14.11.2021 - 08:55 Uhr
BärnauOberpfalz

Kleine und große Schätze an Klosterarbeiten und Volkskunst

Anni Mark aus Wildenau zeigt im Deutschen Knopfmuseum zu ihrem 70. Lebensjahr in einer Jubiläumsausstellung über 130 Klosterarbeiten und Volkskunst-Arbeiten aus 25 Jahren Schaffenskraft.

von Ulla Britta BaumerProfil

Kunsthandwerkerin Anni Mark und Museumsleiterin Andrea Bäumler haben alle Hände voll zu tun. Der Großteil der Vitrinen im Ausstellungsraum des Deutschen Knopfmuseums ist bereits bestückt mit vielen Exponaten für die Sonderausstellung "Klosterarbeiten und Volkskunst". "Jetzt habe ich daheim gar nichts mehr", seufzt Anni Mark zufrieden.

Ausstellung des Lebenswerks

Für die 70-jährige Wildenauerin ist die Ausstellung ihrer Werke in dieser Größenordnung die umfangreichste, die sie jemals in ihrem Leben gezeigt hat. Und es ist im Grunde auch ihre ganz persönliche Jubiläumsausstellung. Anni Mark zeigt ihr Lebenswerk aus 25 Jahren Kunsthandwerk. Wie viele Stunden die überaus kreative und fleißige Wildenauerin an ihren Klosterarbeiten und den Exponaten aus der Volkskunst gearbeitet hat, kann nur erahnt werden. Für den Laien ist es unvorstellbar, derart feinste Werke aus dünnen Drähten, Seide, Miniaturperlen, winzigen Glassteinchen und anderen Materialien zustande zu bringen.

Anni Mark muss unendlich viel Geduld haben und ein absolut ruhiges Händchen haben. Sonst wäre es unmöglich, aus winzigen Teilchen herrliche, glitzernde und glänzende Klosterarbeiten zu zaubern. Bescheiden sagt Anni Mark von sich, sie sei keine Künstlerin. Denn sie habe ihr Handwerk nicht studiert. Sie steht aber kein bisschen anderen Fachfrauen in ihrem Metier nach. Alles, was sie zu zeigen hat, erlernte sie mit Fleiß, immer wieder neuen Schulungen und Kursen sowie dem Austausch von Erfahrungswerten mit Gleichgesinnten.

Beim Rundgang durch die Ausstellung, die noch nicht ganz fertig ist, erklärt Mark Details aus den Techniken, die sie anwendet, wo sie die Materialien bekommt und wie sie vorgeht bei der Arbeit. Stolz erzählt sie von ihrem Mann, der ihr als Schreiner unter anderem die Gehäuse der kleinen Altäre baut oder von ihrem Neffen, einem Kirchenmaler in Wien, der ihr manches Exponate mit seinen Malereien verfeinert oder schon einmal einen Hintergrund vergoldet oder versilbert. Kreativität ist in der Familie Mark daheim. Wer davon profitiert, ist der Besucher, der sich Anni Marks Ausstellung anschauen möchte. Ein wenig Zeit sollte allerdings mitgebracht werden.

Filigrane Klöppelspitzen

Bei dieser Sonderausstellung mit Titel "Klosterarbeiten und Volkskunst" sind es die Details, die nicht übersehen werden sollten. Feinste Blüten, kleine Blätter, Schnörkelchen aus Golddraht und oftmals als Hintergrund filigrane Klöppelspitzen machen die Exponate zu wahren Schätzen. Auch die Klöppelarbeiten fertigt die Wildenauerin selbst. Wer sich für ihre Arbeiten interessiert, den verblüfft sie damit, dass sie sogar zur Gemüsegärtnerin wird, geht es um außergewöhnliche Zutaten für ihre Kunst. Für die Rosenkränze hat Anni Mark "Monstranzbohnen" verwendet. Tatsächlich handelt es sich dabei um eine besondere Bohnenart, die nach einer Legende dort gewachsen sein sollen, wo ein Bauer während des Ersten Weltkrieges 1918 eine gestohlene Monstranz vergraben in seinem Acker fand. Zehn dieser Bohnen hat sich Anni Mark besorgt. "Das war nicht leicht, aber ich habe sie", sagt sie verschmitzt. Sie hat die Bohnen gepflanzt und weil es sich um Wintergemüse handelt an einem Novembertag geerntet. "Mein Mann hat mir dann Löcher gebohrt zum Auffädeln", erklärt Mark weiter. Natürlich sind auch diese Löcher in den Bohnen "vom Feinsten", wie alles, was die Künstlerin in die Hand nimmt. Wenn sie von "Breverln", "Krüllarbeiten" oder anderen Techniken erzählt wie einem Golddraht, der dünner als ein Millimeter gewickelt zu Blättern und Blüten wird, wird einem ganz schwindelig von diesen Miniaturen, die schöner nicht sein könnten. Zu den Klosterarbeiten weiß Anni Mark aus der Historie, dass sie einst den Klosterfrauen und -männern zur Meditation dienten. "Gebete mit Händen" sollen sie sein, was man durchaus verstehen kann. Volkskunst dagegen, die Anni Mark auch beherrscht, sei kitschig. So beschreibt es die Künstlerin selbst und steht zu diesem Kitsch, der ebenfalls seinen Reiz hat.

Bis Ende Oktober zeigte Michael Voigt. seine "Knopfbilder"

Bärnau
Hintergrund:

Ausstellung "Klosterarbeiten und Volkskunst"

  • Die Ausstellung kann am 20. und 21. November sowie an allen vier Adventwochenenden und am 2., 6. und 9. Januar besichtigt werden.
  • Infos gibt es beim Deutschen Knopfmuseum Bärnau, Telefon 09635/92 03 99 oder per E-Mail an info[at]deutsches-knopfmuseum[dot]de.

 

 

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