11.07.2019 - 10:57 Uhr
BärnauOberpfalz

Mystischer Kraftort für Gläubige

Die Steinbergkirche „Zum gegeißelten Heiland“ liegt direkt am Grenzkamm zu Tschechien und ist Wallfahrts- und Begegnungsort für Bärnau und die Sudetendeutschen.

Die Kirche ist normalerweise verschlossen. Durch das Gittertor kann man den gesamten Innenraum überschauen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wer die verwitterten Holztreppen zum Freialtar der Wallfahrtskirche am Steinberg hinabschreitet, begeht einen Weg, der steiniger nicht sein könnte. Die 1768 erbaute Steinbergkirche heißt nicht umsonst „Zum gegeißelten Heiland“. Das Gotteshaus liegt an einem Ort, der viel Leid erleben musste. Flüchtlinge zogen hier vorbei, Landesgrenzen trennten sich liebende Menschen, Soldaten wurden im Krieg ermordet, nach der Grenzöffnung vor 30 Jahren waren es die Schleuser, die grausamen Menschenhandel in der Nähe der Kirche heimlich im dunklen Wald betrieben.

Felsenfest hat das Gotteshaus große und kleine Stürme der Zeitgeschichte überstanden und ist heute noch Zufluchtsort für jene, die Gott ihre Sorgen unter einem gesegneten Dach mitteilen wollen. Inzwischen liegt die Steinbergkirche an der Umgehungsstraße zu Tschechien. Urlauber, Handelsreisende, Holzlaster, Casino-Besucher und andere rasen über Bärnaus „Highway“ gen Nachbarland vorbei, lassen das Kirchlein links liegen. Manchmal stoppt ein Fahrer, um sie sich anzuschauen und findet einen stillen, mystischen Ort, einen Kraftort.

Pfarrer Johann Hofmann bedauert es, dass die Steinbergkirche nicht vor dem Pfarrhof renoviert wurde. "Aber sie hat ein stabiles Dach und ist bereits außen saniert", ist er froh, dass wenigstens keine Verfallerscheinungen auftauchen.

Geistliches Kleinod

Durch das versperrte Eisenportal kann man den Innenraum überschauen bis zum Altar vor. „Wir haben so viele Kleinode“, sagt Bärnaus Pfarrer, Johann Hofmann. Er eilt kurz in die Sakristei, um den Strom abzulesen. Eine banale Sache, die auch erledigt werden muss. Hofmann bedauert es, für seine Gotteshäuser wenig Zeit zu haben.

Am Steinberg begann alles mit einer Holzkapelle, wie so oft. 1774 konnte nach einer Bauzeit von 1765 bis 1768 die Kirche eingeweiht werden. Es sollte ein Wallfahrtsort sein nach der Brandkatastrophe 1685. Die Wallfahrt nach „Heiligen“ (bei Tachau) zu den 14 Notheiligen im Paulanerkloster war nicht mehr möglich, Kaiser Joseph II. hat sie verboten. Die Kapelle „Zum gegeißelten Heiland“ sollte dies ersetzen.

1982/83 gab es eine Generalsanierung. Die herrliche Baumallee mit den Kreuzwegstationen von Bärnau hinauf ist ein Naturdenkmal und wird genutzt. Der Wallfahrtsweg ist quasi auch ein Stückchen der berühmten „Goldenen Straße“, die Richtung Böhmen führte und heute wieder im Tourismus einen Namen hat. Das Gnadenbild am Altar zeigt den gegeißelten Heiland an der Kette mit blutigen Wunden am Körper. Es ist ein sogenannter österreichischer Typ eines Wiesheilands.

Das Bild des gegeißelten Heilands am Altar.
Der Kreuzweg von Bärnau kommend durch die Baumallee ist ein Naturdenkmal.
Auch die Kreuzweg-Tafeln haben eine lange Tradition.

Nur als Wallfahrtsort

Früher durfte die Kirche nur für Wallfahrten genutzt werden. Die Diözese Regensburg verbot beim Bau die Seitenaltäre. Der Hochaltar wurde in Tirschenreuth gefertigt, berühmte Stiftländer Künstler wie Maurus Fuchs haben Ölbilder gemalt. Rechts neben dem Altar stehen auf einem Regal herrlich gefertigte Feiertagskerzen. „Sie wurden von den Gläubigen gestiftet“, erklärt Pfarrer Hofmann. Andachten, Hochzeiten oder kleine Feiern würden hier abgehalten.

Die größte Menschenansammlung erlebt die Steinbergkirche zum traditionellen Bergfest. Im Jahr 2017 wiederholte sich das Fest zum 230. Mal seit dem Brand. Es ist auch das Heimattreffen der vertriebenen Paulusbrunner und der umliegenden Orte in Tschechien.

Immer am zweiten Sonntag im Juli findet das Fest draußen vor der Kirche statt. Dann stehen oder sitzen die Wallfahrer auf der verwachsenen Tribüne zwischen den hohen Bäumen oder auf der Treppe zum Altarplatz. An diesem Tag wird die verwunschene Steinbergkirche wie einst mit Leben erfüllt. Wenn auch weniger Festgäste kommen, weil es nicht mehr viele Vertriebene gibt, bleibt das Bergfest bei der Kirche „Zum gegeißelten Heiland“ eine schöne Bärnauer Tradition.

Wenn die Wallfahrt zum Bergfest stattfindet, versammeln sich die Gläubigen am Außenaltar hinter der Kirche zum Gebet. Auch das Fest findet draußen rund um die Steinbergkirche statt.
Eine verwitterte Holztreppe führt einen kleinen Hügel hinab zum Freialtar.
Viele Feiertagskerzen werden der Pfarrei gestiftet, Pfarrer Johann Hofmann stellt sie auf das Regal der Steinbergkirche, wo sie den Altarraum schmücken.

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