20.09.2019 - 14:02 Uhr
BärnauOberpfalz

Im Geschichtspark kreucht und fleucht es

Der Geschichtspark Bärnau ist ein Biotop. Davon haben sich Vertreter von LBV und BN bei einer Insektenbestandszählung überzeugt. Sie fanden auch vom Aussterben bedrohte Insektenarten.

Die Wespenspinne war nur eine von vielen Insekten, die bei der Bestandzählung im Geschichtspark katalogisiert wurden.
von Ulla Britta BaumerProfil

Erwin Möhrlein ist ein Mann, der Augen und Ohren gleichzeitig überall offen hält. Sobald er an seinem Lieblingsplatz - draußen in der Natur - unterwegs ist, stellen sich seine Sinne automatisch darauf ein, alles was "kreucht und fleucht" zwischen Himmel und Erde zu entdecken. Das kommt nicht von ungefähr. Der Plößberger frönt seiner Leidenschaft seit vielen Jahrzehnten.

Katalogisierung

Als äußerst aktives und engagiertes Mitglied beim Landesbund für Vogelschutz und beim Bund Naturschutz wird Möhrlein deshalb regelmäßig um sein fachmännisches Wissen für Exkursionen in der Vogel- und Insektenkunde gebeten. Diesmal sollte Möhrlein auf Anregung der Verbände sein Augenmerk auf die Insektenwelt im Geschichtspark Bärnau-Tachov legen. Erstmals unternahmen Mitglieder vom LBV und BN unter seiner Führung dort eine Katalogisierung der mehrbeinigen Wiesen- und Flurbewohner vor.

Mit Block und Bleistift

Die Delegation fand ein nachhaltiges und ökologisch wertvolles Eldorado für die sensible Insektenwelt. "Wir wollten das schon lange in Angriff nehmen. Jetzt hat es gepasst", freute sich Möhrlein über die hohe Beteiligung und gleichermaßen über das Wetter, das weniger sonnig erwartet wurde. Unter der herbstlich-warmen Sonne schauten sich die Vogel- und Umweltschützer nach Herzenslust gut drei Stunden auf den großen Wiesen- und Wildflächen um. Wache Blicke galten auch den Gewässern, denn am Seeufer vermutete die Fachschaft weitere Insekten aller Art. Mit Block und Bleistift bewaffnet suchten die Männer und Frauen intensiv die Grasflächen ab. Wie auch immer er es macht: Erwin Möhrleins Blick war wie bei allen Exkursionsteilnehmern zwar auch gen Erdboden gerichtet, gleichzeitig jedoch bestimmte er nahezu im Minutentakt jeden vorbeifliegenden Vogel über seinem Kopf namentlich.

Ansehnliche Ausbeute

Nach kurzer Zeit war die Ausbeute ansehnlich: Zu den auf den Schreibblöcken notierten, gezählten zehn Heuschreckenarten, den drei Libellenarten und den zwei Schmetterlingsarten gesellten sich dank Möhrleins doppelter Aufmerksamkeit 25 Vogelarten dazu. Der Exkursionsleiter war hellauf begeistert davon, im Moorbereich vier Greifvogelarten vorzufinden. Rotmilan, Mäusebussard, Sperber und Turmfalke waren zur selben Stunde auf der Jagd.

Als seltene Besonderheit konnte Möhrlein einen Eisvogel an der Stimme erlauschen. Er entdeckte vor allem viele Körnerfresser und freute sich über die regen Flugvorführungen von Mehl- und Tauchschwalben. Dass unter den Schmetterlingen nur der kleine Kohlweißling und die "Goldene Acht" (auch "Wiesengelbling" genannt) vorzufinden waren, sei normal zu dieser Jahreszeit. Wie vermutet seien nun Heuschrecken gut unterwegs, sagte Möhrlein. Die Heuschrecken bestimmte er über ihre außergewöhnliche Lautgebung.

Wertvoller Lebensraum

Beim Rundgang entlang am Wassergraben der Motto (Wehrturm) fand Möhrlein zur "Heidelibelle" und "Federlibelle" auch noch die "Große Pechlibelle". Wohlwollend stellten die Vogel- und Naturschützer fest, dass der Geschichtspark ausreichend Lebensraum für Insekten und Vögel bieten könne. Möhrlein regte am Ende der Exkursion an, weitere Wiesenflächen im Park mit insektenfreundlichen Blumen und Gräsern zu bepflanzen. Sinn mache es auch, die Inventarisierung der Insekten an Ort und Stelle jährlich zu wiederholen, um Bestandsvergleiche ziehen zu können, meinte er abschließend.

Im hohen Wiesengras fanden die Vogel- und Naturschützer besonders viele Heuschrecken.
Die "Große Pechlibelle" hat sich am Ufer des Wassergrabens versteckt. Erwin Möhrlein hat sie mit seinen "Adleraugen" dennoch entdeckt.
Die Exkursionsteilnehmer schauten nicht nur zum Boden. Mit dem Fernglas wurde auch der Himmel abgesucht zur Bestimmung der anwesenden Greif- und Singvögel.
Die "Goldene Acht", auch ""Wiesengelbling" genannt.
Erwin Möhrlein notierte sich die entdeckten Tiere nicht nur auf dem Schreibblock. Zur Katalogisierung fotografierte er auch alles, was nicht sofort wegflog oder davonlief.
Erwin Möhrlein (3 v. re.) freute sich über die rege Teilnahme von Mitgliedern aus den Kreisgruppen von Landesbund für Vogelschutz und Bund Naturschutz.
Rund um die Motto entdeckte Erwin Möhrlein Libellen und unterschiedliche Vögel. Den Eisvogel hat er zwar nicht gesehen, aber deutlich an seiner Stimme erkannt.

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