02.07.2018 - 17:26 Uhr
BärnauOberpfalz

Leben der Vorfahren beleuchtet

Leben im Mittelalter: Das klingt romantisch, ist es aber nicht. Wie's wirklich war, zeigte der Geschichtspark Bärnau-Tachov am Wochenende im Rahmen der "Slawentage".

Nur die Flöte ist nicht ganz authentisch. Es handelt sich schlicht und einfach um eine gewöhnliche Schulflöte aus der Neuzeit. Aber schön anzuhören war sie natürlich trotzdem.
von Ulla Britta BaumerProfil

(ubb) Es war einmal vor langer, langer Zeit, da bevölkerten die Slawen das Stiftland und das angrenzende Böhmen. Zu dieser Zeit gab es weder Handy noch Kaffeemaschine oder Plastik und noch nicht einmal eine "anständige" Baumaschine. Die Menschen machten alles per Hand und sie machten es gut. Mächtige Burganlagen entstanden, ganze Städte und mehr.

Mühevolle Kleinarbeit

Wie das ging, wurde im Freilandmuseum bei den Slawentagen erklärt. Eine kleine Version einer Burg baut der Geschichtspark Bärnau-Tachov dort in mühevoller Kleinarbeit authentisch nach. Aber nicht nur das war geboten. Mittelalterliche Darsteller zeigten, wie Schuhe, Kleidung, Hausrat und anderes aus Naturmaterialien hergestellt und gepflegt wurden. Die Akteure färbten mit der Pflanze "Krapp" und stellten Frischkäse her.

Hauptact war das erstmalige Anschüren des Kalkbrennofens. Handwerker haben diesen Ofen in anstrengenden Wochen und Monaten wie im Mittelalter gebaut. Auf das Ergebnis sind die Beteiligten sehr stolz. Kein Wunder: Das Bauwerk sieht nicht nur gut aus, es funktioniert auch wie einst. Steinmetz und Bildhauer Robert Mois aus Ilsenbach, einer der Handwerker, erklärte den Parkbesuchern immer wieder, wie der Ofen funktioniert und warum er so wichtig ist für den Bau der Geschichtspark-Burg.

Im Kalkbrennofen, so Mois, werde Mittelalter-Mörtel für den Bau der Burg hergestellt. Für diesen Mörtel werden über mehrere Tage hinweg Kalksteine bei 1200 Grad verbrannt, dann abgelöscht und mit Sand vermischt. So entstehe sehr feiner Sumpfkalk, erklärt Mois. Der Steinmetz ist sehr glücklich über seinen "Job" im Geschichtspark. "Da wird Handwerk noch richtig ausgeführt", schwärmt er von seinem Open-Air-Arbeitsplatz. "Wer mit den Händen richtig anpackt, der schätzt das Handwerk danach wieder richtig!" Natürlich sei die Arbeit auch kräfteraubend und sehr anstrengend. Das sei erfrischend und entschleunigend.

Auch Archäologe Stefan Wolters war mit von der Partie und fachsimpelte immer wieder mit den Gästen. Stefan Wolters lieferte die Daten für den Brennvorgang. Damit der Kalkstein bis zum Kern durchbrenne, seien mindestens 1000 Grad Hitze notwendig. "Die müssen gehalten werden rund um die Uhr", so Wolters. 15 Ster Holz müssten verbrannt werden, um zwei Tonnen Kalkstein zu bearbeiten. Damit der Ofen die Temperatur halten könne, habe er ein Lehmdach und eine Erdummantelung. Gegen den Regen habe man ein Schutzdach gebaut. Mit viel Interesse hörten die Gäste zu. Am Samstagnachmittag waren dies vornehmlich Touristen.

Straße gesperrt

Ein Wermutstropfen bei der Aktion war, dass es am Wochenende schwierig war, Bärnau zu erreichen. Eine lange Baustelle versperrte den direkten Weg zum Grenzstädtchen. Die Besucher mussten teilweise einen 20 Kilometer langen Umweg über Plößberg in Kauf nehmen. Für alle, die davor nicht zurückschreckten, waren die Slawentage ebenso erlebnis- wie erkenntnisreich. Und viele gingen wieder mit der Erkenntnis: Das mittelalterliche Leben ist zwar schön anzuschauen, aber einfacher und bequemer lebt es sich heute.

Nur die Flöte ist nicht ganz authentisch. Es handelt sich schlicht und einfach um eine gewöhnliche Schulflöte aus der Neuzeit. Aber schön anzuhören war sie natürlich trotzdem.

Steinmetz und Bildhauer Robert Mois aus Ilsenbach war im Rahmen der Slawentage doppelt gefordert. Zum einen erklärte er den Besuchern des Geschichtsparks Bärnau-Tachov ausführlich, wie und warum der Kalkbrennofen funktioniert. Zum anderen musste er rund um die Uhr mit seinen Handwerkerkollegen darauf achten, dass das Feuer nicht ausgeht. Die Kalksteine brauchen zum Brennen mindestens 1000 Grad und die Temperatur darf nicht fallen. Aber das war nicht alles, was Besucher am Wochenende in Bärnau erleben konnten.

Die feuerige Glut muss einige Tage bei mindestens 1000 Grad brennen. Dann entsteht ein feiner Mörtel, der für den Bau der Burg von Kaiser IV. notwendig ist.

Während die Besucher sich gemütlich umsahen, arbeiteten die mittelalterlichen Darsteller im Geschichtspark Bärnau am Wochenende fleißig. Schließlich war es ihr Part, den Gästen zu zeigen, wie die Slawen einst lebten und werkten.

Stoffe mit der Pflanze Krapp färben: Das war einst eine übliche Art, die Kleidung hübsch bunt einzufärben. Wie das geht und warum man auch verschiedene Farbtöne bekommen kann, erklärten die Färberinnen gerne und ausführlich.

Im brodelnden Topf wird nicht etwa Suppe gekocht. Die "Köchin" rührt ihren Stoff um, den sie im großen Gefäß mit Krapp rot einfärbt.

Auch Archäologe Stefan Wolters (li.) war vor Ort, um interessierten Besuchern das Prinzip des Geschichtspark zu erläutern.

Genäht und gearbeitet wurde, zumindest in den Sommermonaten, vornehmlich draußen. Denn da war das Licht zum Arbeiten besser. In den kleinen Hütten ist kaum Licht, da sie meist keine Fenster hatten.

Wie im Mittelalter gibt es im Geschichtspark auch Tiere wie dieses nette Schaf, das sich von den Besuchern beim Fressen nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Selbst die Schuhe wurden per Hand genäht. Das interessierte viele Besucher.

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