Johannes Heckmann ist seit fünf Jahren offiziell im Ruhestand. Der ehemalige Geschäftsführer der Amberger Firma Korodur muss nicht mehr jeden Tag ins Büro kommen. Dennoch verbringt der 79-Jährige weiterhin gerne Zeit an seinem Schreibtisch. „Wenn ich mir nichts anderes vornehme, bin ich täglich vier bis fünf Stunden hier“, erzählt Heckmann im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Aus dem Tagesgeschäft hat er sich jedoch weitestgehend zurückgezogen: Seine Kinder Nikola und Michael führen das Unternehmen mit Sitz im Industriegebiet Nord. Am Donnerstag feiert der gebürtige Oberbayer seinen 80. Geburtstag.
Robuste Industrieböden haben Korodur weltweit bekannt gemacht. Zu den Kunden zählen Großkonzerne wie Tesla, Zalando, Hornbach und Lidl. „Das sind wirklich beeindruckende Hallen“, sagt Heckmann und erinnert sich an den Besuch eines Logistikzentrums von Amazon in Frankreich. Insgesamt ist der Hartstoffboden auf mehr als 750 Millionen Quadratmetern verlegt – eine Fläche so groß wie die Stadt Hamburg. Allerdings hat auch Korodur die Corona-Pandemie zu spüren bekommen: „Wir haben in letzter Zeit natürlich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gemerkt.“
Zement aus Übersee
In den vergangenen zwei Jahren ging die ausgelieferte Fläche der Industrieböden zurück. „Wir liefern in rund 50 Länder auf der ganzen Welt“, erklärt der 79-Jährige, der das internationale Vertriebsnetz aufgebaut hat. Trotz der Flaute im Baugewerbe steht Korodur gut da – nicht zuletzt dank neuer Geschäftsfelder. Ein Spezialmörtel, der besonders schnell trocknet, gehört mittlerweile zu den Verkaufsschlagern. Das Material stammt aus Übersee: „Wir beziehen jede Woche einen Container mit Spezialzement aus den Vereinigten Staaten.“
Im Werk in Bochum-Wattenscheid entsteht daraus der fertige Spezialmörtel, der sogar in der Oberpfalz verwendet wird. Ein Beispiel: Die Franziskanergasse in Amberg galt einst als Holperstrecke. Fahrradfahrer mieden lange das unebene Granitpflaster. Die Stadt entschied sich schließlich, die Fugen am Fahrbahnrand mit dem Spezialmörtel zu verschließen. Bereits nach wenigen Tagen war die Strecke wieder freigegeben. „Das war nur möglich mit dem verrückten Zement aus Amerika“, sagt Heckmann. Seitdem können Amberger bequem zum Schrannenplatz radeln.
Test mit dem Panzer
Ursprünglich wurde das Material für das US-Militär entwickelt. Nach dem Einschlag von Bomben sollten Löcher schnell wieder geschlossen werden. Heute rollen Panzer auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr über den Spezialmörtel. „Wir sollten eine breite Fuge in einer Straße reparieren“, erinnert sich Heckmann an den Auftrag. Drei Panzerbesatzungen warteten während der Arbeiten auf ihren Einsatz im Gelände. Regen setzte ein, doch die Soldaten hatten es eilig. „Nach zehn Minuten sind sie einfach drübergefahren“, erzählt Heckmann und ergänzt: „Es hat alles gehalten.“
Nach dem Erfolg mit dem Spezialmörtel setzt Korodur nun auch auf neue Technologien wie den 3D-Druck. Statt Mauern Stein für Stein zu bauen, druckt eine riesige Maschine ganze Bauteile oder sogar Häuser aus Beton. Der Vorteil solcher Projekte: „Es macht dich interessant und glaubwürdig für andere Kunden.“ In Neuseeland seien laut Heckmann bereits mehrere Bungalows auf diese Weise entstanden. Immobilien aus dem Drucker werde es in Deutschland jedoch so schnell nicht geben. „Es ist schwierig wegen der Bürokratie, deshalb machen wir das bislang nur im Ausland.“
Plötzlich Geschäftsführer
Heckmann erinnert sich noch gut an seinen ersten Arbeitstag, der mehr als fünf Jahrzehnte zurückliegt. Damals kaufte Dieter Heckmann, Geschäftsführer der Amberger Kaolinwerke, das Unternehmen mit Sitz in Berlin. Korodur spezialisierte sich auf die Produktion von hochbelastbaren Industrieböden. Sein Bruder Johannes sollte direkt als Geschäftsführer einsteigen. Der damals 25-Jährige stand kurz vor dem Abschluss seines Studiums in Betriebswirtschaftslehre. Werner Westphal sollte ihn mehrere Jahre an seine neue Aufgabe heranführen.
Doch dazu kam es nicht: Der Firmengründer verstarb überraschend an Krebs. „Ich wurde richtig reingeworfen, aber meine Zusage stand ja schon“, sagt Heckmann heute über die Situation. Beinahe ohne Berufserfahrung übernahm er die Leitung des Unternehmens. Er entschied sich bewusst gegen die luxuriöse Limousine seines Vorgängers: „Ich bin nicht ein einziges Mal in dem Auto gesessen.“ Auf einen Platz im großen Büro des verstorbenen Chefs verzichtete Heckmann ebenso. Stattdessen stellte er seinen Tisch gegenüber seinem Verkaufsleiter auf und hörte den Gesprächen mit Kunden zu.
Benachbarte Büros
Seine Kinder nutzten später eine ähnliche Strategie. Ende der 1980er Jahre verlegte Heckmann den Firmensitz nach Amberg. Zunächst in die Welserstraße und im Jahr 2000 dann ins Industriegebiet am Stadtrand. Nikola und Michael arbeiteten bereits mehrere Jahre im Unternehmen ihres Vaters, bevor sie in die Geschäftsführung aufstiegen. Die Büros des neuen Führungsduos und des Seniorchefs liegen direkt nebeneinander – die Tür stand immer offen. „Wenn ich mit Kunden telefoniert habe, bekamen sie das direkt mit“, erzählt der 79-Jährige.
Mittlerweile ist die Übergangszeit vollständig abgeschlossen. Im kommenden Jahr feiert Korodur das 90-jährige Bestehen. Der Seniorchef sieht die Zukunft seines Unternehmens in besten Händen: „Ich verlasse mich auf Nikola, Michael und unsere Mitarbeiter.“
Zur Person: Johannes Heckmann
- 1945: Geboren am 25. September in Bad Reichenhall
- 1952: Umzug nach Nürnberg
- 1964: Abitur an der Hans-Sachs-Oberrealschule
- 1970: Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Friedrich-Alexander-Universität
- 1970: Geschäftsführer der Korodur Westphal Hartbeton GmbH & Co. KG
- 1971: Hochzeit mit der gebürtigen Hirschauerin Inge
- 1976: Geburt von Sohn Tobias
- 1978: Geburt von Tochter Nikola
- 1978: Umzug nach Amberg
- 1984: Geburt von Sohn Michael






















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