik oder Wolle finden begeisterte Abnehmer. Bei dem herrlichen Wetter sind auch die dicken Geschichtspark-Schweine draußen auf ihrer Koppel und suhlen sich sehr zum Gelächter der Zuschauer in einer großen Schlammlache. Wer alles ausgiebig besichtigt hat und auch die Motte, den mittelalterlichen Wehrturm, mit Kind und Kegel bestiegen hat, lässt sich draußen auf der schönen Wiese vor dem Geschichtspark mit Leckereien verwöhnen. Die tschechische Gruppe Svandabanda sorgt mit Dudelsack, Teufelsgeige und Gesang für e Unterhaltung. Der strahlend blaue Himmel tut seines dazu, den Gästen einen Tag lang die schönen Seiten des Mittelalters dekorativ und spannend zu präsentieren.

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