Unzählige Leute haben die Jahrhunderte alte Allee hinauf zur Steinbergkirche schon passiert - Wallfahrer, Brautpaare, Spaziergänger. Doch es kommen auch Menschen mit bösen Absichten. Metalldiebe machten sich irgendwann vor dem 9. Februar an den historischen Kreuzwegstationen entlang der Baumreihen zu schaffen, köpften die gusseisernen Kreuze von den Granitstelen. Die Tat sorgt auch zwei Wochen nach der Anzeige für Bestürzung.
"Nur Kopfschütteln", berichtet Bürgermeister Alfred Stier von den Reaktionen in der Stadt auf die Diebstähle am Aufgang zur Steinbergkirche. Hinweise auf den oder die Täter gibt es bislang nicht – trotz der Auslobung von 5000 Euro Belohnung, die Stier spontan aus dem Stadtsäckel zur Verfügung gestellt hat. "Wir würden das Geld gern ausgeben", bekräftigt der Bürgermeister. Allerdings schwindet die Hoffnung, die Unbekannten zur Verantwortung ziehen zu können: "Da müsste schon ein Mitwisser auspacken."
Vergleich mit alten Bildern
Neuigkeiten hat Stier trotzdem. Zum einen gibt es eine neue zeitliche Eingrenzung der frevelhaften Tat: Es habe sich eine Dame gemeldet, die vor Kurzem mit dem Hund in der Nähe der Wallfahrtskirche in Grenznähe spazieren gegangen sei. Demnach war am 4. Februar, einem Dienstag, noch alles in Ordnung mit den Kreuzwegstationen. Und ein wichtiges Detail ergab sich beim Vergleich der beschädigten Granitsäulen mit alten Bildern. Die Stelen waren nicht nur mit Kreuzen gekrönt, sondern zum Schutz vor Witterungseinflüssen auch mit Kupferblechen bedacht. Die fehlen nun komplett.
Offenbar hatten es die Diebe in erster Linie auf dieses Metall abgesehen, das wertvoller ist als die Kreuze aus Gusseisen. Das bestätigt Günther Burkhard, Leiter der Polizeiinspektion Tirschenreuth. Für diese Vermutung würde auch sprechen, dass die Täter zwei der abgeschlagenen Kreuze am Steinberg zurückgelassen haben. Vielleicht haben die Unbekannten hinter den golden angestrichenen Symbolen anderes Material vermutet. Während Gusseisen einen Schrottwert von wenigen Cent pro Kilo hat, sind mit Kupfer, Messing oder Bronze etliche Euro zu erzielen.
Polizei: Verdächtiges sofort melden
"Wir sind weiter für Hinweise dankbar", appelliert der Polizeichef, verdächtige Beobachtungen möglichst sofort mitzuteilen. Autos oder Personen, die zu ungewöhnlichen Zeiten an ungewöhnlichen Orten auftauchen – die Ermittler sind laut Burkhard auf Tipps aus der Bevölkerung angewiesen. "Ein verdächtiges Auto kann, muss aber kein tschechisches Kennzeichen haben", betont der Inspektionsleiter. "Wir werden polizeiliche Maßnahmen ergreifen und die Überwachung verstärken", kündigt er als Reaktion auf die jüngste Diebstahlserie in der nördlichen Oberpfalz an, ohne Einzelheiten zu verraten.
Tatsächlich gab es im Januar und Februar auffallend viele Meldungen von gestohlenen Werkzeugen und Dachrinnen auch im Landkreis Tirschenreuth. Auf Kupferrohre und -bleche abgesehen hatten es Unbekannte in den vergangenen Wochen zum Beispiel in Schwarzenbach, an einer Kapelle bei Beidl und an der Aussegnungshalle in Tirschenreuth. In Ellenfeld wurde kürzlich ein Paar mit offensichtlichem Diebesgut wie Werkzeugen im Kleinlaster festgenommen.
Stadtrat entscheidet
Wie geht es nun weiter mit den beschädigten Kreuzwegstationen in Bärnau? "Sie müssen wieder instand gesetzt werden", kündigt der Bürgermeister eine Entscheidung demnächst im Stadtrat an. Denn die Stadt ist Eigentümerin des Geländes mit der Kreuzwegallee und den amtlich registrierten Baudenkmälern aus dem Jahr 1860. "Es ist ein Riesenschaden entstanden. Zur näheren Schätzung brauchen wir einen Steinmetz", sagt Alfred Stier. Die Polizei ging zunächst von einem fünfstelligen Euro-Betrag aus. Die bunt bemalten Bilder mit den Kreuzwegszenen - laut Denkmalliste handelt es sich um Blechreliefs – scheinen unangetastet zu sein. Doch durch das brachiale Vorgehen beim Entfernen der Kreuze und Kupferabdeckungen entstanden gravierende Schäden an den Granitsäulen.
"Wie kann man so etwas nur machen?" Auch Bärnaus Stadtpfarrer Konrad Amschl ist immer noch schockiert vom Vandalismus am Steinberg. Die Reaktion in der Pfarrgemeinde reiche von Unverständnis bis Entsetzen. "Wir haben auch im Pfarrbrief um Hinweise gebeten", schildert der Geistliche. "Leider bisher ohne Erfolg." Für die Reparatur der historischen Kreuzwegstationen ist die Kirche zwar nicht zuständig, aber für die ursprüngliche Nutzung. Und die soll unabhängig vom Zustand der Stelen auch 2025 beim traditionellen Karfreitags-Kreuzweg auf dem Steinberg gewährleistet sein, versichert Amschl: "Natürlich. Gerade extra!"
Wallfahrtskirche und Kreuzweg
- Lage: An der Goldenen Straße nach Tachov, östlich von Bärnau kurz vor der tschechischen Grenze
- Name: Zum gegeißelten Heiland, Wieskirche, Steinbergkirche
- Ursprung: Hölzerne Kapelle 1756 erbaut, 1774 zur Kirche erweitert, lokal bedeutender Wallfahrtsort
- Kreuzweg: 1860 entlang der schon bestehenden Allee errichtet, Bildtafeln um 1970 erneuert






















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