14.02.2019 - 11:04 Uhr
BärnauOberpfalz

Wenn der "Hodermoa" kommt

"Fosnat" ist im Egerland zu allen Zeiten gefeiert worden. Traditionell werden auch Hochzeiten in den Fasching gelegt.

In Sandau, zwischen Eger und Marienbad, wurden im Zug der „Maschkaran“ (Maskierten) auch Wägen oder „exotische Tiere“ mitgeführt, wie dieser riesige selbstgebaute Elefant.
von Rainer ChristophProfil

Die "Fosnat" war eines der Hauptfeste im vergangenen Jahrhundert im Egerland, in manchen Orten reichte sie mit einem "Fosnattanz" über den Aschermittwoch hinaus. Am Freitag wurde dann erst die Zeche bezahlt und beim Wirt der "Kehraus" gefeiert. Auf Maskerade wurde nicht so viel Wert gelegt wie im benachbarten Bayern. Fröhlichkeit und Ausgelassenheit litten jedoch nicht darunter.

Und die Oma im Baderwinkel mahnte: "Kinder, einmal im Jahr müsst ihr auf Fasching gegangen sein - das bringt das ganze Jahr Glück." Neben der Musik gehörten vor allem die "Käichla" dazu. Bei der tschechischen Bevölkerung waren und sind traditionelle Speisen an Fasching ("Masopost") neben "jelito" (Blutwurst) und "jitrnice" (Leberwurst) auch süße "koblihy" (Krapfen, Pfannkuchen). Der Fasching im tschechischen Böhmen war auf dem Lande traditionell auch eine Zeit der Hochzeiten. Der Mai dagegen war verpönt. In diesem Monat zu heiraten, bringe Unglück. Manche beherzigen das heute noch.

In Hinterpaulusbrunn an der böhmischen Grenze erschien "die Fosnat" persönlich in Gestalt des "Hodermoa" (Lumpenmann), eine aus Lumpen hergestellte, lebensgroße Puppe. Drei Tage saß sie im First eines Hauses. Bei den Tschechen gab und gibt es den Brauch auf dem Land noch immer. Eine Strohpuppe verkörpert, was die Vorfahren unter der Leben spendenden Kraft verstanden. Die Bäuerinnen reißen daraus Halme und legen sie in die Ställe der Gänse und Hühner, damit es ihnen in dem Jahr gut geht.

In Vorderpaulusbrunn hatte sich der "Hodermao" auf der Tanzfläche des Musikpodiums breitgemacht. Nach dem Genuss einiger Biere und nachdem der Spaß seinen Höhepunkt erreicht hatte, kletterte der eine oder andere Bursch hinauf, packte die Puppe und tanzte wie wild seine Runden mit ihr. War sie am Faschingsende total ramponiert, wusste jeder im Dorf: "Des woar heuer a schoine Fosnat."

In Plan bei Marienbad gab es einen "Maschkara"-Umzug. Häufig waren es einfache Gesichtsmasken aus Papier oder Pappe. Andere klebten sich eine falsche Nase an oder einen Bart, zogen einen alten Männer- oder Frauenrock an. In Sandau, auf dem Weg von Eger nach Marienbad, wurden im Zug der "Maschkaran" (Maskierte) auch Wägen oder gebastelte "exotische Tiere" mitgeführt.

Der Faschingsmontag wurde im Egerland auch "Feister Montag" genannt. An diesem Tag wurde seit alters her besonders viel gegessen und getrunken. In den Ortsteilen der Gemeinde Paulusbrunn und vielen anderen kleinen Orten, so erzählte zum Beispiel der böhmische Großvater von Ingrid Leser aus Bärnau, zogen die Burschen in Musikbegleitung von Tür zu Tür und baten um einen Obolus für die Musikunterhaltung. Neben Geld waren auch Geselchtes oder Eier beliebt.

