(ubb) Es war einmal vor langer, langer Zeit, da bevölkerten die Slawen das Stiftland und das angrenzende Böhmen. Zu dieser Zeit gab es weder Handy noch Kaffeemaschine oder Plastik und noch nicht einmal eine "anständige" Baumaschine. Die Menschen machten alles per Hand und sie machten es gut. Mächtige Burganlagen entstanden, ganze Städte und mehr.
Mühevolle Kleinarbeit
Wie das ging, wurde im Freilandmuseum bei den Slawentagen erklärt. Eine kleine Version einer Burg baut der Geschichtspark Bärnau-Tachov dort in mühevoller Kleinarbeit authentisch nach. Aber nicht nur das war geboten. Mittelalterliche Darsteller zeigten, wie Schuhe, Kleidung, Hausrat und anderes aus Naturmaterialien hergestellt und gepflegt wurden. Die Akteure färbten mit der Pflanze "Krapp" und stellten Frischkäse her.
Hauptact war das erstmalige Anschüren des Kalkbrennofens. Handwerker haben diesen Ofen in anstrengenden Wochen und Monaten wie im Mittelalter gebaut. Auf das Ergebnis sind die Beteiligten sehr stolz. Kein Wunder: Das Bauwerk sieht nicht nur gut aus, es funktioniert auch wie einst. Steinmetz und Bildhauer Robert Mois aus Ilsenbach, einer der Handwerker, erklärte den Parkbesuchern immer wieder, wie der Ofen funktioniert und warum er so wichtig ist für den Bau der Geschichtspark-Burg.
Im Kalkbrennofen, so Mois, werde Mittelalter-Mörtel für den Bau der Burg hergestellt. Für diesen Mörtel werden über mehrere Tage hinweg Kalksteine bei 1200 Grad verbrannt, dann abgelöscht und mit Sand vermischt. So entstehe sehr feiner Sumpfkalk, erklärt Mois. Der Steinmetz ist sehr glücklich über seinen "Job" im Geschichtspark. "Da wird Handwerk noch richtig ausgeführt", schwärmt er von seinem Open-Air-Arbeitsplatz. "Wer mit den Händen richtig anpackt, der schätzt das Handwerk danach wieder richtig!" Natürlich sei die Arbeit auch kräfteraubend und sehr anstrengend. Das sei erfrischend und entschleunigend.
Auch Archäologe Stefan Wolters war mit von der Partie und fachsimpelte immer wieder mit den Gästen. Stefan Wolters lieferte die Daten für den Brennvorgang. Damit der Kalkstein bis zum Kern durchbrenne, seien mindestens 1000 Grad Hitze notwendig. "Die müssen gehalten werden rund um die Uhr", so Wolters. 15 Ster Holz müssten verbrannt werden, um zwei Tonnen Kalkstein zu bearbeiten. Damit der Ofen die Temperatur halten könne, habe er ein Lehmdach und eine Erdummantelung. Gegen den Regen habe man ein Schutzdach gebaut. Mit viel Interesse hörten die Gäste zu. Am Samstagnachmittag waren dies vornehmlich Touristen.
Straße gesperrt
Ein Wermutstropfen bei der Aktion war, dass es am Wochenende schwierig war, Bärnau zu erreichen. Eine lange Baustelle versperrte den direkten Weg zum Grenzstädtchen. Die Besucher mussten teilweise einen 20 Kilometer langen Umweg über Plößberg in Kauf nehmen. Für alle, die davor nicht zurückschreckten, waren die Slawentage ebenso erlebnis- wie erkenntnisreich. Und viele gingen wieder mit der Erkenntnis: Das mittelalterliche Leben ist zwar schön anzuschauen, aber einfacher und bequemer lebt es sich heute.






















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