01.08.2019 - 17:10 Uhr
BärnauOberpfalz

Jutta Kohlbeck zeigt Knopfkunst und Kunstquilts

Handgewickelte Posamentenknöpfe als Schmuckelemente und genähte Kunstquilts als Bilder bestimmen den Sonderausstellungsraum im Deutschen Knopfmuseum. Jutta Kohlbeck stellt dort bis zum Saisonende am 28. Oktober aus.

Jutta Kohlbeck aus Regensburg zeigt im Knopfmuseum Posamentenknöpfe und Kunstquilts.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Ich lade Sie ein in meine Welt aus Emotionen, Spielereien und Geschichten. Ich lade Sie ein in eine Welt aus Stoff und Faden, ergänzt durch Zeichnung und Malerei. Meine Arbeiten spiegeln eine eigene, innere Welt in Wahrnehmung und Sicht der Dinge wider, setzen sich mit kritischem Blick mit zeitpolitischen Themen auseinander oder widmen sich dem Zauber des Augenblicks." So wirbt Jutta Kohlbeck aus Regensburg für ihre erste Ausstellung in der Region, im Deutschen Knopfmuseum. "Vor 15 Jahren habe ich entdeckt, dass man mit der Nähmaschine freihandzeichnen kann", erzählt die Künstlerin. Sie habe schon immer viel gezeichnet, vorzugsweise mit Farbstiften und Tusche, verrät sie weiter. Als sich die gelernte Erzieherin für die Erziehung des eigenen Sohnes nach Hause zurückzog, habe sich praktisch ganz von selbst die Kunst in ihr Leben gemischt. Autodidaktisch brachte sich Jutta Kohlbeck das Nähen bei. Primär sei es damals darum gegangen, Kinderkleidung für den Eigenbedarf zu fertigen. Damals habe sie sich auch schon ein wenig mit Patchwork beschäftigt. "Davon bin ich aber schnell wieder weggekommen", erzählt sie. "Quadrate zuschneiden, das war einfach nicht mein Ding."

Freie Arbeiten

Freies arbeiten und daraus Bilder machen, ist es, was sie will - was sie tut. "Das ist wie zeichnen, aber mit Stoff. Klassische Patchwork-Quilts seien nur der Beginn gewesen. Von diesen traditionellen Stücken, die vornehmlich als Decken verwendet werden, sei sie schnell wieder abgekommen. Bei der Präsentation, die die Künstlerin mit, "Unikate - Knopfkunst und Kunstquilt" überschrieben hat, sind dennoch einige wenige solcher Stücke aus der Anfangszeit zu sehen.

Im Raum sind die Werke chronologisch von rechts nach links aufgehängt. Dabei werden die eklatanten Unterschiede von vor 15 Jahren zu heute deutlich. "Haut(e) Couture" etwa hat nichts mit maßgeschneiderten Damenkleidern aus hochwertigsten Materialien zu tun, sondern befasst sich mit dem Fluch und Segen der Schönheitschirurgie. Darin ist neben allen möglichen Materialien Filz verarbeitet, ein Werkstoff, mit dem die 50-Jährige gerne arbeitet. Eine andere Arbeit ist mit "Seeleninfarkt" tituliert.

Weg vom Nützlichen

"Alles was weg ist, von dem was nützlich ist und nicht mehr als Decke verwendet werden kann", bezeichnet Jutta Kohlbeck als Kunst-Quilts. Diese Art von Bildern definiere einen neuen Bereich in der Textilkunst, der immer mehr im Kommen sei, sagt sie. Sie wolle sich noch mehr lösen vom traditionellen Patchwork, eigene Wege gehen, auch mit anderen Materialien, wie etwa mit Papier, das sie foliert und somit vernähbar macht. Ein Quilt sei in der Weise charakterisiert, dass er mindestens zwei- oder dreilagig ist, immer eine Oberseite, eine Füllung und eine Rückseite hat. "Deshalb bezeichne ich das auch nicht als Textilkunst, sondern als Kunstquilt. Die kleineren Exemplare rahmt Jutta Kohlbeck wie Bilder, die großen sind als Wandbehänge präsentiert.

Textiles Arbeiten biete viel mehr Möglichkeiten, als zum Beispiel nur mit Acrylfarbe zu malen. Oft arbeitet die Künstlerin mit mehr als drei Lagen. In ihren aufwendigen Kunstquilts finden sich unter anderem Pailletten, Perlen, gezeichnete Motive, die sie einscannt, ausdruckt, foliert und schließlich aufnäht und noch vieles mehr. "Was hier bei der Ausstellung zu sehen ist, ist ein Querschnitt meines Schaffens während der vergangenen 15 Jahre", stellt die Künstlerin fest. Vor zwei Jahren entdeckte sie für sich die Knopfkunst. "Seither habe ich fast jeden Tag mindestens einen Posamentenknopf gemacht." Ausschlaggebend dafür sei das Buch "Die bunte Welt der Knöpfe" gewesen. Darin war auch eine Anleitung von der Trachtenkulturberatung Schwaben zum Wickeln zu finden. "Mit der nahm ich Kontakt auf, weil sie ein eigenes Posamentenknopfbuch herausgegeben hat. Daraus lernte ich, dass der Körper eines Posamentenknopfes meist aus einer Holzscheibe besteht."

Alle Größen

Die gibt es in allen erdenklichen Größen, glatt oder gewölbt, mit oder ohne Loch. Diese Löcher dienen ausschließlich zum Halten des Rohlings mit Spezialwerkzeug. Angenäht werden Posamentenknöpfe über einen kleinen Steg auf der Rückseite, direkt durch das Gewebe. Die Herstellung eines solchen Knopfes per Wicklung mit Häkelgarn dauert von 40 Minuten bis zu 12 Stunden. Bei allem was Jutta Kohlbeck in ihrem künstlerischen Schaffensprozess herstellt, sind ihre Zeichnungen die eigentlichen Grundlagen, verrät sie. Sie zeichnet vorzugsweise mit Tusche und Farbstiften, seit sie ein kleines Kind war. Linoldrucke sind auch ein Feld, mit dem sie sich angefreundet hat. "Für mich sind auch die Knöpfe ein Bild, die Fäden entsprechen dabei den Linien beim Zeichnen.

Der Wahlspruch der Künstlerin: "Kunst findet nicht nur in Akademien statt. Kunst ist da, wo sich Menschen mit ihren eigenen Händen und ihrem eigenen Kopf auf den Weg machen." Ehemann Herbert Kohlbeck spielt in einer Band, die sich dem klassischen Hardrock der 1970er Jahre verschrieben hat. Die vier Jungs von "Doc heR bRAIN" spielen ausschließlich Eigenkompositionen. Als Duo mit Herbert Kohlbeck und Stefan Schmidt ist die Band bei der Vernissage am Samstag zu hören.

„Ticket to flow“ versteht die Künstlerin als Hommage an Kunst und Handwerk.
Eigene Malereien sind meist der Schlüssel zum Erfolg. An diesem Beispiel ist zu erkennen welchen Einfluss die beiden Bilder auf die Posamentenknöpfe genommen haben.
Bevor der Aufbau mit einer Plexiglashaube verschlossen wird, fotografiert Jutta Kohlbeck das Arrangement.
"Innere Schönheit".
Menschen dicht an dicht im kühlen Nass – Symbolbild für den Sommer 2019.
Den Artquilt „Haut(e) Couture“ hängen Jutta und Herbert Kohlbeck gemeinsam auf.

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