Die "Foasnatnarrn" hatten sich für den Umzug herausgeputzt. Verkleidet als Kaminkehrer, versuchte einer zum Beispiel mit seiner Leiter unter dem Gelächter den Umstehenden auf den Rücken eines Zuschauers zu steigen. Aufgemalte Schnurrbärte oder Larven vor dem Gesicht, mal lustig, mal grausig - alles war selbst gemacht. Auch dieser Brauch ist im tschechischen Kernland auf dem Land bis heute verbreitet. Bei den Umzügen an "Masopost", die der Bürgermeister genehmigen muss, ziehen die Maskenträger von Haus zu Haus. Überall gibt es etwas zu essen: Faschingskrapfen oder Brot mit Schmalz und Zwiebeln. Und natürlich wird auch getrunken - vor allem Schnaps. Nach einer Weile hat jeder mindestens einen schwarzen Strich auf seiner Wange. Die Schornsteinfeger sind dafür zuständig. Gelegentlich tauchte ein Bärentreiber zum Spaß der Zuschauer auf und trieb einen "Boum" (Buben) als Bär verkleidet herum.

Der Abend gehörte den Erwachsenen. Vereine, wie Feuerwehr oder Sportverein, hatten Tanzabende in Wirtshäusern organisiert. Es ging ausgelassen zu. Die Ballkönigin eröffnete den Tanz. Neben Spaß und Narretei gab es besondere Tänze, wie den "Pölsterltanz" und "Besentanz", den "Korbwalzer" und den "Kusswalzer". In der Planer Gegend begann vor Mitternacht ein besonderer Brauch, das "Schliagln". Dabei wurden die Mädchen angehalten, mit einem kleinen Geldbetrag zu helfen, die Kosten der Veranstalter mitzutragen.

Der Faschingsdienstag war auch im Egerland der Höhepunkt der Faschingszeit. Da gab es Umzüge und Tanz (Lumpenball, Besentanz). In Paulusbrunn ging das Spektakel um 13 Uhr mit Blasmusik los. Was bei uns das Prinzenpaar ist, war dort der Platzknecht und die Platzmagd. Sie wurden ein paar Wochen vorher von der Jugend im Ort bestimmt. Vom Elternhaus der Platzmagd ging es nach einer zünftigen Bewirtung ins Wirtshaus. Davor warteten schon die neugierigen Kinder. Nach den Eröffnungstänzen der beiden Auserwählten durften alle anderen zum Tanz bitten. Mit großen Augen schauten die Kinder zum Fenster hinein. Bis 1914 hatte das Folgen. Es wurde vom Lehrer verboten. Wer erwischt wurde, bekam eine schlechte Sitten-Note. Der Tanz zog sich, aufgelockert durch lustige Spielchen, bis tief in die Nacht hinein.

Ein weitere Brauch ist bekannt: Die Tauben wurden an diesem Tag nur durch ein Astloch im Taubenschlag gefüttert. Es sollte sie davor schützen, dass sie im kommenden Jahr nicht vom "Hacht" (Habicht) geholt würden.

Nicht selten herrscht bei uns die Meinung vor, Fasching hätte im Nachbarland keinen Stellenwert. Im Gegenteil. Fasching hat in den böhmischen Ländern eine sehr lange Tradition. Selbst die Kommunisten störte der Karneval nicht, er durfte nur nicht politisch werden. Unterdrückt wurden vor allem Feste mit christlichem Hintergrund. "Masopost" wurde meist von einem dörflichen Verein organisiert, etwa von der Freiwilligen Feuerwehr - und so hat er die kommunistische Zeit bis heute recht lebendig überstanden. Ein Blick in die kleine Stadt Cerhovice zwischen Pilsen und Prag zeigt, dass dies stimmt. Die dortige Zakladni skola, Partnerschule der Max-Reger-Schule Weiden, unterhält am Faschingsdienstag die gesamte Gemeinde. Mit einem Faschingszug geht es zum Marktplatz bei der Kirche. Ist es kalt, wird Glühwein verkauft. Dazu gibt es traditionelles böhmisches Gebäck. Nahezu die ganze Ortschaft ist dabei auf den Beinen. (cr)

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